Bei der Taufe werden wir gesalbt und dürfen im Taufkleid symbolisch das „Gewand des Heils“ schon anziehen. Damit treten wir auch ein in die Sendung Christi.

benno elbsEin Licht anzünden 

Ein Gang durch den Advent
mit Bischof Benno Elbs
Teil 3 von 4

Je näher wir Weihnachten vor uns sehen, desto schärfer zeichnet sich eines ab: Das Ereignis von Bethlehem, das Leben ist nicht nur eine Wohlfühloase. Leid, Gewalt, Hunger und Not verschwinden nicht einfach von selbst von der Bildfläche. Dazu muss man anpacken. Was ist die Mission eines christlichen Lebens? Das formuliert der Prophet Jesaja kurz und treffend, mit großer Tiefe: „Er hat mich gesandt, um den Armen frohe Botschaft zu bringen“ (siehe 1. Lesung vom 3. Adventsonntag)

Der Geist des Herrn
Worin aber gründet dieser Auftrag? Dazu braucht es die Verbindung mit dem Ursprung, theologisch gesprochen mit der Liebe Gottes. So heißt es also: „Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.“ Dieser Geist Gottes ist der Grund und die Kraftquelle jedes Einsatzes für eine gute Welt.
Die Salbung und das Ruhen des Geistes auf uns sind uns in den Sakramenten der Taufe und der Firmung geschenkt. Und wozu sendet uns dieser Geist? – „Um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind …“ Ja, es gibt so viele Herzen, die zerbrochen sind – durch eine Kränkung, ein verletzendes Wort, eine tiefe Enttäuschung. Heilung heißt, dass wir aus diesen Fesseln der Traurigkeit, der Kränkung befreit werden, im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Das ist damit gemeint, „den Gefangenen Freilassung auszurufen und den Gefesselten Befreiung.“

Wo bin ich gefangen?
Und dann stellt sich die Frage: Wo bin ich gefangen? Wo bin ich Gefangener meiner Ideen, meiner Wünsche, meiner Lebenssituation, meiner Geschichte? Wo gibt es in meinem Leben Sehnsucht nach Befreiung, nach einem neuen Land der Freiheit? Das ist es ja, was Weihnachten im Innersten meint: Ich darf warten und erwarten, dass ich persönlich Freiheit finde aus den Kellern des Kummers. Vor allem aber bin ich dazu gesandt, zerbrochene Herzen aufzurichten. Dann ereignet sich das, was Jesaja mit einem wunderbaren Bild aussagt: „Er kleidet mich in Gewänder des Heils.“ Für mich ist es jedes Mal ein berührendes Symbol, wenn bei der Taufe einem kleinen Kind das weiße Taufkleid angelegt wird. Es ist ein Zeichen dafür, dass ein Mensch gestärkt und getragen wird – durch die Eltern, Freunde und Freundinnen – und vor allem gesegnet durch Gott. Er zieht uns ein Gewand des Heils an.

Das große Fest
Wenn die Welt zumindest ein Stück weit sich in einen Ort entwickelt, an dem den Armen eine frohe Botschaft gebracht wird, zerbrochene Herzen geheilt werden und Gefangene Freiheit verspüren, wenn all das Befreiung erfährt, was in meinem Leben gefesselt ist, dann nähern wir uns der Stimmung eines freudigen Festes, wie bei einer Hochzeit, an der Menschen berührt sind von der Liebe zweier Menschen, die sich dann auf die ganze Festgesellschaft überträgt. Advent heißt, darauf hoffen und darauf hinarbeiten, dass wir an Weihnachten ein „Gewand des Heils“ tragen.

(aus dem KirchenBlatt Nr. 50 vom 14. Dezember 2017)