Dass das „Gfrörner“ Wegkreuz in Dornbirn in den letzten Wochen und Monaten aufwendig restauriert wurde, ist an und für sich nichts Besonderes. Dass sich die Offene Jugendarbeit Dornbirn in einem interkulturellen und konfessionsübergreifenden Arbeitsprojekt daran beteiligt hat, sehr wohl.

Am kleinen Kreisverkehr, an dem sich Altweg, Schlachthausstraße, Poststraße, Mittelbrunnen und Bildgasse treffen, gelegen, steht das „Gfrörner Kreuz“, das unter den vielen Dutzenden Dornbirner Wegkreuzen eine ganz besondere Bedeutung hat. In den letzten Monaten war das Wegkreuz aber nicht mehr zu sehen. Dies liegt darin begründet, dass das historische Kreuz einer aufwendigen Sanierung unterzogen wurde. Doch der Reihe nach.
Wegkreuze, Flurkreuze, Bildstöcke und Marterl sind ein Ausdruck des Volksglaubens und können auf eine lange Tradition zurückblicken. Zumeist an exponierten Lagen oder Weggabelungen positioniert, prägen diese bis heute das Ortsbild bzw. die Landschaft. Dienen sie heute vermehrt als Wegzeichen für Wanderer und Pilger oder kennzeichnen gefährliche Stellen, so wurden sie früher regelmäßig in Notsituationen aufgesucht.

Vom Bildstock zum Kreuz. Im Laufe der Jahre haben sich um diese Kleindenkmäler auch besondere Geschichten oder Sagen gesponnen. So auch beim Gfrörner-Kreuz, das alten Quellen zufolge ursprünglich an etwas anderer Position ein Bildstock war. Daher rührt auch der Name Bildgasse, der auf das sogenannte Gfrörner-Bild zurückgeht. „Vor diesem Bildstock wurde einst um Hilfe bei hohem Fieber oder auch gegen Frostschäden gebetet“, weiß Herbert Rella. Der rührige Pensionist hat das Grundstück, an dessen Rand das Kreuz positioniert ist, vor einigen Jahren von der Stadt gepachtet. Neben dem kleinen Häuschen hat sich der umtriebige Dornbirner auch des Wegkreuzes angenommen, das sich – ähnlich wie das Haus an der Bahn – in einem sehr schlechten Zustand befand. „Jahrelang hat sich ein Geschwisterpaar aus der Nachbarschaft liebevoll um das Kreuz gekümmert und es mit Blumen geschmückt. Nach dem Tod der beiden verschlechterte sich der Zustand des Kreuzes zusehends“, beschreibt Rella. Neben den witterungsbedingten Schäden am Holz wurde der direkt am Gehsteig positionierten Christusfigur schließlich auch ein Fuß abgebrochen.

Da die Besitzverhältnisse unklar waren, schien der Weiterbestand des Kreuzes in Gefahr. Bis Herbert Rella im Vorjahr einige Entscheidungsträger an einem Tisch versammelte, um die Restauration des historischen Kreuzes zu besprechen. „Mir war aufgefallen, dass sich das Kreuz nach wie vor großer Beliebtheit erfreut und sich viele Menschen davor bekreuzigt oder sogar davor hingekniet haben“, erzählt er. Schnell war man sich hinsichtlich der Zuschüsse einig und die Wiederherstellung der Christusfigur eines unbekannten Künstlers durch die Gaiß-auer Restauratorin Nicole Mayer konnte in die Wege geleitet werden.

Jugend am Werk. Auf der Suche nach Einsparpotentialen kam es dank Rellas Kontakten zur Zusammenarbeit mit der Offenen Jugendarbeit Dornbirn. Zwar sind die Jugendlichen des Arbeitsprojekts „Job Ahoi“ vornehmlich auf Bootsreparaturen spezialisiert, in diesem Fall stellten sie sich aber einer neuen Herausforderung. In einer Art interkultureller und auch konfessionsübergreifender Projektarbeit widmeten sich die Jugendlichen knapp 200 Stunden lang dem händischen Abschleifen der alten Lackschichten der Christusfigur. Nachdem die Restauratorin weitere Reparaturen durchgeführt und den Körper neu gefasst hatte, durften sich die Jugendlichen schließlich auch noch im Vergolden versuchen. „Alles in allem eine wunderbare Erfolgsgeschichte – nicht nur, dass die Restauratorin das Ergebnis mit einem ‚Sehr gut‘ benotete, auch die Jugendlichen widmeten sich mit großer Begeisterung der etwas anderen Aufgabe“, fasst Rella die Zusammenarbeit zusammen.

Segnung am Pfingstmontag. Parallel zum Korpus wurde auch das Kreuz selbst saniert, etwas vom Gehsteig zurückversetzt und mit einem Zaun versehen. Während das Kreuz bereits positioniert ist, soll am Donnerstag vor Pfingsten auch der frischsanierte Korpus wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren. Nach dem Gottesdienst am Pfingstmontag (ca. 10.30 Uhr) wird das runderneuerte Wegkreuz gesegnet und die gelungene Sanierung mit einer kleinen Agape und einem Frühschoppen gebührend gefeiert. «