Dekan Paul Riedmann ist für die Ökumene im Land zuständig. Anlässlich der Weltwoche für die Einheit der Christ:innen bat ihn das KirchenBlatt zum Interview.

Wolfgang Ölz

Wer sind die Akteure der Ökumene in Vorarlberg?
Paul Riedmann: In Vorarlberg finden sich Gemeinden folgender, staatlich – und seitens des Ökumenischen Rates der Kirchen Österreichs auch kirchlich – anerkannter christlicher Kirchen: Altkatholische, Evangelische, Evangelisch-methodistische, Serbisch-Orthodoxe, Rumänisch-Orthodoxe, Römisch-katholische und Ukrainisch-griechisch-katholische Kirche.

Wie hat sich das Klima zwischen den Konfessionen in den letzten Jahren entwickelt?
Riedmann: In gegenseitiger Wertschätzung treffen sich Verantwortliche dieser Kirchen vor allem bei Gebetsversammlungen – in der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen und aus aktuellen Anlässen wie Friedensgebete. In jüngster Zeit sind auch Vertreter der Neuapostolischen Kirche zunehmend miteinbezogen.

Was sind neben der Taufe die Gemeinsamkeiten der Ökumene generell?
Riedmann:  In der Ökumene, also im Zusammenwirken der verschiedenen christlichen Konfessionen, ist das Zentrum Jesus Christus. Allen gemeinsam ist das zentrale Anliegen, auch und gerade Menschen unserer Zeit die Frohbotschaft Jesu Christi, das Evangelium bekanntzumachen. Dies geschieht im Zeugnis-Geben, in der Verkündigung und in caritativem Handeln – also in Wort und Tat. Auch der Lobpreis der Größe Gottes in verschiedensten Formen von Gottesdienstfeiern ist allen gemeinsam – allerdings gibt es da große „kulturelle“ Unterschiede in den Riten.

Warum ist Jesus Christus das Zentrum der Ökumene?
Riedmann: Er ist der Christus, der Gesalbte Gottes. Und wir tragen seinen Namen: Christ:innen. Wie der HERR selbst, so sind alle auf seinen Namen Getauften berufen, Licht der Welt zu sein (Mt 5,14). Dies ist die Berufung all jener, die durch Glauben und Taufe in seiner Nachfolge stehen.
Jesus Christus ist die einende Mitte. Sein Wunsch, Wille und Gebet ist es, dass alle mehr und mehr eins sind wie er mit dem Vater und dem Hl. Geist (Johannes 17,21). Dieses Mandat des HERRN ist uns allen aufgetragen. Es fordert uns heraus, gegenseitige Vorurteile, Abwertungen und Misstrauen abzulegen und Schritt für Schritt aufeinander zuzugehen. Darum kommen wir nicht herum.

Gibt es so etwas wie eine Kirche in katholischem Sinne von allumfassend, zu der alle christlichen Konfessionen gezählt werden können?
Riedmann: Eine solche „Einheitskirche“ wird es niemals geben. Nicht Uniformität, sondern „Einheit in Vielfalt“ ist vonnöten. Jede christliche Kirche hat ihre speziellen Prägungen, Schwerpunkte und Gaben, die gewachsen sind – letztlich hervorgebracht durch den Heiligen Geist. Dies anzuerkennen und die Potenziale auch der anderen zu nutzen, das wäre für alle eine Bereicherung.

Was sind die gemeinsamen Probleme, mit denen die Kirchen im Land zu kämpfen haben?
Riedmann: Nachdenklich macht die Leiter wohl jeder christlichen Kirche der Rückgang der Kirchenbesucher:innen, befördert durch Corona. Eine Frage und Sorge für alle ist: Wie können wir als Kirchen die Jugend ansprechen, gewinnen und integrieren.

Auch Freikirchen sind mittlerweile als Religionsgemeinschaft in Österreich staatlich anerkannt. Müssten Sie nicht konsequenterweise in die Ökumene mit einbezogen werden?  
Riedmann: Mehrere christliche Freikirchen Österreichs haben sich vor zehn Jahren zusammengeschlossen und erhielten als „Freikirchen in Österreich“ die staatliche Anerkennung. Bei uns in Vorarlberg betrifft dies zwölf Gemeinden. Österreichweit sind bei einem Runden Tisch des „Weges der Versöhnung“ nicht nur die „historischen“, sondern auch diese Freikirchen in intensivem, gegenseitigen Austausch – persönlich, theologisch und im gemeinsamen Feiern des Glaubens.
In Vorarlberg sind diese Prozesse noch nicht so weit fortgeschritten, doch es gibt gute persönliche und wertschätzende Kontakte zwischen Verantwortungsträgern und gegenseitige Einladungen. Das Gebet für Österreich – unter anderem befördert durch die Initiative „Österreich betet gemeinsam“ – ist auch ein einender Faktor.