Als Generalsekretärin der Ordensfrauen in Österreich ist Schwester Maria Cordis Sprachrohr für über 4200 Ordensschwestern von 120 verschiedenen Ordensgemeinschaften in Österreich. In Zeiten des Umbruchs von Kirche und Gesellschaft packt die gebürtige Bludenzerin die anstehenden Herausforderungen mutig an. Sie will neue Akzente setzen, Synergien nutzen, enger zusammenrücken und vor allem als Ordensfrauen sichtbar präsent sein und mutig in See stechen.

Frauenorden und Gemeinschaften

von Martin Fenkart

Sr. Maria CordisNur mehr fünf Prozent aller Ordensschwestern in Österreich sind unter vierzig Jahre alt. Ist das der Niedergang der Frauenklöster? „Sicher nicht“, ist Schwester Maria Cordis überzeugt: „Wir müssen der Realität ungeschminkt ins Gesicht blicken und uns von verschiedenen Aufgaben aus der Vergangenheit verabschieden. Gleichzeitig stellen wir uns die Frage, wo denn die Herausforderungen unserer Zeit liegen und welche Prioritäten die jungen Schwestern unter uns setzen sollten.“
Orden haben ihre Geburtsstunde immer in einer gesellschaftlichen Schieflage erlebt, meint Sr. Maria Cordis. In den Nöten der Menschen von heute wittert sie daher auch einen prophetischen Auftrag für mutige Christ/innen von morgen und sie erzählt voll Begeisterung von einem neuen Projekt der Frauenorden im Kampf gegen den organisierten Frauenhandel in Österreich.

Gott wird Mensch durch eine „taffe Frau“

Der Kindheitstraum von Elisabeth Feuerstein war glasklar:  eine große Familie mit vielen Kindern hätte es werden sollen. Keine Spur gab es da zunächst von Sehnsucht nach Klosterleben. Ob ihr die Mutter Gottes erschienen sei, um ihr den Weg ins Kloster zu weisen?  „Nein, ich habe weder ein Fax noch eine E-Mail oder einen Telefonanruf Gottes bekommen, um meine Berufung zu erkennen.“
Sr. Maria Cordis greift die ketzerische Frage rund um die Gottesmutter gekonnt locker auf und meint: „Die Mutter Gottes ist eine taffe Frau. Sie ist gebildet. Sie hat nachgefragt und nachgehakt und nicht vor sich hingeträumt: ‚Ach Gott, wie wunderbar!’ Genau das gefällt mir an ihr, an der Mutter von Jesus - an der Mutter Gottes. Sie ist ein Vorbild.“

Von  Menschen, Schafen und Hirten

Darüber hinaus ist Sr. Maria Cordis davon überzeugt, dass Gott zu uns immer durch die Begegnung mit Menschen spricht. In ihrem Leben sei sie Gott durch so viele wunderbare Menschen an wichtigen Wegkreuzungen ganz konkret begegnet. Nicht selten völlig überraschend. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass Gott sich um die Menschen kümmert, so wie der gute Hirte um die Schafe im Psalm 23. Dieses Bibelwort habe sie immer geführt und richtungsweisend gewirkt in ihrem Leben.

Was die Kirche dringend braucht?

„In jedem Fall braucht sie einen weiten Blick“, meint Sr. Maria Cordis und spricht voll Begeisterung über die Aufbrüche der Kirche in Asien und in Südamerika: „Wir sollten nicht immer nur im eigenen Saft kochen in Europa. Es gibt so viele Zeichen dafür, dass die Kirche eine Zukunft hat.“ Im Übrigen habe die Kirchengeschichte bewiesen, dass es nach einer Talsohle auch immer wieder einen neuen Aufbruch gebe.
Voraussetzung dafür ist für die Vorarlbergerin in Wien, dass die Kirche die Menschen nicht aus den Augen verliert. Kirche kann nur Kirche sein, wenn sie sich berühren lässt und wenn sie berührt. Den Beitrag der Orden und Klöster sieht die Ordensfrau darin, den Menschen in den vielen wunderschönen Klöstern Österreichs Heimat zu geben und Gastfreundschaft anzubieten.
Ohne die Frauen geht in der Kirche sowieso nichts. - Das steht fest. Auch wenn sie persönlich das Frauenpriestertum in einer Entwicklung sieht, im pastoralen Alltag wäre es wichtig, wenn die Frauen mehr Verantwortung übernehmen könnten: „Nicht zuletzt angesichts des Priestermangels brauchen wir künftig mehr denn je gut ausgebildete Frauen, die das Evangelium nicht nur verkündigen, sondern auch für die Gläubigen auslegen können“, so Feuerstein.

Über Urlaub, Bodensee und Tsunami

Wir sprechen über den kommenden Urlaub und über das Ländle. Gibt es Heimweh? Schwer zu sagen. In jedem Fall erholt sich die Ordensfrau am liebsten mit einem Buch, auf dem Fahrrad rund um den See oder sie nimmt gar einen Sprung ins kühle Bodenseewasser.
Als Vorarlbergerin „sei ma’s schaffa gwöhnt“, meint die Ordensfrau; das wiederum mache sie vielleicht sogar etwas stressresistenter als andere. Doch Sr. Maria Cordis wehrt  sich vehement dagegen, dass Ordensfrauen bis zum Umfallen arbeiten könnten: „Auch ich brauche eine Auszeit und Urlaub. Und weil ich nicht vom Tsunami überspült werden will, mache ich im Alltag regelmäßig einen Termin mit mir selber aus.“

Gefahr im Anzug

Apropos hohe Wellen: Sr. Cordis sieht auch Gefahren im Blick auf die künftige Entwicklung des Ordenslebens vom Arlberg bis zum Bodensee: „In Vorarlberg gibt es eine sehr spezielle Situation, denn bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Ordensniederlassungen im Land Filialgemeinschaften. Diese hängen von anderen Provinzen ab und daher müssen wir alles dafür tun, dass die Ordensfrauen nicht einfach abgezogen werden“, sagt Feuerstein. Jede Krise bringt in ihren Augen aber auch eine Chance. Krisen seien „Suchaktionen Gottes“.
Informationen über die Vereinigung der Frauenorden Österreichs unter www.vfoe.at


Am Steuerrad der Frauenorden Österreichs

Seit zwei Jahren ist Schwester Maria Cordis (geb. Elisabeth Feuerstein) die Generalsekretärin der Vereinigung der Österreichischen Frauenorden. Am 26. Februar 1953 wurde sie in Bludenz als Älteste von vier Kindern geboren. Nach der Volks- und Hauptschule in Bludenz besuchte sie die Fachschule für wirtschaftliche Frauenberufe Marienberg. Das Dominikanerinnenkloster in Bregenz wurde so in frühen Jugendjahren zum Dreh- und Angelpunkt ihres weiteren Lebensweges. Nach dem Besuch des Seminars für kirchliche Berufe in Wien trat sie 1975 in die Union der Dominikanerinnen im Kloster Marienberg ein. In den 70ern und 80ern wirkte Sr. Maria Cordis u.a. als Lehrerin und leitete ein Jahr das Internat Marienberg.  Schließlich erfolgte 1993 der Ruf ins Heilige Land. In Jerusalem war die Vorarlberger Ordensfrau zehn Jahre im „Österreichischen Hospiz zur Heiligen Familie“ als Rektorstellvertreterin tätig. In den Jahren 2004 bis 2008 war Sr. Maria Cordis Priorin des Klosters Marienberg. 2011 übersiedelte sie nach Wien und arbeitet seither als Generalsekretärin der Vereinigung der Frauenorden.

Mariastern-GwiggenFrauenorden und Gemeinschaften

Die Vorsitzende der Regionalkonferenz der Frauenorden und -kongregationen in Vorarlberg ist die Kreuzschwester Dr. Barbara Achrainer, Feldkirch. Rund 320 Ordensschwestern leben derzeit in folgenden Niederlassungen in Vorarlberg:

- Anbeterinnen des Blutes Christi (Dornbirn)
- Ancillae Christi Regis (Lingenau)
- Barmherzige Schwestern vom Heiligen Kreuz (Feldkirch, Bludenz, Bregenz)
- Barmherzige Schwestern vom Mutterhaus Zams (Lochau, Bludesch)
- Dienerinnen Christi des Hohen Priesters (Bregenz)
- Dienerinnen vom Heiligen Blut (Feldkirch)
- Dominikanerinnen (Feldkirch-Altenstadt, Bregenz-Marienberg, Bludenz)
- Franziskaner Missionsschwestern von Maria Hilf (Maria Ebene, St. Gallenkirch, Bregenz, Dornbirn, Gaissau)
- Geistliche Familie „Das Werk“ - Schwesterngemeinschaft (Bregenz, Au, Feldkirch-Gisingen)
- Gesellschaft vom Heiligsten Herzen Jesu (Bregenz-Riedenburg)
- Hedwigschwestern (Lochau)
- Kongregation der Helferinnen (Dornbirn)
- Missionarinnen Christi (Bregenz)
- Missionsschwestern vom kostbaren Blut (Langen b.B.)
- Redemptoristinnen (Lauterach)
- Schwestern der heiligen Klara (Frastanz, Bregenz)
- Schwestern vom Guten Hirten (Feldkirch)
- Theresianische Karmelitinnen (Rankweil)
- Werk der Frohbotschaft (Batschuns)
- Zisterzienserinnenabtei Maria-stern-Gwiggen (Hohenweiler)

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