Richard Gohm hat in seinem langjährigen Einsatz für die Katholische Kirche Vorarlberg vieles erlebt – von der Lehre über das Diözesangericht und diversen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten bis hin zu seinem umfangreichen Engagement zur Seligsprechung Carl Lamperts.

Jakob Lorenzi

„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ Dieses Zitat von Henry René Albert Guy de Maupassant (1850-1893) wählte Professor Richard Gohm für seinen Rückblick auf sein 60-jähriges-Priesterjubiläum. Richard Gohm kam als zweites von sechs Kindern von Richard und Stephanie Gohm am 22. August 1936 in Rankweil zur Welt. Nach der Volksschule in Thüringerberg war er acht Jahre lang in der Mehrerau, wo er 1955 maturierte. „Pfarrer Roman Kopf war in Thüringerberg mein gütiges Vorbild, bereitete mich auf die Erstkommunion und die Firmung vor, lehrte mich ministrieren und meldete mich im Internat und Gymnasium der Zisterzienser-Mehrerau an, wo die Patres einen erheblichen Einfluss ausübten“, erzählt Richard Gohm. Nach der Matura studierte er an der Theologischen Fakultät in Innsbruck Philosophie und Theologie. Am 29. Juni 1962 wurde er durch Bischof Bruno Wechner in Bregenz zum Priester geweiht.

Von Seelsorge bis Recht

Seinen ersten „Einsatz“ erfuhr Gohm 1963 in Lauterach, wovon Pfarrer Alfons Winter, der ihn 1936 bereits taufte, als Kaplan mit der konziliar-liturgischen Erneuerung betraut wurde. Es folgten als Kaplan umfangreiche Lehrtätigkeiten an den Pflichtschulen in Lauterach (1963-1967) und Götzis (1967-1975), wo er zunächst Kaplan und dann Pfarrprovisor war. „Von 1977 bis 1985 war ich Assistent im Institut für Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck, wo mich Univ.-Prof. Dr. Johannes Mühlsteiger wissenschaftliches Arbeiten lehrte und ich in den Sommersemestern Lehraufträge für die Studenten halten durfte“, sagt Richard Gohm. Während dieser Zeit studierte er an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck und promovierte 1982.

Kirchengericht

Sein vertieftes theologisches und juristisches Wissen konnte er von 1985 bis 1994 an der Handelsschule und Handelsakademie Feldkirch weitergeben. „Mit diesen Jugendlichen zu diskutieren war wohl meine angenehmste Lehrtätigkeit“, schließt Richard Gohm. 1988 wurde er von Bischof Bruno Wechner ins Kirchengericht Feldkirch berufen, wo er – bis heute – unter den Offizialen Bruno Wechner, Prälat Othmar Siebenhüter und Monsignore Walter Juen als Diözesanrichter arbeitet. Bis zu seiner Pensionierung 1997 war er zudem in Thüringerberg als Pfarrprovisor tätig. In dieser Zeit musste er die – von der Diözese aufoktroyierte – vollständige Außen- und Innenrenovierung der Pfarrkirche sowie die Sanierung des Pfarrhauses übernehmen. 1997 wurde die Bautätigkeit schuldenfrei übergeben.

(Un)Ruhestand

„Als ich in Pension ging und nach Innsbruck in meine Wohnung gezogen war, dachte ich, meinem Lebensabend frönen zu können“, sagt Professor Gohm. Daraus wurde aber so schnell nichts. Im Oktober 1998 wurde mit dem Seligsprechungsverfahren für Carl Lampert begonnen, bei dem Richard Gohm eine wichtige Aufgabe zukam. Er sollte in den Archiven, Bibliotheken und Klöstern von Innsbruck nach Dokumenten forschen. „Eine interessante Arbeit war für mich die umfangreiche Protokollierung der 18 Zeugeneinvernahmen in Tirol und Vorarlberg durch den Bischofslegaten Prälat Hans Fink und den Kirchenanwalt Msgr. Walter Juen.“

Die Forschungen von Polen bis nach Rom ergaben 31 Ordner Material, daraus zusätzlich vier Ordner Übersetzungen der wichtigsten Dokumente ins Italienische, und dies in dreifacher Ausfertigung (105 Ordner), von denen in der Schlusssitzung der Diözesankommission im November 2002 die zweifache Ausfertigung nach Rom in die Heiligsprechungskongregation übersandt wurde. Des Weiteren besuchte Gohm im Auftrag der Kommission die Aufenthalts-, Internierungs- und Wirkungsorte des Provikars. 2008 hat er die Lampert-Dokumentation „Selig, die um meinetwillen verfolgt werden“ herausgebracht. „Mein Arbeiten und Mühen sowie das Wirken der diözesanen und römischen Verfahrenskommissionen fanden das gloriose Ende in der Seligsprechung von Provikar und Offizial Msgr. Dr. Carl Lampert am 13. November 2011 zu Dornbirn, wo Lampert Frühmesser von 1918 bis 1930 war, bestätigt am 27. Juni 2011 durch Papst Benedikt XVI. in Rom und gefeiert von dessen Legaten Kardinal Angelo Amato in der St.-Martinskirche. Das war der Höhepunkt in meinem priesterlichen Wirken“, schließt Gohm.