"Gesprächskreise. Elternbildung für spezielle Elterngruppen" nennt sich ein Projekt des Kath. Bildungswerks Vorarlberg. Simone Rinner war vor Ort.

zur Sache: Projekt "Gesprächskreise"

Das Wort „Stopp!“ durchdringt plötzlich die Stille - und das gleich vier Mal hintereinander. Ausgesprochen haben es die Frauen, die sich in einer Zweierreihe Auge in Auge gegenüberstehen. Nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Was hier passiert? Es werden Grenzen gesetzt. Wortwörtlich und spielerisch.

„Grenzen setzen“ lautet dieses Mal das Thema des Gesprächskreises in der Kleinkindbetreuung „Zwergengarten“ in Hohenems. Und das haben die Frauen auch erfolgreich umgesetzt. Natürlich handelt es sich hierbei nur um ein Spiel, das die Leiterin als Heranführung zum Thema verwendet, aber wie heißt es so schön: „Das Leben ist ein Spiel“.

Alles kreist ums Gespräch
Mittlerweile sitzen die acht Frauen gemeinsam an einem Tisch, der für Kinder gedacht ist, lachen und reden miteinander. Worüber sie sprechen, bleibt den meisten Vorarlbergern verwehrt, denn das Gespräch findet auf türkisch statt. Eines kann man aber verstehen: Die deutsche Formulierung „Grenzen setzen“, die immer wieder vorkommt. In gelöster Atmosphäre sprechen die Frauen über die Situation zu Hause, ihre Probleme und ihre Kinder. Jeden Freitag Nachmittag.

Begeisterung
„Ich spreche leider nicht sehr gut Deutsch“, entschuldigt sich die Leiterin des Gesprächskreises, Banu Cetin. Wenn man ihr zuhört, wie sie begeistert von „ihren Eltern“ in der Gruppe spricht, rücken die kleinen Verständigungsschwierigkeiten aber sofort in den Hintergrund. Jede Woche gestaltet die gebürtige Türkin einen Gesprächskreis, in dem sie wichtige Themen zur Sprache bringt. „Kinder stark machen“ zum Beispiel, „Ernährung“ oder eben das Setzen von Grenzen.

Einsatz
„Ich suche jede Woche ein neues Thema aus und Methoden, wie ich sie darstellen kann“, erklärt Cetin. Zum Einsatz kommen dabei Bücher, Broschüren und Flyer, die sie vom Veranstalter, dem Katholischen Bildungswerk Vorarlberg, erhält. Diese übersetzt sie dann ins Türkische, denn der Großteil der Frauen, die diesen Gesprächskreis besuchen, spricht  nicht sehr gut Deutsch. Während die Türkinnen drinnen über ihren Alltag reden, spielen ihre Kinder im Nebenzimmer oder draußen auf dem Spielplatz. Zur Sicherheit ist die Tochter von Banu Cetin dabei und hat ein Auge auf die Kinder.

Ein bisschen „Action“
In den Räumlichkeiten des „Zwergengartens“, die Banu als organisatorische Leiterin nutzen darf, hängen nicht nur Kunstwerke von Kindern, auch der Gesprächskreis hat Spuren hinterlassen. So zeugt ein Plakat, auf dem Bilder von Lebensmitteln aus Werbeprospekten kleben, davon, dass sich die Frauen mit der Ernährungspyramide beschäftigt haben. Cetin ist es sehr wichtig, dass die Eltern nicht nur reden, sondern auch etwas „Action“ haben und sich mit den Themen wirklich beschäftigen. Feen aus Teebeuteln gehören dabei genauso dazu wie eine Meditation oder Spiele.

Karten beschreiben das Leben
Heute liegen kleine Karten auf dem Tisch, auf denen Alltagssituationen abgebildet sind. Jede der Frauen soll sich eine, mit der sie sich identifizieren kann, nehmen und von zu Hause erzählen. Cetin interessiert sich heute besonders für die Probleme, die sich bei den Frauen beim Grenzen setzen ergeben. In einer lebhaften Diskussion, die öfters von Lachen unterbrochen wird, finden sie gemeinsam zu Lösungsansätzen. Für Cetin zählt vor allem eines: „Dass die Frauen zufrieden sind, dass sie etwas von hier mit nach Hause nehmen und es auch anwenden.“ 

Zur Sache

Sehr speziell

Gute Ideen ziehen bekanntlich Kreise und im Fall des „Gesprächskreises“ kann dies sogar wörtlich genommen werden. Seit einem Jahr wird die Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Gesprächskreise. Elternbildung für spezielle Elterngruppen“ durchgeführt. „Speziell“ bedeutet in diesem Zusammenhang zwar fremdsprachig, im Zentrum steht aber der themengeleitete Austausch.

Wie funktioniert das?
Die Idee hinter dem Projekt ist relativ einfach: In regelmäßigem Abstand treffen sich mindestens fünf Eltern und eine muttersprachige Moderatorin um sich über verschiedene Themen zu unterhalten. Der Austausch findet meist in den Räumlichkeiten und zu den Öffnungszeiten einer Institution wie zum Beispiel eines Kindergartens oder einer Spielgruppe statt. Gesprächsimpulse liefert der Organisator des Projektes: die Elternbildung des Katholischen Bildungswerks Vorarlberg. Zur Sprache kommen dabei Themen, die für Eltern interessant sind wie „Ernährung“, „Geschwisterliebe - Geschwisterstreit“, „Fernsehen“ oder auch „Sprachentwicklung“.

Stark durch Partner
Geleitet werden die Gesprächskreise von einer muttersprachlichen eltern.chat Moderatorin oder einer Eltern-Kind-Gruppenleiterin. Unterstützung erhält das Projekt auch von den Gemeinden, die als Partner fungieren: Während die Gemeinde die Kosten übernimmt die vor Ort anfallen, stellt das Katholische Bildungswerk Materialien bereit, kommt für eventuelle Übersetzungskosten auf und begleitet die Moderatorinnen fachlich. „Gesprächskreise sind eine sehr spannende und nachhaltige Art der Elternbildung, bei der die Teilnehmerinnen sich und ihre Themen aktiv einbringen können“, erklärt Mag. Wilma Loitz von der Elternbildung. Was will man dazu noch sagen?

www.elternbildung-vorarlberg.at