Seit 1999 ist die Gemeinschaft der „Dienerinnen vom Heiligen Blut“ SAS (Ancillae Sanctissimi Sanguinis) in Vorarlberg tätig, zunächst für viele Jahre in Feldkirch, ab 2012 in Hittisau und seit Kurzem auch in Lauterach.

Bild oben: Dienerinnen vom Hl. Blut: Sr. M. Christina Kendnycka und Sr. M. Xaveria Zajaczkowska (re)

Dietmar Steinmair

Es war Bischof Klaus Küng, der die Schwestern vor 17 Jahren aus Liechtenstein nach Vorarlberg geholt hatte. Im benachbarten Fürstentum hatten die „Dienerinnen vom Heiligen Blut“ bis dahin eine Niederlassung. Küng hatte ihre Gemeinschaft gebeten, den Haushalt im Bischofshaus zu führen, wie sich Sr. M. Xaveria Zajaczkowska im KirchenBlatt-Gespräch erinnert.

Auch für Küngs Nachfolger, Bischof Elmar Fischer, blieben die Schwestern dann im Haus am Feldkircher Hirschgraben tätig. Nach dem altersbedingten Rücktritt von Bischof Fischer übersiedelten die Schwestern - und mit ihnen der Bischof emeritus - 2012 in den Bregenzerwald. In Hittisau hatte die Gemeinschaft von der Familie Lässer ein Haus geschenkt bekommen. An das über hundertjährige Bregenzerwälder Bauernhaus, in dem die Schwestern nun wohnen, wurde - an der Stelle eines Wirtschaftsgebäudes - ein neuer Trakt angebaut. Im Erdgeschoss des neuen Teils sind nun vier kleine Gästezimmer eingerichtet, darüber hat Bischof Fischer Wohnung und Büro. Ganz oben im Dachgeschoss wartet ein lichtdurchfluteter Raum auf die Besucher, der für Gottesdienste, Versammlungen, aber auch für Feste genutzt wird.

Aufhausen
Das Geistliche Zentrum der Dienerinnen vom Heiligen Blut befindet sich in Aufhausen in der Diözese Regensburg. Die Gemeinschaft hat weitere Niederlassungen in Deutschland, ebenso in Tschenstochau und Kalej (Polen), in Grub bei Heiligenkreuz (NÖ) und in Manoppello (Abruzzen/Italien). Insgesamt hat der Orden derzeit rund 40 Schwestern. Es gibt auch einen Männerzweig, die „Oratorianer vom Heiligen Blut“. Beide Gemeinschaften wurden von P. Winfried Wermter gegründet, einem Missionar vom Kostbaren Blut, der bis heute der geistliche Assistent der Schwesterngemeinschaft ist. Als kirchenrechtlich eigenständiges Institut wurde die Schwesterngemeinschaft 2009 von Bischof Elmar Fischer in der Diözese Feldkirch errichtet. Der jeweilige Feldkircher Ortsbischof ist somit gemeinsam mit der Generaloberin in Aufhausen für die Schwesterngemeinschaft verantwortlich.

Familie
Spirituell orientiert sich die Schwestern-Gemeinschaft - wie der Name schon sagt - an der Verehrung des Blutes Christi. Zwischen erstem Gelübde und ewiger Profess steht eine siebenjährige „Formation“, die an den sieben „Vergießungen des Blutes Christi“ ausgerichtet ist. Daran erinnern auch die sieben Knoten im roten Zingulum, das die Schwestern über der grauen Ordenstracht tragen. Die Knoten stehen für sieben Stationen im Leben Jesu: Beschneidung im Tempel, Gebet am Ölberg, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuzweg, Kreuzigung und schließlich die Durchbohrung der Seite. Mit der Verehrung Christi ist seine Liebe bis ans Kreuz gemeint und das für die Erlösung der Menschen vergossene Blut.

Besonderes Vorbild für die Schwesterngemeinschaft ist Maria, die „vieles im Verborgenen tat und sich aufopferte“, wie es Sr. Xaveria formuliert. Die Heilige Familie mit Josef, Maria und Jesuskind ist überhaupt das Vorbild für die „Geistliche Familie vom Heiligen Blut“: Männerorden, Schwesterngemeinschaft und Laien -  für letztere steht das Jesuskind. Der Gebetsspruch dazu lautet: „Ganz für Dich, Jesus - mit Dir, Maria - behütet von Dir, hl. Josef!“ Die Laien, das sind weltweit über eintausend „unterstützende Freunde“ und ca. 150 so genannte „engagierte Freunde“, die sich zu täglichem Messbesuch und Anbetung verpflichten und ebenso eine Formation im Sinne der 7-Blut-Vergießungen durchlaufen.

Treffpunkt Nazareth
Tägliche Messe, Tagzeitenliturgie, Betrachtung und Anbetung strukturiert auch den Tag für die Vorarlberger Schwestern. Drei Dienerinnen vom Heiligen Blut sind aktuell im Kloster der Redemptoristinnen in Lauterach tätig, helfen dort in der Sakristei, der Hostienbäckerei, der Küche, in der Liturgie oder bei Bibelbetrachtungen mit. In Hittisau leben neben Sr. Xaveria derzeit noch Sr. M. Christina Kendnycka sowie eine Postulantin. Das Haus trägt übrigens den Namen „Nazareth“. „Wir fragten uns: Wo würde Jesus gerne leben? Dadurch kamen wir auf den Namen Nazareth - und wir hoffen, dass auch jeder gerne hierher kommt“, so Sr. Xaveria.

HittisauDas Haus Nazareth ist sehr offen. Die Schwestern haben keine Klausur. Oft laden sie Gruppen ein. Im Haus, das weithin durch ein großes Kreuz sichtbar ist, findet montags immer die Werktagsmesse der Pfarre Hittisau statt. Dienstags ist immer Bibelbetrachtung mit einer Frauengruppe. Einmal monatlich gibt es in Lauterach den Herz-Mariä-Samstag, einen Einkehrtag. Und im Sommer laden die Schwestern zu Familien-Exerzitien ein, heuer nach Balderschwang.

In der Pfarre Hittisau sind die Schwestern auch in der Sakristei, in der Liturgie oder beim monatlichen Jugendlobpreis tätig. Sr. Xaveria führt den Haushalt von Elmar Fischer, erledigt für den Bischof emeritus Sekretariatsarbeiten oder begleitet ihn auf Aushilfen. Durch diese kleinen Anstellungen, vor allem aber durch Spenden können die Schwestern ihren Unterhalt bestreiten. „Oft stehen Lebensmittel von Leuten aus dem Dorf einfach so vor der Haustüre“, erzählt Sr. Xaveria, „zu Weihnachten waren es sogar zwei wunderschöne Engelsfiguren.“ Diese beiden Himmelsboten haben gleich ihren idealen Platz gefunden: Sie stehen bei der Krippe.

www.blut-christi.de 
www.dienerinnen.org