Jedem sind sie ein Begriff: die Weltläden. In Österreich gibt es inzwischen über 90 Filialen. Doch was steckt hinter diesem „Fair-Trade-Unternehmen“? Wo waren die Anfänge und wie tragen die Weltläden durch ihre Leistungen zu einem faireren Handel bei? Das KirchenBlatt wirft einen Blick hinter die Kulissen des Weltladens und zeigt, dass jeder von uns FAIRändern kann.

Hintergrund

von Katrin Kranz

Die Geschäftsführerin der ARGE Weltläden, Barbara Kofler, beschreibt im Gespräch mit dem KirchenBlatt das Konzept des Verbands: „Die Weltläden bauen auf den drei Säulen Warenverkauf, Informations- und Bildungsarbeit sowie politische Aktionen auf. Die Arbeit der Weltläden ist deshalb wichtig, weil auf bestimmte Produktkriterien geachtet wird und so die Standards hoch bleiben.“

Wertvoll

Der faire Handel hebt den Weltladen von anderen Handelsgeschäften ab und wird von den Angestellten sehr ernst genommen. Das betont auch die Geschäftsführerin des Weltladens in Bregenz, Eva Riedl: „Für uns ist es wichtig, dass wir fair gehandelte Produkte verkaufen und die ArbeiterInnen zu guten Konditionen arbeiten können.“ Durch den Warenkauf ergibt sich für jeden einzelnen die Teilnahme an fairen Handelsstrukturen. Marie-Luise Patak, die seit 27 Jahren im Weltladen Dornbirn arbeitet, meint: „Das was ich selbst nicht möchte, will ich auch niemand anderem zumuten (z.B. unter schlechten Bedingungen arbeiten). Jeder möchte doch, dass es gerecht zugeht.“ Riedl unterstreicht dies: „Das tägliche Brot, um das wir im Vater Unser beten, soll man doch auch anderen vergönnen, nicht nur uns selbst.“

Aufklärung und Sensibilisierung

Produktverpackung als InformationsträgerProduktverpackung als InformationsträgerDie Informations- und Bildungsarbeit gibt Auskünfte über Produkte, PartnerInnen sowie deren Kultur, Lebensbedingungen und -umstände. Auch die Produktverpackungen sind Informationsträger. „Das ist eine Besonderheit der Weltläden. Man kauft nicht nur ein Produkt, sondern wird auch über die Hintergründe informiert“, erklärt Barbara Kofler stolz. Dies schätzt auch Mitarbeiterin Riedl: „Meine Arbeit ist gleichzeitig meine persönliche Weiterbildung. Ich habe dadurch viel über Hintergründe gelernt, von denen ich vielleicht sonst nie erfahren hätte.“

PartnerInnen

Bewusstseinsbildung im WeltladenGertrud Rauch, Mitarbeiterin des Weltladens Feldkirch, bestätigt dies und ergänzt, dass einmal im Jahr eine/r dieser ArbeiterInnen eines Landes kommt und man dadurch dann ein Gesicht hinter dem Produkt hat. „Es sind dann nicht irgendwelche anonyme Personen, sondern wirkliche PartnerInnen.“ Zudem macht Rauch auf die Bewusstseinsbildung – durch Bilder und kleine Bildbände, die erklären wie Produkte entstehen – im Weltladen aufmerksam. Jene, die die Kundenzeitschrift des Weltladens abonniert haben, erhalten diese vier Mal im Jahr. Dadurch werden die Kunden unter anderem über Produkte und Projekte, welche sie unterstützen können, informiert.

Politisch aktiv

In den letzten Jahren hat die Informations- und Bildungsarbeit den Schwerpunkt aber auch verstärkt auf die Aufklärung Jugendlicher gelegt, um diese für den Fairen Handel zu sensibilisieren. Außerdem versuchen die Weltläden, durch Kampagnen zu wichtigen gesellschaftspolitischen Themen breite Bevölkerungsschichten zu erreichen. „Die Weltläden sind auch in den Gemeindestrukturen besonders wichtig, damit die PolitikerInnen dazu angehalten werden über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen“, meint Kofler nachdrücklich und macht dabei auf die Wichtigkeit eines guten Netzwerks sowie einer gemeinsamen Stimme und einheitliches Auftreten aufmerksam. Als Beispiel führt sie die Aktion „Weltladen-Tag“ an.

Wichtige Konditionen

Die Weltläden sind Fachgeschäfte für fairen Handel. Das bedeutet, es werden nur Produkte fairen Handels vertrieben und darauf geachtet, dass die Lieferanten ihre Produkte nur von Fairhandels-/ PartnerInnenorganisationen beziehen. Die Auswahl solcher ist an mehrere Kriterien geknüpft. Unter anderem sollen die ArbeitnehmerInnen ein Mitspracherecht haben und durch ihren Verdienst in der Lage sein, eine menschenwürdige Existenz aufzubauen und ihre Familien zu ernähren. Auch medizinische Versorgung soll gesichert und Bildung für Kinder wie auch Erwachsene in Kindergärten, Schulen und/oder Weiterbildungen zugänglich sein. Die Arbeitsbedingungen bzw. die Produktion der Ware dürfen weder gesundheits- noch umweltschädlich sein.

Maß der Dinge

Grundsätzlich gelten die gleichen Auflagen für alle Lieferanten. Allerdings sind diese noch zusätzlichen Bestimmungen unterworfen und auch die Weltläden messen sich selbst an diesen Richtlinien. Zum Beispiel muss es der ARGE Weltläden möglich sein, Einblick in die Arbeitsweise und die Zahlen der Organisationen zu erlangen. Die wichtigeren Faktoren sind aber, dass die Lieferanten den HandelspartnerInnen einen fairen Preis bezahlen, damit diese gut von ihrem Verdienst leben können. Zudem sollen die Lieferanten die OrganisationspartnerInnen in verschiedensten Bereichen wie im Marketing unterstützen und den Weltläden Informationen über die PartnerInnen und Hintergründe weitergeben können.

Überzeugende Argumente

Mehr als KaffeeAber warum soll man nun den Weltladen anderen Geschäften vorziehen? „Durch den Kauf der Produkte können die Kunden die Situation der Kleinbauern, HandwerkerInnen und anderen PartnerInnen bedeutend verändern und verbessern. Neben ihrem Verdienst erhalten die Genossenschaften, zu denen sich die ArbeiterInnen zusammenschließen, eine Sozialprämie. Dieser Betrag dient der Gemeinschaft, und die Leute können selbst entscheiden, wofür sie das zusätzliche Geld verwenden möchten, zum Beispiel für eine Gesundheitsstation oder einen Schulbus“, erklärt Rauch. Und Barbara Kofler argumentiert bestimmt: „Man muss sich selbst die Frage stellen, welche Strukturen man unterstützen will. Der Ertrag der Weltläden bleibt zu 100% im Fairhandelsbereich.“
Das FAIRTRADE-Prinzip ist wirklich simpel: Den PartnerInnen werden faire Preise für ihre Produkte geboten und die KonsumentInnen können so qualitativ hochwertige Produkte kaufen und genießen. Dies wissen auch die Kunden zu schätzen: „Speziell die Stammkunden kaufen bewusst fair gehandelte Produkte“, so Riedl enthusiastisch, „andere kommen, um etwas Schönes und Besonderes zu finden, und erfahren dann durch Zufall über die Hintergründe.“

In Kontakt

Die Weltläden werden meist als Vereine geführt. „Jeder Weltladen ist eigenständig, muss sich aber nach den Kriterien der ARGE Weltläden richten“, erklärt Riedl, „in den Filialen sind überwiegend Teilzeitkräfte beschäftigt, die durch Ehrenamtliche unterstützt werden. Es ist eine Geldfrage, aber das Ziel wäre, mehr Vollzeitkräfte zu haben.“ Barbara Kofler freut sich dennoch über eine sehr geringe MitarbeiterInnen-Fluktuation und zeigt die Besonderheit des Weltladens klar auf: „Es ist ein Ort des Lernens. Man erhält Informationen über Produkte und PartnerInnen. Man trifft nette Menschen, woraus wunderbare Freundschaften entstehen können.“ Auch Marie-Luise Patak und Eva Riedl heben den sozialen Aspekt des Weltladens deutlich hervor: „Die Kunden schätzen es auch, dass man noch mit ihnen redet und Kontakt hat, was ja sonst nicht mehr der Fall ist. Man lernt sehr viele nette und interessante Menschen kennen, die sich genauso für fairen Handel engagieren wie wir.“

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Hintergrund

Der Weltladen und der faire Handel

In Europa finden sich die Anfänge in Holland in den frühen 60er Jahren. Heute gibt es bereits 2.700 Weltläden in ganz Europa.

- 1965 wird auf Hollands Straßen Rohrzucker aus Kuba verkauft
- 1969 Eröffnung des ersten Dritte-Welt-Ladens in Holland
- 1977 Eröffnung des ersten Dritte-Welt-Ladens in Österreich (Innsbruck)
- 1982 Gründung des Verbands ARGE Weltläden
- 1993 Gründung des Vereins FAIRTRADE Österreich
- 1995 Umbenennung der Dritte-Welt-Läden in Weltläden
- 1999 Homepage geht online: www.weltlaeden.at
- 2006 erster Lehrgang der Fair Trade Academy

In Österreich

- 94 Filialen (davon 15 in Vorarlberg)
- 2 Weltcafés
- 150 Mitarbeiter/innen (meist Teilzeitkräfte)
- 1.800 Ehrenamtliche

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