Ein lohnender Osterspaziergang zur alten St. Martinskirche in Ludesch - entdeckt und beschrieben von Dr. Elmar Schallert.

Wer noch kein Ziel für seinen Osterspaziergang hat, findet ihn hier: Der ehemalige Diözesanarchivar Prof. Dr. Elmar Schallert beschreibt die St. Martinskirche in Ludesch, wie sie einladender nicht sein könnte.

Im schönen alten Dorfkern von Ludesch, dort, wo früher die ganzen Hänge mit Reben bestanden waren, zeigt eine Hinweistafel deutlich den Weg zur ehrwürdigen Martinskirche. Der Spaziergang lohnt sich und er ist für Jung und Alt ohne weiteres zu bewältigen. Nussbäume und einige Rebstöcke flankieren den Weg, und mit jedem Schritt wird die Aussicht auf die Bergwelt des Rätikons großartiger.

Ein altersgraues Kirchlein.
Irgendwann, nach etwa einer Viertelstunde, erblickt man in der einsamen Natur ein altersgraues Kirchlein, das sich richtig an den Hang lehnt. Markant sind ein hohes Presbyterium und ein Kirchenschiff, das auf der Westseite kaum Fenster zeigt, denn die mittelalterlichen Baumeister mieden große Öffnungen an der Wetterfront. Eine ehemalige Sakristei und ein kleiner Glockenturm schließen den Gebäudekomplex talwärts ab; im untersten Geschoss ist das berühmte Beinhaus mit vielen uralten Totenköpfen und aufgestapelten Knochen zu sehen. Warum entstand weitab vom Siedlungszentrum das Gotteshaus für Ludesch? Früher meinte man, diese Situierung hänge mit der Walsereinwanderung zusammen. Doch die archäologischen Grabungen erbrachten die Gewissheit, dass an dieser Stätte bereits ein halbes Jahrtausend vor den Walsern ein Gotteshaus existierte. In karolingischer Zeit muss ein großer herrschaftlicher Hof bestanden haben, für dessen Familie, Knechte, Mägde und wohl auch Sklaven dieses christliche Zentrum erstellt wurde.

Martinskirche Ludesch - KreuzHervorragende Renovierung.
Das Äußere und namentlich das Innere des herrlichen Gotteshauses erfuhren in den letzten Jahren eine hervorragende Restaurierung. Es gibt im weiten Umkreis kaum eine Kirche, die ihre mittelalterliche Einrichtung so perfekt erhalten hat: eine romanische Kreuzigungsgruppe unter dem Triumphbogen, zwei Flügelaltäre aus dem Ende des 15. Jh., ein gotisches Sakramentshäuschen, der größte spätgotische Flügelaltar des Landes, wo der hl. Martin als Schutzherr gleich zweimal vorkommt, die originale Blockbestuhlung, farbintensive Wand- und Deckenbemalung, dies alles macht die alte St. Martinskirche zu einer der schönsten  christlichen Kultstätten unseres Landes. Und welches Glück! Als in den Jahren nach 1630 die schwarze Pest wütete, gelobten die Ludescher, im Dorfzentrum eine Kirche zu bauen,  die alte wurde aber weiterhin ehrfurchtsvoll gepflegt. So bietet sie sich als Ziel für einen Osterspaziergang an, zumal an der linken Wand im Kirchenschiff der Kreuzweg unmittelbar mit einem Fresko der Auferstehung Christi den hoffnungsvollen Abschluss findet.

Öffnungszeiten

Mai-September, So 14-18 Uhr,
sonst Terminvereinbarung unter T 05550/44 86 (Hubert Moser) oder T 05550/33 83 (Pfarrbüro).

Wissenswerte Details

Weil der Süden von Vorarlberg wohl mehr als tausend Jahre zum Bistum Chur gehörte, finden sich auf dem Hochaltar auch die Bistumspatrone St. Luzius (dargestellt als Bischof) und dessen legendenhafte Schwester, die hl. Emerita. Vom churrätischen Luzius leitet sich hierzulande der häufige Familienname „Lutz“ ab.
Eine Seltenheit sind die Heiligen an der Kirchendecke (geschaffen um 1620), nicht etwa, weil Heilige selten sind, sondern weil sie die Namenspatrone der Stifter darstellen, und zwar mit ausführlicher Namensnennung und mit dem jeweiligen Hauszeichen. Hauszeichen kennt man heute kaum mehr, sie waren jedoch einfache Kombinationen aus Buchstaben und deren Erweiterungen, um landwirtschaftliche Geräte, Milchbrenten, Feuerlöschkübel etc. zu markieren. Der Schöpfer dieser recht rustikal dargestellten Personen an der Kirchendecke war der Bludescher Maler Andreas Spindler.
Vor vielen hundert Jahren breitete sich um die St. Martinskirche zu Ludesch ein Friedhof aus, jedoch wurde es mühsam, jeweils die Toten dort hinauf zu tragen; deshalb sind nur noch wenige Erinnerungszeichen an den ehemaligen Friedhof vorhanden, darunter immerhin ein angebliches Pestkreuz aus Tuffstein.

(aus KirchenBlatt Nr. 13/14 vom 4. + 11. April 2010)