Nach der mutmaßlich terroristisch motivierten Enthauptung eines Lehrers bei Paris kam es in Frankreich erneut zu Attentaten.

Huber, kathpress

In der Basilika Notre-Dame im französischen Nizza sind am Donnerstag vergangener Woche drei Menschen bei einer Messerattacke getötet worden – zwei Frauen und der Mesner der Basilika. Laut Medien wurde der Täter durch Polizeikugeln verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Die französische Staatsanwaltschaft geht von einem Terrorakt aus. Zwei der Morde sollen sich in der Kirche ereignet haben, der dritte Mord in einer Gaststätte vor der Basilika. Weitere Personen seien verletzt worden. 

Trauer

Der Anschlag ist von Papst Franziskus aufs Schärfste verurteilt worden. Er rief das französische Volk zur Einheit auf. Franziskus sei mit den betroffenen Familien im Gebet verbunden und teile deren Trauer, hieß es in einem Telegramm an den Bischof von Nizza, André Marceau.
Frankreichs Präsident Macron sprach nach dem Attentat mit Papst Franziskus. Beide teilten laut der französischen Zeitung „Le Figaro“ übereinstimmend die Ansicht, über „die absolute Ablehnung des Terrorismus und der Ideologie des Hasses, der spaltet, tötet und den Frieden gefährdet“, und über die Bedeutung des Dialogs zwischen den Religionen.

Gedenkgottesdienst

Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort, Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz, hatte am Freitagabend in seiner Bischofsstadt Reims einen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Terrorangriffs gefeiert. Dabei erinnerte er auch an den wenige Tage zuvor in einem Pariser Vorort ermordeten Lehrer Samuel Paty sowie an den Priester Jacques Hamel, der 2016 bei einem Anschlag von zwei Islamisten brutal getötet wurde. Zugleich dankte der Erzbischof den Sicherheitskräften für ihr beherztes Eingreifen in Nizza.

Trauer

Die Bluttat wurde auch vom Französische Islamrat (CFCM) scharf verurteilt. Aber nicht nur in Frankreich, sondern weltweit löste die Attacke Bestürzung aus. So schrieb der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, via Twitter: „Die einzige Antwort auf den blinden Hass und die Gewalt kann nur mehr Liebe und mehr Solidarität sein.“

Angriff in Lyon

Ein paar Tage nach dem Nizza-Attentat kam es zu einem neuen Angriff in Frankreich. In Lyon ist am Samstag auf einen orthodoxen Priester geschossen worden. Wie örtliche Medien berichteten, eröffnete ein unbekannter Täter gegen 16.00 Uhr in der Nähe einer griechisch-orthodoxen Kirche in der Rue Saint-Lazare in Lyon das Feuer auf den Geistlichen. Dieser wurde durch die Schüsse schwer verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Wie französische Medien unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichten, ist am Samstagabend ein Tatverdächtiger festgenommen worden.

Wegen der Angriffe hat Frankreichs Premierminister Jean Castex die höchste Terrorwarnstufe für das Land ausgerufen. Präsident Emmanuel Macron kündigte an, die Zahl der Soldatinnen und Soldaten zu erhöhen, die Gotteshäuser und Schulen schützen sollen.

(Aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 45 vom 5. November 2020)