Malerisch gelegen, eingebettet zwischen den sanften Hügeln des oberen Kremstals liegt Stift Schlierbach. Das Zisterzienserkloster blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, immer wieder stellte sich die Gemeinschaft auf kulturelle und wirtschaftliche Umbrüche ein. Heute vereint es Spirituelles mit Wirtschaftlichem und Kunst. So lohnt sich eine Reise nach Oberösterreich in vielerei Hinsicht.

Petra Baur

Im 10. Jahrhundert als Burg erbaut, wurde im Jahr 1355 das damalige Gebäude Zisterzienserinnen als Bleibe zur Verfügung gestellt. Der Frauenorden wirkte dort rund 200 Jahre - bis zur Reformation, die ein Ende des Ordenslebens bedeutete. Im Zuge der Gegenreformation hielten Zisterzienser aus Rein bei Graz Einzug in die klösterlichen Mauern. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begannen die Ordensleute mit dem Neubau der Anlage - so gehört sie heute zu den Hauptwerken des Österreichischen Barocks. Durch geschickte Politik gelang es den Verantwortlichen, dass das Stift bis heute Bestand hat. Derzeit leben an die dreißig Ordensmänner in der Klostergemeinschaft.

Käserei, Gymnasium und Glasmalerei.

Im Stift befindet sich unter anderem die größte Klosterkäserei Europas. Seit 2012 werden in der Klosterkäserei ausschließlich Bio-Käsespezialitäten hergestellt. Das Gymnasium der Abtei ist eine katholische Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht. Derzeit besuchen rund 500 Schülerinnen und Schüler das Gymnasium. Besonders erwähnenswert ist jedoch die Glasmalerei von Stift Schlierbach.

25 engagierte Mitarbeiter/innen arbeiten in dem modernen Traditionsbetrieb. „Glas ist ein sensationeller Werkstoff, langlebig, transparent und man kann unglaubliche Lichtstimmungen in einen Raum bringen“, zeigt sich Robert Geyer-Kubista, Geschäftsführer der Glasmalerei, begeistert. Seit Jahrhunderten hat die Glasmalerei einen besonderen Stellenwert in der Malerei. Keine andere Art des Malens kann eine so hohe Farbleuchtkraft und so große Helligkeitsunterschiede zeigen wie ein durchsichtiges Glasbild. Davon kann man sich in vielen Kirchen im In- und Ausland überzeugen.

Künstler/innen in der Glasmalerei.

In Stift Schlierbach ist die Glasmalerei auch Zentrum für freischaffende Künstler/innen. Nicht nur in Österreich wurden viele Entwürfe dieser Künstler/innen in Glas umgesetzt, auch aus dem Ausland gibt es eine rege Nachfrage nach Schlierbacher Glasfenstern. So findet man in der Verkündigungsbasilika in Nazareth Glasfenster aus Schlierbach. Gestaltet sind sie nach Entwürfen von Lydia Roppolt. Die Glaskunstwerke der 1995 verstorbenen österreichischen Künstlerin sind in zahlreichen heimischen Kirchen zu bewundern. Unter anderem ist auch der Meditationsraum in Stift Schlierbach von Lydia Roppolt gestaltet. „Mein persönliches ‚Lieblingsstück‘ sind die Glasfenster für die Gedächtniskirche in Hiroshima von Prof. Josef Mikl und die gotischen Fenster im Stift Heiligenkreuz NÖ“, betont Geyer-Kubista.

Herzlich willkommen.

Jährlich kommen etwa 25.000 Besucher/innen nach Stift Schlierbach. Viele nutzen auch die Möglichkeit im Schaubereich der Glasmalerei das Handwerk genauer unter die Lupe zu nehmen. Im angrenzenden Verkaufsladen können auch die einen oder anderen Glasprodukte, made in Austria, erworben werden. Speziell für das Vorarlberger KirchenBlatt hat die Glasmalerei wunderschöne Glaskreuze gestaltet, die als Abo-Geschenk mit Sicherheit für Begeisterung sorgen werden. «

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 28 vom 9. Juli 2020)