Der „Tag der Menschenrechte“ stellt die Frage nach der Armut und ihren politischen (Mit-)Ursachen. Das KirchenBlatt sprach mit Mäx Amann*, der zwar einer erfüllenden Arbeit nachgeht, aber aufgrund von Unterhaltszahlungen nur über 590 Euro im Monat verfügt.

Mäx Amann (geb. 1977) arbeitet in einer Jugendeinrichtung, wo er 1400,- Euro netto verdient. Für Unterhaltszahlungen für seine drei Kinder von zwei Frauen muss er 810,- Euro  bezahlen. Bleiben 590,- Euro für die Lebenshaltungskosten von denen er folgende Fixkosten zahlen muss: Wohnung, Strom, Telefon, Internet, Essen, Kleidung, Schuhe, Körperpflege und Friseur. Das hindert ihn aber nicht daran, immer wieder mal einen Jugendlichen auf eine 50-Cent-Cola einzuladen. Einem Burschen, der im Jugendhaus 15 Euro gestohlen hatte, habe er, so versichert Mäx, diese
15 Euro geschenkt, auch wenn das Geld für sein eigenes Mittagessen bestimmt war. Hätte er 500 Euro mehr, würde er das Geld für seine Kinder und seine Jugendlichen verwenden.

Die 20-Euro-Hürde. Zu seinem zwölfjährigen Sohn aus der ersten Beziehung hat er seit vier Jahren keinen Kontakt mehr, die beiden Mädchen (6 und 8 Jahre) aus der zweiten Beziehung kann er immer wieder treffen, auch wenn er immer sehr kurzfristig von seiner zweiten Ex-Partnerin erfährt, wann er Zeit mit ihnen verbringen kann. Seine Kinder bedeuten für Mäx Amann alles, und er bemüht sich mit allen Kräften, ihnen auch etwas zu bieten. So organisiert er etwa einen kostenlosen Kinoabend für sie in der Jugendeinrichtung, in der er tätig ist. Ein Besuch bei McDonalds um 20 Euro führt ihn schon an seine Grenze, trotzdem geht er dort gelegentlich mit seinen Mädchen essen.  
Die Einrichtung, in der Mäx Amann arbeitet, ist für ihn wie eine Familie, sein Job ist seine Berufung, wie er sagt. Es macht ihn stolz, wenn sein Chef sagt, dass sein Projekt, armutsgefährdete Jugendliche auf seine Tierfarm einzuladen, „einfach ein total geiles Projekt“ sei. Seine Klientel reicht vom braven Akademikerkind bis zum verwahrlosten Jungen. Die Jugendlichen können Mäx auch sieben Tage die Woche anrufen.
Die Adventzeit ist für ihn die härteste Zeit im Jahr. Weihnachten feiert er prinzipiell nicht. Die Armut unter Jugendlichen sei groß, zur Zeit gebe es richtiggehend eine Mode, dass Eltern ihre Kinder rausschmeißen und die dann nicht mehr wissen, wohin sie gehen sollen. Mäx kennt das von sich selbst, musste er doch die letzten Jahre, eigentlich obdachlos, immer bei wohlgesonnenen Freunden auf der Couch übernachten. «

* Name von der Redaktion geändert

TERMIN

„Armut ist kein Schicksal - Armut wird gemacht“ - Vorarlberger Tag der Menschenrechte.

So 9. Dezember, ab 16 Uhr, Gösser Saal, Bregenz.

Mit Peter Kopf (ehemals ifs-Schuldenberatung) diskutieren Landesrätin Katharina Wiesflecker, Magdalena Holztrattner (Katholische Sozialakademie Österreichs) und Stefan Allgäuer (ifs Vorarlberg). Veranstalter ist die „Vorarlberger Plattform für Menschenrechte“, der auch kirchliche Organisationen angehören, wie etwa die Kaplan Bonetti Sozialwerke, das Carl Lampert Forum, die Dreikönigsaktion oder die Caritas.
www.menschen-rechte-leben.at

NACHGEFRAGT

Wie könnte Armut verringert werden?

Die Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe), Magdalena Holztrattner, definiert Armut als einen „Zustand, der Menschen an der vollen Entfaltung ihrer Begabungen hindert. Sie werden am vollen Leben gehindert durch Umstände, die sie selbst kaum beeinflussen können“. Als sogenannte „Working Poor“ bezeichnet Magdalena Holztrattner „Menschen, die zwar erwerbstätig sind, aber mit ihrem Einkommen nicht auskommen, weil der Gehalt zu niedrig ist. Die meisten Mindestsicherungsbezieher/innen sind Working Poor.“
Der Vorwurf, dass die Bundesregierung Armut schaffe, kommentiert  die ksoe-Direktorin so: „Die aktuelle Regierung scheint vor allem bei Menschen mit niedrigem Einkommen und Armutsbetroffenen wie Alleinerzieherinnen, kinderreichen Familien und Menschen mit besonderen Bedürfnissen sparen zu wollen.“
Holztrattner plädiert für eine Entkopplung der Steuereinnahmen von der Erwerbsarbeit: „Z.B. durch die Besteuerung von Finanztransaktionen in der Höhe von nur 0,5% könnte der Staat Einnahmen in Millionenhöhe erwirtschaften.“ Damit könnte der Sozialstaat ausgebaut werden: „Diese Umschichtung der Steuerlast könnte armutsbetroffenen Menschen mehr Spielraum ermöglichen.“

(aus dem KirchenBlatt Nr. 48 vom 29. November 2018)