Gabriela Meusburger, Obfrau des Vereines Down-Syndrom-Vorarlberg, schreibt anlässlich des Down-Syndrom-Tages über die hohe emotionale Intelligenz von Menschen mit Down-Syndrom, wobei und wieso sie sich mehr anstrengen müssen und was es für eine gelungene Integration braucht.

Gabriela Meusburger

Down-Syndrom - sind das nicht diese „Sonnenscheine“ mit „den schmalen Augen“? Die immer so fröhlich sind? Und irgendwie ein bisschen anders? Ja, Menschen mit Down-Syndrom sind anders - wie jeder Mensch. Aber was genau anders ist, das darf man auch benennen, um es greifbar zu machen. Das hilft ihnen und ihren Mitmenschen. Benennen bedeutet aber nicht, es zu bewerten oder gar abzuwerten.

Denn beim Thema Gefühle macht ihnen niemand etwas vor. Menschen mit Down-Syndrom sind sehr empathisch, sie erspüren Stimmungen. Ihre emotionale Intelligenz ist meist höher als bei anderen Menschen - im Unterschied zu ihrer kognitiven. Sie sind herzlich, können sich unbändig und ehrlich freuen und das auch zeigen. Aber sie können auch zutiefst traurig oder verletzt sein, wenn sie sich abgelehnt fühlen. Oder wenn man abfällig über sie spricht und sie ausgrenzt.
Dabei müssten sie in unserer heutigen Welt eigentlich sehr gefragt sein. Denn Down-Syndrom-Menschen sind Experten für Down-Shifting, für Entschleunigung. Sie zeigen auf, dass es mehr gibt als Hektik, Stress und Zeitmanagement. Eile ist für sie ein Unwort. Das ist eine Folge der Trisomie 21, der Tatsache, dass in ihrer DNA das 21. Chromosom dreifach vorkommt.

Wertschätzung, Liebe, Anerkennung

Früher hat man die „Sorgenkinder“ meist zu Hause versteckt, sie wenig gefördert oder oft mit Essen beschäftigt. Da ihre Muskeln schwächer sind, müssen sich Menschen mit Trisomie 21 bei jeder Form von Leistung mehr anstrengen als ihre Mitmenschen mit 46 Chromosomen. Deshalb verweigern sie auch manchmal die Mitarbeit, sind langsamer oder früher erschöpft.
Aber wenn man sie motiviert, wenn man sie ernst nimmt, und wenn man sie fördert, dann können sie ihr Potenzial zeigen und auch Erstaunliches leisten. Wie jeder Mensch brauchen sie dazu Wertschätzung, Liebe und Anerkennung. Down-Syndrom-Menschen haben Wünsche und Ziele - und verfolgen sie in ihrem Tempo. Und mit ihren Fähigkeiten. Die können sehr unterschiedlich sein, denn ihre genetische Veranlagung macht die Spannbreite noch weiter als bei anderen Menschen.
Sie zeigen heute mit Stolz, was sie können, wollen teilhaben am Leben und als Menschen wie du und ich gesehen werden. Sie wollen dasselbe wie alle Menschen: leben und glücklich sein. So wie sie sind.
Damit Menschen mit Down-Syndrom in unserer Gesellschaft leben und teilhaben können, brauchen sie Menschen, die ihnen etwas zutrauen. Die sich trauen, sie kennenzulernen oder überhaupt zu bekommen. Denn ein Bluttest, der relativ sicher in der Schwangerschaft feststellen kann, dass das Baby im Bauch Trisomie 21 hat, vermindert ihre Überlebenschancen. Umso mehr, wenn Ärzte oft nicht oder nur defizit-orientiert über die Auswirkungen des Syndroms aufklären. Oder sozialer Druck auf Schwangere ausgeübt wird, Kinder mit dieser Diagnose abzutreiben.

Es braucht eine Politik, die Inklusion nicht nur als Ziel benennt, sondern auch die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen für deren Umsetzung bereitstellt, damit sie auch gelingen kann. Von der Schule bis zum Arbeitsplatz. Damit wirklich jeder Mensch seinen Platz findet und in Würde leben kann.


Der Verein Down-Syndrom-Vorarlberg besteht seit 20 Jahren. Dieses Jubiläum wäre am 21. März groß gefeiert worden, die Feier musste aufgrund der aktuellen Situation jedoch abgesagt werden. Die Veranstaltung wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
Infos zum Verein: www.vbg.down-syndrom.at

Gabriela Meusburger ist Mutter einer Tochter mit Down-Syndrome und Obfrau des Vereines Down-Syndrom-Vorarlberg.
(Foto: Beate Rhomberg)


(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 12 vom  19. März 2020)