Wir stehen auf festem Boden - denkste. Nichts da. Denn der Carl Lampert-Gedenkort, der dieser Tage in Dornbirn St. Martin entsteht, untergräbt genau diesen ach so festen Boden.


von Veronika Fehle

Keine Bagger fahren auf, wenn man in Dornbirn St. Martin - direkt vor dem Pfarrzentrum - den neuen Carl Lampert-Gedenkort aus dem Boden hebt. Keine Bagger, nur Schaufeln und echte Handarbeit. Das passe zum Ort und dem, was mit ihm geschieht, erklärt der Dornbirner Künstler Hubert Matt. „Layer“, also Schichten, ist der Name, den er seiner Kunstinstallation gegeben hat und mit Schichten, mit dem, was man sieht und dem, was unsichtbar bleibt, spielt Hubert Matt.

Ist das eben?

Das Gelände im kleinen Park vor dem Pfarrzentrum ist, wie die Natur nun mal so ist, uneben. Und Hubert Matt begradigt sie nun - oder etwa doch nicht. Sieben Betonröhren werden in das kleine Gelände eingelassen und zwar so, dass sie eine ebene Fläche bilden. Das heißt: Je nach Standort   ragen die Röhren mehr oder weniger aus dem Erdreich ans Licht, spannen dort eine Ebene auf und tricksen dabei auch schon wieder das Auge des Betrachters aus. Denn beim schnellen Blick auf den entstehenden Denkort scheinen es plötzlich die Betonröhren zu sein, die Höhen und Tiefen erzeugen. „Bei ,Layer‘ ist die Beschaffenheit des Untergrunds  ein wesentlicher Mitspieler, der die konkrete Form des Gedenkortes mitbestimmt. Das Publikum braucht wache Sinne, um der leisen Spur von ,Layer‘ ins eigene Leben zu folgen“, gibt Bernhard Loss, Leiter des Carl Lampert Forums der Diözese, erste Impulse vor Ort an den Betrachter weiter. Denn es ist tatsächlich so. Der neue Gedenkort soll nicht nur an Carl Lampert erinnern. Er soll vielmehr dazu anregen, ebene Flächen und solche die eben zu sein scheinen - in Kunst, Politik, Gesellschaft, Geschichte und Gegenwart - zu überdenken.

Ein Jahr danach

Der Gedenkort ist aber nicht die einzige „Baustelle“ in St. Martin. Ab September beginnen dort nämlich die Arbeiten an jener Seitenkapelle, die zur Lampert-Kapelle werden wird. Georg Vith, der bereits die Kunst-Installation des Lampert-Containers entwickelte und aus dessen Atelier auch jenes Porträt stammt, das bei der Seligsprechungsfeier für Carl Lampert aufgezogen wurde, konzipiert dafür ein Paket aus Chromstahl, Licht, Projektion, Wort und Bild.
Übrigens, eröffnet werden Gedenkort und Kapelle am 11. November 2012, knapp ein Jahr nachdem Carl Lampert seliggesprochen wurde - und das Erinnern setzt sich damit in der Gegenwart weiter fort.