Thomas Netzer-Krautsieder ist im Pastoralamt für „Geistliche Begleitung“ zuständig. Im KirchenBlatt-Gespräch erklärt er, wie Achtsamkeit gelingen kann und lädt zu seinen Exerzitien im Alltag ein, die er in der Fastenzeit im Kapuzinerkloster in Feldkirch anbietet.

Wolfgang Ölz

Der Schritt von der hochfrequentierten Bärenkreuzung in die Ruhe des Kapuzinerklosters ist für Thomas Netzer-Krautsieder ein schönes Sinnbild dafür, worum es bei den Exerzitien geht: Aus der Hektik begibt sich der Übende an einen schönen, ruhigen Ort, um sich in sich zu vertiefen und zu entdecken, was sich in seiner Seele abspielt.

Im Augenblick Da-Sein

Achtsamkeitsprogramme, wie sie etwa Jon Kabat-Zinn anbietet, sind heute sehr gefragt. Thomas Netzer-Krautsieder ist ausgebildeter Leiter für „Achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung“ (Englisch: „Mindfullness based stress reduction“, kurz MBSR). Während viele Menschen bei der Selbstdefinition „religiös“ zurückschrecken, gibt es nicht wenige, die das Eigenschaftswort „achtsam“ durchaus auf sich anwenden wollen und können. Das „In- die-Gegenwart-Kommen“ ist eine Haltung, die in einer Zeit von medialer Zerstreuung, permanenter Hektik und wachsendem Leistungsdruck ein aktuelles Bedürfnis aufgreift.

Beim Üben von Achtsamkeit versucht der/die Teilnehmer/in, ganz bewusst im gegenwärtigen Augenblick zu sein. Vergangenheit und Zukunft sollen zugunsten eines Präsent-Seins beiseitegelassen werden. Thomas Netzer-Krautsieder weiß: „In diesem Präsent-Sein, im achtsamen Da-Sein öffnet sich ein Raum, in dem wir zu Hörenden werden.“ Die bewusste Rückkehr von freien Assoziationen in die Gegenwart ist eine heilsame Praxis, die auch aus der Zenmeditation bekannt ist. Dabei ist eine große Freundlichkeit gegen sich selbst anzustreben, die jede destruktive Selbstquälung außen vor lässt. 

Erfolge bei Suchtproblematiken

Netzer-Krautsieder arbeitet auch als Seelsorger im Krankenhaus Maria Ebene und erzielt bei Menschen mit Suchtproblem mit dieser Achtsamkeitsschulung gute Erfolge. Menschen lernen, unangenehme Empfindungen wie etwa Suchtdruck auszuhalten und wieder vorübergehen zu lassen, ohne zu einer Substanz greifen zu müssen.

Verkosten der Dinge mit Ignatius

Im aktuellen Kurs dienen die eben beschriebene Achtsamkeitsübung als Einstieg für ignatianische Exerzitien. In den anschließenden ignatianischen Betrachtungen von Bibelstellen folgt der Kurs nämlich einem Modell, das der hl. Ignatius von Loyola vor 500 Jahren in seinen Geistlichen Übungen (= Exerzitien) vorgelegt hat.

Netzer-Krautsieder: „Dabei wird eine Schriftstelle langsam und bewusst gelesen, quasi taggeträumt, und der aufmerksame Beobachter begibt sich in die jeweilige Szene hinein. Dabei muss keine Leistung erbracht werden - sich einfach einlassen und schauen, was sich tut - bei dem verweilen, was mich anspricht. Denn ‚nicht das viele Wissen sättigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her‘, so der heilige Ignatius.“

In guter Gesellschaft Jesu

So begibt sich der Gottsucher bewusst in die Gesellschaft von Jesus. Der/die Teilnehmer/in geht mit Jesus geistig mit, wenn dieser auf die Frage, „Meister, wo wohnst du?“ antwortet: „Kommt und seht!“ (Joh 1,38) Dabei geht es auch immer darum, aufmerksam zu werden, was sich im Inneren, in meiner Seele, regt.

Achtsamkeit - Exerzitien im Alltag

6-teiliger Kurs in der Fastenzeit. Begleitung: Thomas Netzer-Krautsieder
Unterlagen (Mappe und CD) für das tägliche Üben zu Hause werden zur Verfügung gestellt, Selbstkostenbeitrag: € 25,-.

Anmeldung: T 0676 83240 1219,

Jeweils donnerstags, 7./14./21./28. März, 4./11. April, 18 bis 20.30 Uhr,
Kapuzinerkloster, Feldkirch.