Mit „Sagmeister & Beauty“ übertrifft das vorarlberg museum sich selbst. Die internationale Schau von Stefan Sagmeister ist dank der Kunst aus dem Ländle eine der besten Ausstellungen der letzten Jahre im Land.

Wolfgang Ölz

Die Ausstellung von Stefan Sagmeister war bereits unter anderem in renommierten Häusern in Wien oder Frankfurt zu sehen. Aus dieser Wanderausstellung hat Sagmeister die beliebtesten Stationen ausgewählt, zum Beispiel den Farbraum, ein realer Raum um in ein Farb–Ornamentmeer einzutauchen oder eine interaktive Steuerungsmöglichkeit von Vogelschwärmen. Neben diesen den Spieltrieb des Menschen inspirierenden Teilen ist es aber vor allem die Auswahl schöner Kunst aus Vorarlberg, die diese Ausstellung zum absoluten Highlight macht.

Sagmeisters Hits.

Dieser Teil der Ausstellung kann als eine Hitliste der ästhetisch ansprechendsten Kunstwerke des Landes angesehen werden. Von den berühmten Bushaltestellen in Krumbach bis zum islamischen Friedhof von Bernardo Bader, von Rudolf Wacker bis Edmund Kalb und von Miriam Prantl bis Karl Heinz Ströhle. Hier ist wirklich das Schönste, was die Kunst gestern und heute im Ländle zu bieten hat, versammelt. Besonders ist das Votivbild eines Lawinenabgangs im Montafon, dass der kleine Stefan auf Sommerfrische bei St. Gallenkirch immer durch die versperrte, vergitterte Tür einer Kapelle gesehen hat. Die Ausstellung umfasst den gesamten vierten Stock, die Vitrine im 2. Stock, das Atrium, sogar vor der Toilette gibt es eine Arbeit. Da merkt man, das Stefan Sagmeister durchaus der Schalk im Nacken sitzt.

Schön meint ehrlich

Die zentrale These von Stefan Sagmeister ist, dass die Schönheit keineswegs im Auge des Betrachters liegt, sondern dass es objektive Kriterien für Schönheit gibt. Sagmeister: „Die Schönheit ist eine Kombination von Gestalt, Farbe, Komposition, Materialität und Form, die meine ästhetischen Sinne anspricht, speziell mein Sehen.“ Thomas von Aquin nennt die Eigenschaften Gottes als „das Eine, das Wahre, das Schöne“. Sagmeister nimmt an, wenn Thomas von Aquin vom „Wahren“ spricht, er das „Wahrhaftige“ meint. In Bregenz, ergänzt Sagmeister, soll diese Wahrhaftigkeit in Richtung Ehrlichkeit gehen, um schön zu sein.
„Schönheit wird die Welt retten“, heißt es bei Fjodor Dostojewski. Sagmeister meint dazu:
„Ob Schönheit die Welt retten wird, weiß ich nicht. Sie wird die Welt lebenswerter machen, das ist gewiss.“
Es ist für Stefan Sagmeister eine überholte Sicht, Design nach der Funktion und nicht nach der Schönheit zu schaffen. Selbst ein Architekt wie Adolf Loos, der 1910 das Buch „Ornament ist Verbrechen“ verfasste, wünschte sich in den 1930er–Jahren Ornamente auf seine schmucklosen Gläser. Ein „schöner Zufall“, dass der in Bregenz geborene und in New York lebende Designer Stefan Sagmeister mit eben dieser Verschönerung der Loos–Gläser betraut wurde. Stefan Sagmeister macht sich einen Spaß daraus, berühmte Architekten wie Le Corbusier in Frage zu stellen und andere, wie etwa Friedensreich Hundertwasser, für die schöne Müllanlage in Wien zu loben.