Bei Bilderbuchwetter fanden sich am Montag (27. August 2012) viele Wallfahrer/innen im Burghof auf dem Gebhardsberg bei Bregenz ein, um mit zahlreichen Priestern der Diözese das Fest des Diözesanpatrons zu feiern. Dem Gottesdienst stand Dompfarrer Rudolf Bischof vor. Das KirchenBlatt dokumentiert die Predigt.

Bild rechts: Grundsteinlegung des Klosters Petershausen durch Bischof Gebhard von Konstanz. Gemälde von Gebhard Fugel (1907, Ausschnitt). Fugel (1863-1939) hat die Deckenfresken in der Wallfahrtskirche am Gebhardsberg geschaffen.

Rudl Bischof Dompfarrer Rudolf Bischof

Nun sind wir wieder da bei den Udalrichingern, von denen Ulrich Bregenz zum Mittelpunkt seiner Herrschaft gewählt hat. Drei Söhne hatte ihm seine Frau Dietburg schon geboren, doch bei der Geburt des vierten starb sie, wie auf dem Hochaltarbild dieses Wallfahrtsortes zu sehen ist. Das Kind, das lebte, wurde Gebhard - „gebefreudig“ -  getauft und Gott geweiht. Doch deswegen war sein Leben nicht geebnet. Es erwartete ihn wie alle Menschen ein großes Auf und Ab.
 
Bilder der Ruhe
Der Künstler Gebhard Fugel stellt in den Deckengemälden der Wallfahrtskirche die wichtigsten Stationen im Leben des Hl. Gebhard dar.  Es sind nicht die schnellen Flimmerbilder unserer Zeit, sondern Bilder der Ruhe, unter die wir uns stellen können, um sie gleichsam wie eine Folie auf unser Leben zu legen, damit sie in uns sprechen können.

Konstanz
Beim ersten Bild zeigt Fugel, wie Gebhard vom Vater in  die Domschule nach Konstanz gebracht und Bischof Konrad zur  Erziehung anvertraut wird: Bischof Konrad hat sich besonders auf die Bibel eingelassen, um so in die Nachfolge Jesu zu treten. Er gehörte zu den großen Wallfahrern, die nach Jerusalem gepilgert sind, um die Fußspuren Jesu zu entdecken. Er wollte überprüfen, ob er wohl in der richtigen Nachfolge stand.
Konrad baute jedenfalls, als er heimkam,  in Konstanz ein Heiliges Grab, um Menschen eine Wallfahrt zu ermöglichen, die nicht nach Jerusalem pilgern konnten. Da konnten sie im Dunkel wachen und das Dunkel ihrer Seele wahrnehmen, wachsam zu sein durch die ganze Nacht, wie es im heutigen Evangelium heißt und dann aufzuwachen, um das Licht des Morgens nicht zu versäumen.
Gebhard fühlte sich auch wie ein  Pilger, nur konnte er nicht mehr nach Jerusalem pilgern, da es schon von den Moslems erobert war. Und so pilgerte er nach Rom und an andere Wallfahrtsorte.

Pilger
Heute sind wieder viele Menschen auf Pilgerreise, der Jakobsweg ist geradezu überlaufen. Es geht wohl darum wahrzunehmen, dass wir alle Pilger sind, dass es für uns gilt aufzubrechen zu neuen Zielen und zurückzulassen, was uns gefangen hält, so wie Dom Helder Camara meint:
„Wenn dein Boot, seit langem im Hafen vor Anker, dir den Anschein einer Behausung erweckt, wenn dein Boot Wurzeln zu schlagen beginnt in der Unbeweglichkeit des Kais: Such das Weite. Um jeden Preis müssen die reiselustige Seele deines Boots und deine Pilgerseele bewahrt bleiben.“
Immer wieder gilt es, das, was uns gefangen hält, zurückzulassen und die Schutzhöhlen der Seele aufzusuchen, Kraftplätze, in die ich loslassen kann und neue Kraft aufnehme.

Klostergründung
Das zweite Bild der Wallfahrtskirche zeigt die Grundsteinlegung des Klosters Petershausen durch den hl. Gebhard.  Gebhard wurde nach dem Tod seines Vorgängers, der nur vier Jahre lang die Diözese leitete, als 30-Jähriger zum Bischof gewählt und in Mainz  zum Bischof geweiht. Wie einfach und schell waren damals diese Vorgänge.
Gebhard wollte seiner Diözese einen Angelpunkt geben, und das war für ihn das Kloster Petershausen, in das er Mönche aus Einsiedeln holte. Es ist symbolisch, dass der Maler Fugel gerade die Grundsteinlegung darstellt.
Stabilitas: Stabilität, Beständigkeit, Bodenständigkeit ist die erste Regel der Benediktiner. Die Unruhe der Völkerwanderung war vorbei und so sollte neue Ruhe gefunden werden. Da ging es um ein gutes Fundament, so wie Ignatius in seinen Exerzitien am Beginn ein gutes Fundament und Prinzip suchen lässt. So werden die Worte des Archimedes in die Spiritualität des Lebens geholt: Gebt mir einen festen Punkt im All, und ich werde die Welt aus den Angeln heben.
 
Fundament
Wir alle müssen den Ort finden, an dem Gott überströmt. Wo wir Gott nicht in unser Leben überströmen lassen, da sind wir erloschene Seelen und unser Glaube wird sterben, wie Henri Boulard sagt. Wo wir dieses Fundament finden, da entdecken wir Ruhe, Ganzheit und Stille, Freiheit und Einfachheit. Da haben wir weniger Angst vor dem Kommenden und mehr Atem für die Seele. Da können wir der Entfremdung entfliehen, das Selbst entdecken, in dessen Tiefe Gott wohnt.
Wir alle haben doch eine Sehnsucht nach Verankerung und Tiefe, um in der Oberflächlichkeit Stand zu halten. Dann können wir lernen innezuhalten, auszuruhen und das Heute zu genießen. Einer der Gründe, warum wir uns oft so unbehaglich fühlen, liegt darin, dass wir entweder der Vergangenheit nachgrübeln oder uns Sorge um die Zukunft machen. Vergangenheit und Zukunft essen den Augenblick auf. Es gilt im Jetzt zu leben, das schon den Geschmack der Auferstehung trägt.
 
Heiligenverehrung
Ein drittes Bild zeigt die Rückkehr Gebhards aus Rom mit der Reliquie Gregors des Großen, die seiner Klosterkirche den Namen gab.
Gebhard war fast reliquiensüchtig. Immer bemühte er sich um solche. So erbat er sich 989 von Papst Johannes XV., das Haupt des Papstes Gregors des Großen. Die Römer leisteten aber Widerstand und verfolgten Gebhard, eine wagemutige Überquerung des Po rettete ihn schließlich. Von der Kaiserin Theophanu erhielt er eine Armreliquie des Apostels Philippus.

Reformer
Wie können wir das heute verstehen? Gebhard ging es wohl nicht darum, ein paar Kochen von Toten, sondern darum, das Heilige zu berühren. Dies konnten Menschen in den Reliquien tun. Es ging ihm aber auch darum, das Heilige und Göttliche im Sakrament zu berühren, im Sakrament des Altares und im Ursakrament Mensch.
Darum mühte er sich besonders um den Armendienst und wurde seinem Namen „gebefreudig“ gerecht. Damit diese Botschaft der Bibel gelebt werden kann, führte er eine Reformsynode in der Diözese durch. Er war ein guter Seelsorger und Reformer, für den Bibel und ihre Umsetzung in der Pastoral im Mittelpunkt stand. Diese Reform blieb aber nicht daran hängen, dass eine antiquierte Form durch eine modernistische Form ersetzt wurde, sondern dass Menschen wieder zur Urquelle zurückkehren konnten.

Schutzmantel
So verabschieden wir uns von diesen Bildern aus dem Leben des hl. Gebhard mit jenem aus dem Chorraum, wo Gebhard gezeigt wird, wie er den Schutzmantel über Bregenz und das ganze Land ausbreitet. Da können wir mit Antoine de Saint-Exupéry beten: „Gebhard, mein Mantel ist zu kurz. Leih mir ein Stück von deinem Mantel, damit ich die Menschen mit der Last ihrer großen Sehnsucht darunter berge.“

Bitten
Gebhard möge seinen Mantel über die Verbindung der Länder ausbreiten, dass alle Reisenden gefahrlos durchkommen, er möge seinen Mantel über unser Europa ausbreiten, dass es sich gesund weiterentwickeln kann.
Er möge seinen Mantel über die Diözese ausbreiten, die schon lange auf einen Bischof wartet, und über die Pfarrgemeinden von Bregenz, die neue tragende Strukturen für das Gemeindeleben suchen.
Sein Leben lasse  uns begreifen, dass wir Pilger sind, die das Lähmende zurücklassen und Belebendes finden. Pilger, die ein gutes Fundament entdecken, auf das sie das Wirken der Gemeinden stellen, und die immer in den Fußspuren Jesu bleiben.