Die „Projekte der Hoffnung 2012“ fanden am vergangenen Samstag in Bregenz in Vorträgen, Diskussionen und Dialogen mit Träger/innen des Alternativen Nobelpreises ihren Abschluss. Drei Preisträger/innen brachten die Welt nach Vorarlberg. Und in bedrückender Form auch die Probleme der Welt.

Dietmar Steinmair

Nach der Annäherung an die heurigen „Projekte der Hoffnung“ mit einem Vortrag von Niko Paech Mitte November im ORF-Funkhaus und der Eröffnung mit den diesjährigen Referent/innen in der Buchhandlung Brunner am 22. November war die abschließende Tagung am 24. November eine vertiefende Begegnung mit den Preisträger/innen.

Im Vorfeld hatte die Initiatorin und Veranstalterin Marielle Manahl zudem Filmvorführungen sowie einen Theaterabend organisiert. Auch waren die Preisträger/innen in   mehreren Schulen zu Gast. So etwa Nnimmo Bassey. Der Aktivist für Umweltschutz und Menschenrechte aus Nigeria besuchte das BG Blumenstraße in Bregenz  und schilderte eindrücklich die verheerenden Auswirkungen der Erdölförderung durch ausländische Firmen an Mensch und Natur.

Ina May GaskinGegen die Unwissenheit

Besonders die Frauen im Publikum berührt hat die US-Amerikanerin Ina May Gaskin. Sie gilt als „Mutter der authentischen Geburtshilfe“ und hat in den vergangenen Jahrzehnten die Hausgeburt wieder bekannt gemacht. In den Vereinigten Staaten werden beinahe alle Kinder mittels Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Der Geburt nach Terminkalender setzt Gaskin die natürliche Geburt entgegen. Sie stellt Frau und Kind, nicht den Arzt, in den Mittelpunkt  einer Geburt. „Es gibt sehr viel Angst und Unwissenheit über die Hausgeburt“, so Gaskin in Bregenz. Dem Trend entgegen wirkt höchstens, wenn eine „celebrity“, also eine Promi-Frau ein Kind öffentlichkeitswirksam zu Hause zur Welt bringt.

Bekannt geworden ist die studierte Literaturwissenschaftlerin Gaskin auch damit, als sie in den 1970er Jahren zusammen mit ihrem Mann Stephen Gaskin - übrigens der erste Träger des Alternativen Nobelpreises überhaupt - in Tennesee die Kommune „The farm“ gründete. Dort sind bisher fast 3.000 Kinder auf natürlichem Weg zur Welt gekommen. Für ihre Arbeit erhielt Ina May Gaskin selbst 2011 den Alternativen Nobelpreis.
Marielle Manahl brachte es auf den Punkt: Frauen wie Gaskin zeigen, wie und dass längst Verschüttetes wieder zutage kommen kann, denn „alles Wissen ist schon in uns.“


Ruth ManoramaFrauenrechte

Von der anderen Seite der Erde kommt Ruth Manorama, 2006 Trägerin des Alternativen Nobelpreises. Sie ist eine der wenigen Dalit-Aktivistinnen Indiens. „Dalit“ ist die Selbstbezeichnung der Angehörigen der Kaste der „Unberührbaren“. Dalit-Frauen sind am häufigsten von allen Frauen Indiens von Gewalttaten betroffen, vor allem von Vergewaltigungen.
Die Familie Manoramas war zum Christentum konvertiert, um Benachteiligungen des Kastensystems zu entkommen. Manorama studierte an der Universität Madras Sozialarbeit. Seit den 1970er Jahren setzt sie sich für die Dalit ein und bildete landesweite Netzwerke. Ihr Ruf lautet: „Ausbilden, mobilisieren, organisieren“, denn nur durch die Masse der Betroffenen kann Unrecht öffentlich gemacht und bekämpft werden. Auch wenn das Kastensystem in Indien offiziell abgeschafft ist, ist es im Alltag der Menschen prägend. Den oberen Kasten wirft Manorama etwa vor, nicht anzuerkennen, dass gerade die Dalit dem Subkontinent die Nahrungsmittel liefern: „Wir wissen, wie die Erde riecht“, sagt Manorama selbstbewusst.

Nnimmo Bassey„Wenn du das Richtige tust“

„Leave the oil in the soil, leave the cole in the hole!“ („Lasst das Öl im Boden, lasst die Kohle im Erdreich!“), verlangte Nnimmo Bassey (54) vor Schülern und Lehrern des Gymnasiums Bregenz-Blumenstraße am 22. November.

Nnimmo Bassey stammt aus einem kleinen Dorf an der Atlantikküste in Nigeria. Schon früh wurde er mit Themen wie Gerechtigkeit und Allgemeinwohl konfrontiert. Sein Vater war Stammesführer. Bassey studierte Architektur und befasste sich bald mit gesellschaftlichen Problemen wie Apartheid und Umweltschutz. Für seine Bemühungen erhielt er 2010 den Alternativen Nobelpreis. Sein Credo: „Wenn du das Richtige tust, kannst du eine Menge Druck aushalten.“

Ölpest
Das Problem, mit dem Bassey sich hauptsächlich konfrontiert sieht, ist die Verpestung des Nigerdeltas, das u.a. durch den „Shell“-Konzern von einem sehr fruchtbaren in einen lebensfeindlichen Ort verwandelt wurde. Da weder die alten Pipelines noch die Bohrköpfe instand gehalten werden, kommt es fast täglich zu neuen Lecks, die die Wasserläufe und damit auch die Fischgründe und Felder verpesten. Vielen Menschen des Nigerdeltas wird so die Lebensgrundlage geraubt. Dazu kommt, dass jährlich um die 400 Millionen Tonnen Erdgas sinnlos verheizt werden, da nach Shell der Bau von Förderanlagen und Lagerstätten sowie der Transport nach Europa nicht rentabel wären. Das verlorengehende Erdgas könnte den gesamten Erdgasbedarf Frankreichs decken.

Bei der Tagung am 24. November las Bassey aus einem Gedicht, das er 2010 schrieb:
    „I will not dance to your beat
    If you call plantations forests
    I will not sing with you
    If you privatise my water
    I will confront you with my fists
    If climate change means death to me
    but business to you
    I will expose your evil greed
    If you don’t leave crude oil in the soil
    Coal in the hole and tar sands in the land
    [...] I will not dance to your beat
    Unless we walk the sustainable path
    And accept real solutions
    & respect Mother Earth.“

Fotos und Videos von den Veranstaltungen in Kürze unter www.projekte-der-hoffnung.at