Frauen werden nicht reifer, sie werden nur alt. Weit gefehlt. Sie werden süß und immer süßer. Das haben sie sich nämlich aus der Natur abgeschaut und seit dem dritten FrauenSalon der Katholischen Kirche wissen wir ganz genau, dass das Alter uns völlig neu erschafft.

Veronika Fehle

Eine Novität! Erstmals in der Geschichte der Emanzipation stehen heute hinter jungen, aufgeschlossenen Frauen ältere, aufgeschlossene Frauen. Und siehe da, die ältere Generation sabotiert das Tun und Handeln der jüngeren nicht. Sie unterstützt sie. „Das ist ein Luxus, den wir uns bewusst machen müssen“, erklärt Heidi Witzig, Historikerin und Buchautorin aus Zürich.

Traut euch, Frauen zu sein
Ursel Burek, Tänzerin und Therapeutin, hingegen lässt das innere Feuer entdecken, das Frauen jeden Alters antreibt. Und an diesem Punkt treffen sich die beiden Referentinnen des dritten FrauenSalons der Katholischen Kirche, der dieses Mal übrigens im berstend vollen Saal des Bildungshauses St. Arbogast Station machte. „Wie kluge Frauen alt werden“, ist der Titel des aktuellen Witzig-Buchs. Und das Rezept dafür, dem sie in zahlreichen Interviews nachspürte, ist so vielgesichtig wie die Charaktere der Interviewpartnerinnen.

Eines aber bleibt: das Feuer und das Wissen darum, dass wir zwar alle älter werden, dass wir uns dabei aber die Natur zum Vorbild nehmen sollen. Die Trauben an den Weinstöcken werden ja auch nicht bloß alt, sondern süß. Dazu gehört auch, so Witzig, dass man Rückschau auf sein Leben hält, sich glückliche Momente in Erinnerung ruft, begangene Fehler eingesteht und widerfahrenes Unrecht als solches akzeptiert und überwindet.

Und noch einen Luxus gönnt das Alter den Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts.  Wenn es ihnen bis dahin nicht möglich oder der Wunsch, der Gesellschaft zu entsprechen, zu übermächtig war, so entlässt das Alter aus vielen Rollenbildern, denen man ein Leben lang nachhechelte. Die Frau kann - ihrer verordneten Rollen ledig - im Alter sein, wer sie sein will.

Schürt das Feuer
Jetzt aber zurück zum Feuer - und dabei kommt Ursel Burek ins Spiel. Die Kindheit während des Zweiten Weltkriegs auf der Flucht verbracht, wurde der späteren Weltenbummlerin der Tanz zum Überlebenselixier. Er ist ihr Feuer. Für Heidi Witzig sind es die Freundschaften zu Frauen verschiedener Generationen, die bereichern und ergänzen. Und dann ist da ja auch noch die Zeit - die gefüllte und die erfüllte Zeit. Ursel Burek: „Die gefüllte Zeit ist die, die ich mit der Organisation des Alltags verbringe. Die erfüllte Zeit, das ist die, die ich bewusst erlebe. Dann, wenn ich ein Kinderlachen auffange, dann, wenn ich die Wolkenzüge staunend betrachte. Halten sich ge- und erfüllte Zeit die Waage, dann schlafe ich gut. Wenn nicht, muss ich die nächsten Tage bewusster erleben.“ Auch das ist eine Flamme, die dem Älterwerden mit einem Lächeln begegnen kann.

 

Zur Sache

Den Frauen ihren eigenen Salon

Vor knapp einem Jahr war es so weit. Der erste FrauenSalon der Katholischen Kirche stand in den Veranstaltungskalendern der Vorarlberger Medien. Organisiert wurde er bereits damals von der Katholischen Kirche Vorarlberg und den vielen Frauen, die sich in ihr engagierten. Unter ihnen die damalige Frauenreferentin Dr. Petra Steinmair-Pösel, Edith Burger vom Bildungshaus St. Arbogast, Berta Egger von der Katholischen Frauenbewegung, „Kirchenfrau“ Elisabeth Hämmerle, Ingrid Holzmüller vom Ehe- und Familienzentrum, Elisabeth Mennel als Vertreterin des Katholischen Bildungswerk, Sr. Clara Mair aus dem Team Spiritualität und Liturgie und - zu guter Letzt - Katharina Unterrainer vom Bildungshaus Batschuns. Allesamt kirchlich aktive und tätige Frauen.

Neue Idee mit Tradition
Der FrauenSalon war damals neu in Vorarlbergs Veranstaltungsszenerie. Neu - ganz streng genommen - ist der Salongedanke nicht, neu aufgepeppt ist er auf jeden Fall. In Salons wurde seit jeher diskutiert und philosophiert. Damit knüpft der FrauenSalon der Katholischen Kirche an eine lange Tradition an und führt durch diese in die Zukunft. Der erste FrauenSalon ließ sich gut an, der zweite folgte, bis man jetzt - beim dritten FrauenSalon -  an die Kapazitätsgrenze des Bildungshauses St. Arbogast stieß. Eine weibliche Erfolgsgeschichte, die im Mai ihre Fortsetzung findet. Dann allerdings in Batschuns.