Neben dem kostbaren Wolf-Huber-Altar, der wertvollen schmiedeeisernen Kanzel und den Glasfenstern von Martin Häusle gehört der Altar von Herbert Albrecht zu den Lieblingskunstwerken Rudolf Bischofs im Dom.

Rudolf Bischof

Herbert Albrecht hat mit seinen Kunstwerken viele Kirchen in Vorarlberg bereichert, sei es durch die Monumentalplastik in der Mehrerau, den Altar in der Martinskirche in Dornbirn als Mittelpunkt für die Feiernden, die Altäre in Götzis, Altenstadt, Wolfurt, Arbogast, Nüziders und Bürserberg, um nur einige aufzuzählen. Jedes seiner Werke hat eine besondere Botschaft. Das kommt wohl daher, dass jede seiner Formen aus einem langen Überlegen, das manchmal auch zum Kampf werden kann, erwachsen ist. Es ist ein Streben nach dem Vollendeten, und bleibt während des ganzen Werdens ein Streben und Berühren des Entstehens.

Dieses Entfalten der Form fängt an und ist stark verbunden mit der Auswahl des Steines. Ich erinnere mich gut, wie wir nach Comblanchien bei Beaune im Burgund gefahren sind, um im Steinbruch den richtigen Steinblock auszuwählen. Es war ein Kalkstein in den Farben der Getreidefelder, die darüber liegen, durchzogen von feinen roten Adern, die an Blut erinnern und an die Weinberge der Umgebung. So ist es der richtige Untergrund für die Feier der Eucharistie, in der Brot und Wein verwandelt werden.
Begonnen hat aber dieses Entstehen dadurch, dass Herbert Albrecht sich in Stille in den Dom setzte und die Botschaft des Raumes auf sich wirken ließ. Da waren die markanten vier Mittelsäulen, die als Evangeliensäulen die schützende Decke tragen, da war die Botschaft der Wurzel Jesse bei den Altären und der Mannalese (das Auflesen des Mannas) der Kanzel, die den Trost schenken, dass aus Kleinem ganz Großes wachsen kann. So schuf er die Form, dass er die Säulen gebündelt hat - zwölf Säulen, die an die Apostel erinnern, tragen den Altartisch, wobei die vier der Evangelisten vorgestellt sind. Die ganze Form wächst wie ein Baum aus der Erde und erinnert an die Wurzel Jesse. Diese verschiedenen Botschaften wurden von Herbert Albrecht zu einem Ganzen geformt, meisterliche Übergänge verbinden sie, so ist die Form ein vollendetes Ganzes, nicht zusammengestückelt, sondern eines, wie dieser Gott, den wir da feiern, einer ist. Der Altar steht als Abschluss der Säulenreihe an dem Ort, an dem früher das Sakramentshaus gestanden ist, das später zur Kanzel umgeformt wurde. Von hier aus dürfen Menschen das neue Manna aufnehmen, das an jedem Tag neu Nahrung und Hoffnung schenkt. Der Altar fasst die Botschaft dieses ganzen Kirchenraumes zusammen und wird dadurch für mich zu einem Lieblingskunstwerk, das auch die andern widerspiegelt. So werden mit mir noch viele Menschen dankbar sein für den Meister Herbert Albrecht, der dem Dom eine neue und wertvolle Mitte geschenkt hat. «

Zur Person

Rudolf BischofMsgr. Rudolf Bischof, geb. 1942 in Bezau, hat den Altar im Dom St. Nikolaus in Feldkirch bei Herbert Albrecht in Auftrag gegeben. 1961 bis 1967 studierte er als Priesterseminarist Theologie in Innsbruck. Nach der Priesterweihe war er fünf Jahre Kaplan in Frastanz und 15 Jahre Pfarrer in Lustenau Hasenfeld. 1987 bis 1996 war er Regens im Innsbrucker Priesterseminar. Das Amt des Dompfarrers bekleidete er von 1997 bis 2019, von 2013 bis 2019 war er auch Generalvikar der Diözese Feldkirch. Jetzt ist Rudolf Bischof als Bischofsvikar zuständig für die Priesterseelsorge. Als Referent für Kunst und Kirche berät er auch die Pfarren des Landes bei Renovierungen. Gemeinsam mit Diözesankonservator Othmar Lässer erarbeitet er zur Zeit eine Beschreibung wertvoller kirchlicher Kulturgüter in Vorarlberg.  W. Ölz   Foto: KKV

(aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 26 vom 25. Juni 2020)