Eigentlich ist das alles ganz einfach. Er wird mir die Hände auf den Kopf legen und mich firmen. Nichts Schwieriges. Wir haben es zigmal durchgespielt und doch bin ich so aufgeregt. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt, im Halbdunkel kann ich die Firmgruppe des nächsten Jahrgangs erkennen, die bereits eifrig die Agape vorbereitet.

Philipp Schröcker

Meine Gedanken schweifen zurück zu dem Zeitpunkt, als wir noch aus dem hinteren Teil der Kirche die Firmung der Gruppe des Vorjahres beobachten konnten. Damals trafen wir uns mit unseren Firmbegleitern Jan und Judith, um eine kleine Überraschungsagape vorzubereiten.

Intensivjahr
Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits vier Jahre Firmweg hinter uns, seit unserem 12. Lebensjahr bis zum Alter von 16 Jahren. Vier Jahre, in denen wir von jungen Jugendlichen zu jungen Erwachsenen reifen konnten. Und das sind wir! Mit Aktionen wie Nudeln machen, Pizza essen gehen, Kino, Spieleabende etc. wurde der Zusammenhalt unserer Gruppe immer mehr gestärkt.
 
Begegnungen
Mit der Bereitung der Agape bei der Firmung im letzten Jahr schlug unser Firmweg fortan eine neue Richtung ein. Das Intensivjahr stand bevor. Wir alle freuten uns schon auf die verschiedensten Personen, die uns von ihren Erlebnissen berichten und ihre Erfahrung mit uns teilen würden. Als dann das erste Treffen im Kloster Mehrerau mit Pater Vincent stattfand, war ich schon gespannt, hatte ich doch noch nie die Gelegenheit, mit einem waschechten Mönch Erfahrungen auszutauschen. Als er uns aus seinem Leben erzählte, waren wir kaum in der Lage Fragen zu stellen, so gespannt folgten wir ihm. Beim Abendgebet in der bitterkalten Kirche (es war im Hochwinter) hatte er uns vollends in seinen Bann gezogen. In der anschließenden Fragerunde tauten wir im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf und es entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch.

Stoff zum Nachdenken
In den darauffolgenden Monaten hatten wir noch mehrere solcher spannender Begegnungen. Besonders in Erinnerung habe ich das Gespräch mit den zwei Mädchen Hannah und Christina, die uns von ihrem sozialen Jahr in Rumänien und ihre dortige Erfahrung mit Gott erzählt haben. Ich hatte mir auch schon einmal überlegt, eventuell ein soziales Jahr zu machen. Das Gefühl, das uns dabei alle überkam, war spürbar. Jeder folgte den beiden und mit jedem Wort, das sie von sich gaben, wurde es bei uns stiller und stiller. Die Geschichten, die sie uns erzählten, gaben uns viel Stoff zum Nachdenken. Und so verschwanden wir kurz nach dem Ende auch sofort nach Hause, was sehr untypisch war.

Priester-Sein
Einen sehr interessanten Abend erlebten wir mit Jugendseelsorger Dominik Toplek. Nach einem kurzen Film, der Dominik in der Disko K-Shake zeigte, stellten wir ganz viele Fragen, die uns brennend interessierten. Dominik erklärte uns unter anderem, wie er so das Leben als Priester ohne eine Frau an seiner Seite verbringt. Er erzählte uns von seinen Taufen, Trauungen und Begegnungen mit verschiedenen Menschen.

Entscheidung
Als dann das Ausfüllen des Anmeldeformulars für die Firmung anstand, nahm ich es mit nach Hause, um es sorgfältig zu studieren. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich etwas so Wichtiges selbst entscheiden konnte. Ich konnte Ja zum Glauben sagen, Ja zu Gott, in gewisser Weise. Und dies machte mich sehr stolz, da es meine eigene Entscheidung war.

Kurzer Weg?

Ein paar Tage danach erzählte unser Pfarrer Arnold, dass junge Menschen auch den kurzen Firmweg wählen, statt sich mit 17 Jahren firmen zu lassen. Da kam ich ins Grübeln. Wieso verzichtet jemand auf Spaß, Erfahrungen, Gemeinschaft und neue Freunde und wählt dafür einen Weg, bei dem er so schnell wie möglich gefirmt wird? Weiß man nach einem Jahr, was es heißt, gefirmt zu sein?

Firmung
Langsam nähert sich Diözesanadministrator Benno Elbs, der mittlerweile zum Bischof ernannt worden ist. Ich bin an der Reihe. Er fragt mich freundlich nach meinem Namen, legt seine Hände auf meinen Kopf und sagt anschließend: „Der Friede sei mit dir“. Auf diesen Augenblick haben wir alle seit nunmehr fünf Jahren hingeeifert. Und dieser eine Augenblick war jede der vielen Stunden wert, die wir miteinander verbracht haben. Wenn man es genau sieht, ist dieser Augenblick die Krönung einer langen Zeit. Eine Zeit voller Erfahrungen, schöner Momente, lustiger Aktionen, interessanter Gespräche und am allerwichtigsten: Freundschaft und Spaß.

Firmweg in Bregenz Herz-Jesu

Seit über 20 Jahren werden in Bregenz Herz-Jesu junge Menschen im Alter von 17 Jahren gefirmt. Ab dem zwölften Lebensjahr werden die Jugendlichen in Jahrgangsgruppen von Elternteams begleitet (ca. vier Treffen pro Jahr). Mit sechzehn erhalten sie eine Einladung, sich zum Firm-Vorbereitungskurs anzumelden. Das Intensivjahr beginnt.
Das Programm während der Vorbereitung ist sehr bunt: Exkursionen im In- und Ausland, soziale Aktionen, liturgische Feiern, ... das Erleben und Stärken der Gemeinschaft steht dabei immer im Vordergrund.

Weitere Informationen und Fotos zum Firmweg finden Sie auf www.herzjesubregenz.at

(aus KirchenBlatt Nr. 20 vom 16. Mai 2013)