Das Jubiläum- und Gedenkjahr rund um den 400. Todestag unseres Diözesanpatrons hat die erste Etappe genommen: ein Zwischenbericht über die Feierlichkeiten

Michael Fliri / Wolfgang Ölz

m Montag in der Karwoche machte sich eine Gruppe von Feldkirch auf den Weg nach Seewis. Nach einer Übernachtung im Bildungshaus Gutenberg in Balzers erreichte die stetig anwachsende Gemeinschaft Seewis. Von den beeindruckenden Begegnungen wollen wir die Schulamtsleiterin Annamaria Ferchl-Blum berichten lassen, die sich mit auf den Weg gemacht hat: „Auf diesen Montag in der Karwoche hatten mein Mann und ich uns schon länger gefreut. Nicht aus Begeisterung über den etwas sperrigen heiligen Fidelis (über den ich, als Tirolerin, so gut wie nichts wusste), sondern weil wir gerne weit wandern und uns das Motto der Versöhnung, gerade in Zeiten des Krieges in Europa, angesprochen hatte“, sagt Ferchl-Blum. Im Kapuzinerkloster eingetroffen, habe sich Ferchl-Blum mit ihrem Mann rasch in eine kleine Pilgergruppe, die sich aus Sigmaringer/innen und Vorarlberger/innen zusammensetzte, eingereiht. „Fidelis war von Anfang an Thema und ließ uns dann zwei Tage nicht mehr los. Bis wir am Abend in Balzers angekommen waren, kannte ich viele Fidelisgeschichten, Deutungen, volksfromme Bräuche, die sich in Sigmaringen, der Herkunftsstadt des Heiligen, besonderer Beliebtheit erfreuen“, erzählt sie.
„Am Abend in Balzers lud Markus Hofer die Gruppe dann förmlich mit ‚Mission‘ auf, in dem uns die Bedeutung dieses Ganges deutlich gemacht wurde. Noch nie wurde bisher ein derart starker symbolischer Akt gesetzt, der die Kraft haben könnte, alte Gräben zwischen Protestanten und Katholiken zuzuschütten, wie dieser Versöhnungsmarsch“, so Ferchl-Blum. Am zweiten Tag, beladen mit einem Auftrag, ging das Gehen für die Gruppe trotzdem leichter. An verschiedenen Stationen kamen Menschen dazu, die auch noch ein Stück Versöhnung ergehen wollten. „Die Prättigauer kamen uns mit Broten, Kuchen und Getränken entgegen. Die Stimmung war heiter und die Wandergruppe entwickelte sich zur bunten Dreiländerformation, die auf Seewis zuging, hinunter zur protestantischen Pfarrkirche und hinein in ein berührendes Versöhnungsritual zwischen den Kirchen“, fügt die Schulamtsleiterin hinzu, und schließt: „Fidelis 400 Jahre später – in welcher Mission wäre er heute unterwegs? Vielleicht wäre er gerne mit uns gewandert, als Botschafter der Versöhnung und eines neuen Miteinanders der Konfessionen.“

Eine Ausstellung zum „Fall Fidelis“

Die Stadt Feldkirch würdigt ihren Stadtpatron mit einer Ausstellung im Palais Liechtenstein. Dabei werden ausgehend vom gewaltsamen Tod des Kapuzinermönchs Zeit und Umfeld beleuchtet. Blutiger Aufruhr begleitete die Rekatholisierung und in Europa tobte der Dreißigjährige Krieg. In diesem Kontext versucht die Ausstellung, Antworten auf Fragen nach den Tätern, den Opfern, den Hintergründen zu finden. Und warum ist Fidelis schlussendlich ein Heiliger geworden?
Aber die Ausstellung verharrt nicht in der Vergangenheit: Gesellschaftliche Polarisierung ist uns heute nicht fremd, im Palais Lichtenstein nicht zuletzt durch eine Installation von Marbod Fritsch illustriert. In seinem Festvortrag zur Ausstellungseröffnung wies Bischof Benno darauf hin, dass Krieg und Streit zu Entrechtung und Willkür führten. Der Glaube an gemeinsame Werte und eine gesellschaftlich geteilte Basis von Freiheit, Solidarität und Mitmenschlichkeit als Voraussetzungen für Demokratie und friedliches Zusammenleben sind einer Gesellschaft nicht automatisch innewohnend, sondern müssen sich aus unterschiedlichen Quellen speisen. Auch Treue und Mut gepaart mit Widerständigkeit und Überzeugung seien derartige Quellen. Sie sind Beispiele für solche Beständigkeit und Anstoß für persönlichen Einsatz.

Festlichkeiten

Die Kapuziner und ihr Freundeskreis haben aus der Erinnerung an den 400. Todestag von Fidelis von Sigmaringen am 24. April 2022 ein Fest gemacht, das in vielerlei Hinsicht im Gedächtnis bleiben wird. Am Freitag wurde ein Sonderpostamt eingerichtet, in dem eine Briefmarke, die das Martyrium des Heiligen Fidelis zeigt, erworben werden konnte. Am Vorabend des Sonntags fand ein Gottesdienst statt, bei dem die evangelische Pastorin von Feldkirch, Margit Neuhold, durch ihre Predigt einen besonderen ökumenischen Akzent setzte. Anschließend traf man sich zum Fest im Zelt im Klostergarten, wo der Fideliskenner Markus Hofer einen spannenden Vortrag über Fidelis hielt, der auch Freundinnen und Freunde des Kapuzinerheiligen und Patrons der Stadt Feldkirch noch Neues erfahren ließ.

Lächeln gezaubert

Der liturgische Höhepunkt des großen Fidelisfestes war die Festmesse am Sonntag im Dom mit Bischof Benno Elbs, Prominenz aus nah und fern sowie zahlreichen Kapuzinern, die den Vorarlberger Oberhirten zu der Aussage hinreißen ließen, er wünschte sich immer so viele Kapuziner in Feldkirch. Anschließend führte die Prozession mit dem Haupt des Fidelis durch die Innenstadt, über die Bärenkreuzung ins Kloster. Offenbar verstehen die Kapuziner und ihr Freundeskreis auch zu feiern: Das abschließende Zeltfest im Klostergarten unter der Moderation von Bundesrat Elmar Mayer zauberte so manchem Gast ein Lächeln ins Gesicht. Auch in Muntlix, wo der hl. Fidelis als Patron der Pfarre eine in Vorarlberg einzigartige Stellung einnimmt, wurde dem Fidelisgedenken mit einem Festgottesdienst und einem Vortrag von Markus Hofer gewürdigt.

Ausblick

In Sigmaringen, der Geburtsstadt des hl. Fidelis, wird der Hohenzollerpatron in der kommenden Woche mit einer Vielzahl von Veranstaltungen gewürdigt. Höhepunkte werden die Uraufführung des Fidelis-Musicals, die Fidelisakademie mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmar und der Festgottesdienst am 1. Mai in der Stadtpfarrkirche sein, wo der Domchor Feldkirch die Abordnung der Stadt Feldkirch begleiten wird. Im Mai findet außerdem eine KirchenBlatt-Reise nach Sigmaringen, Freiburg und Konstanz statt, die in Sigmaringen auch den hl. Fidelis als Diözesanpatron besonders in den Blick nimmt. In Feldkirch ist weiterhin die Ausstellung „Der Fall Fidelis“ im Palais Liechtenstein zu sehen, wo im September 2022 ein Symposium zu Zeit, Umfeld und Person des hl. Fidelis stattfinden wird. Im September wird außerdem die Wanderausstellung „Täler in Flammen“ im Kapuzinerkloster in Feldkirch zu sehen sein, welche sich mit „Krieg, Politik und Religion um Rätikon und Silvretta anno 1622“ beschäftigt.


Der Festvortrag von Markus Hofer zum heiligen Fidelis kann unter www.youtube.com (Suchbegriff Seelsorgeregion Vorderland) nachgesehen werden. Weitere Veranstaltungen zum Fidelisjahr finden Sie unter www.kkv.or.at/fidelisjahr