Als die Sterndeuter das Haus mit der Krippe erreichten, ist keine Rede mehr von einem Königskind. Das Kind finden sie nicht in einem Königspalast, sondern am Rande der Stadt.

Jesus wird öfters mit dem Königstitel in Verbindung gebracht. Es gibt unterschiedliche Vorstellungen und Bilder, was jeweils damit angesprochen wird. Er ist ein Kind aus dem Haus Davids, als neugeborener König der Juden von den Sterndeutern gesucht. Jesus wehrte sich gegen den Versuch, ihn zum König zu machen. Erst bei der Verurteilung lässt er den Hoheitstitel König zu. Mit dem Titel „König“ verbinden sich differenzierte Botschaften.

Sterndeuter huldigen Königskind

„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem“ (Mt 2,1-3).

Es ist eine vielschichtige Erzählung, die uns Matthäus mit den Sterndeutern aus dem Osten liefert. Unter anderem erzählt sie, dass Heiden – Sterndeuter aus dem Osten – auf der Suche nach Gott sind. Den Weg finden sie schließlich mit Hilfe der Worte aus der Heiligen Schrift, die den Juden bereits gegeben ist. Es spricht von einer gewissen Tragik, dass jene, wie etwa die Schriftgelehrten und Hohenpriester, den Weg zum Kind nicht mitgehen. Erwähnenswert ist ebenso, dass ein Stern für Sterndeuter etwas Alltägliches ist. Das Alltägliche wird ihnen zum Zeichen, das sie auf Gott verweist und aufbrechen lässt.

Die Sterndeuter lernen

Die Erzählung ist zugleich eine Lerngeschichte. Die Sterndeuter fragen nach dem neugeborenen König der Juden. Im Begriff Jude verbirgt sich das „Gottpreisen“, „Gottbekennen“, „Gottloben“. Sie suchen also den König der Gottpreisenden. Die Sterndeuter kommen zu Herodes und fragen nach dem Kind. Herodes ist wahrlich keiner, der es zur Aufgabe gemacht hätte, Gott zu preisen. Matthäus hat für seine Leute eine doppelte Botschaft. Er ist nicht Vater eines solchen Kindes und er ist nicht König dieses (Gottes-)Volkes. Die Sterndeuter lernen, dass sie sowohl am falschen Ort als auch bei den falschen Menschen das Königskind vermuten. „Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land“ (Mt 2,9-12).

Das Kind und die Mutter

Man beachte, als die Sterndeuter das Haus erreichten, ist keine Rede mehr von einem Königskind. Sie sahen vielmehr das Kind und Maria, seine Mutter. Das Kind, nach dem sie suchten, finden sie nicht in einem Königspalast, sondern in einem Haus am Rande der Stadt. Sie sehen Maria, die Mutter. Sie ist keine Königin mit Gesinde und Dienerinnen, sondern eine Mutter, die um das Leben des Kindes bangen muss, bedroht von einem König, dessen Aufgabe es wäre, die Menschen des Volkes zu schützen.

Die Sterndeuter fielen nieder und huldigten diesem Kind und brachten ihre Schätze hervor. Gold: Dem einfachen Kind kommt göttliche Würde zu. Weihrauch: Das Kind wird Gott loben und preisen. Myrrhe: Er ist zum Heil der Welt geboren und berufen. Man möchte sagen, in einem „gewöhnlichen“ Kind zeigt sich Gottes Zuwendung und Wirken. Es heißt, dass die Sterndeuter mit Freude erfüllt wurden. Die Hinwendung zu den Armen und Schutzbedürftigen ist ein Weg zu Gott, zu einer Quelle der Freude. Es lässt sie Gott preisen. Den Armen und Bedrängten gebührt königliche Würde.

Die Sterndeuter gehen nicht mehr zurück zu Herodes. Die Begegnung mit dem Kind bringt sie auf einen anderen Weg. (Lebens-)Freude nehmen sie mit in ihr Land.

Erich Baldauf Erich Baldauf schärft in einer dreiteiligen KirchenBlatt-Serie das biblische Bild vom Königsein Jesu, das gängigen Vorstellungen von Königen so grundlegend widerspricht.