Am 14. Februar reden alle vom heiligen Valentin. Aber so richtig Bescheid weiß keine/r. Das wird jetzt anders. Eine informative Geschichte von Josef Imbach.

Alle Jahre wieder, immer am 14. Februar, haben Blumenläden, Konfiserien und Bijouterien einen großen Zulauf, und die Altvermählten und die Jungverliebten haben ihre große Stunde. Verantwortlich dafür ist entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht der heilige Valentin, sondern, allerdings bloß indirekt, die heilige Maria, der Evangelist Lukas, ein paar anonyme Liturgiereformer und ein unbekannter Poet, der vor Jahrhunderten für die Prozession zu Mariä Lichtmess einen lateinischen Hymnus gedichtet hat, der heute kaum mehr gesungen wird, leider.

St. Valentin im Departement IndreIn Frankreich gilt der Valentinstag seit Menschengedenken als Tag der Brautleute, in Belgien und England begeht man ihn seit dem 14. Jahrhundert als Tag der offenen Herzen, und in den Vereinigten Staaten können sich die Verliebten ein ganzes Jahr lang überlegen, was sie einander zum nächsten Love Day verehren möchten. In der Schweiz begannen 1948 die ersten Werbefeldzüge für das Blumen-schenken am Valentinstag; Deutschland und Österreich zogen zwei Jahre später nach. Aber vermutlich wissen nur wenige Floristinnen und Blumenhändler, dass sie den gesteigerten Umsatz letztlich gar nicht dem heiligen Valentin verdanken - siehe oben.
(Foto: Der Ort St. Valentin im Departement Indre in Frankreich, sieht sich am 14. Februar ganz im Zeichen seines "Namenspatrons)


Genauso wenig wissen wir, ob der heilige Valentin jemals verliebt war.
Verliebtheit und Heiligkeit müssen einander ja nicht ausschließen. Die Historie hüllt sich schlicht in Schweigen. Und auch ihre geschwätzige Base, die Legende, versagt sich ausnahmsweise jeder diesbezüglichen Anspielung. So kommt es denn, dass uns über Valentins Lebenswandel praktisch nichts bekannt ist. Höchstwahrscheinlich wirkte er als Bischof im umbrischen Terni. Erwiesen ist, dass man ihn vom 4. Jahrhundert an als Heiligen verehrte und dass er später mit einem Priester und Märtyrer gleichen Namens verwechselt wurde, der im 3. Jahrhundert in Rom lebte. Logischerweise fällt beider Festtag auf den Valentinstag, also auf den 14. Februar. Übrigens soll im 5. Jahrhundert auch in Rätien ein Bischof Valentin gelebt haben (Gedenktag: 7. Januar). Im Gegensatz zu seinen etwas älteren Namensvettern hatte Letzterer jedoch mit Mimosensträußchen, Pralinen und Amuletten aus falschem Gold nichts im Sinn.

Kopf des Heiligen Valentin im Schrein unter dem Altar der Kirche San Valentino in Terni.Dass der Name des Bischofs von Terni und die Schokoladenherzen am 14. Februar in aller Munde sind, hängt zunächst einmal mit der liturgischen Feier von Mariä Lichtmess oder Mariä Reinigung (heute: Darstellung des Herrn) zusammen. Die Kirche begeht dieses Fest am 2. Februar. Zurück geht es auf eine Notiz im Lukasevangelium, nach welcher Jesus entsprechend der mosaischen Weisung vierzig Tage nach seiner Geburt im Tempel Gott geweiht wurde: „Dann kam für Maria und Josef der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem, um es dem Herrn zu weihen" (Kapitel 2, Vers 22).
(Foto: Haupt des Hl. Valentin im Reliquienschrein unter dem Altar der Kirche San Valentino in Terni).


Im Gedenken an diese Wallfahrt der Heiligen Familie nach Jerusalem
führte die Kirche im 6. Jahrhundert das Fest Mariä Reinigung ein, das später wegen der damit verbundenen Lichterprozession auch als Mariä Lichtmess bezeichnet wurde. An dieser Stelle nun wird der Umweg, der uns zum Valentinstag führt, immer unübersichtlicher. Wie heute in den Ostkirchen noch üblich, gedachte man der Geburt Jesu anfangs am 6. Januar (Epiphanie, "Erscheinung des Herrn"). Demzufolge fiel das vierzig Tage nach Weihnachten fällige Fest Mariä Reinigung oder Mariä Lichtmess auf den 14. Februar. Während der an diesem Tag üblichen Lichterprozession wurde ein Wechselgesang vorgetragen, dessen erster Vers lautet: "Zion, schmücke dein Brautgemach, nimm auf Christus, den König ..." Jerusalem als Braut und Christus als Bräutigam dieses Bild hat sein Vorbild in alttestamentlichen Texten, in denen Jahwe als Bräutigam und das Volk Israel als dessen Braut bezeichnet wird.


Die Erinnerung daran, dass man früher einmal am 14. Februar die Ankunft des "Bräutigams" besungen hatte, blieb erhalten,
wobei die himmlische Brautmystik in der Folge von irdischen Sehnsüchten eingeholt wurde. Was bewirkte, dass der heilige Valentin ungefragt mit einer für einen Bischof etwas ungewöhnlichen Aufgabe betraut wurde. Ursprünglich wurde er ja von den Fallsüchtigen angerufen. Aber deutet der englische Ausdruck „fall in love“ nicht darauf hin, dass es sich bei der Verliebtheit eigentlich nur um eine besondere Art von Fallsucht handelt?                                      

Josef Imbach - entnommen aus: Über Gott und die Welt. Theologische Quergänge. Würzburg 2001