28. Fatima-Schiffswallfahrt am 15. August auf dem Bodensee von K. Gasperi und W. Buder

Wie jedes Jahr findet auf dem Bodensee auch dieses Jahr am Samstag, 15. August, dem Hochfest Maria Himmelfahrt, die Fatima- Schiffsprozession statt. Sie wird zum 28. Mal von der Gebetsstätte Wigratzbad organisiert und wird tausende Gläubige auf mehreren Bodenseeschiffen versammeln.

Dort, wo sich die Grenzen der drei Länder Österreich, Deutschland und der Schweiz treffen. Von Rorschach / CH aus werden es wieder an die 500 Pilger und Pilgerinnen sein, die sich - auf mehreren festlich geschmückten Bodenseeschiffen - mit ihren Gefährten und Gefährtinnen aus Österreich (von Bregenz aus) und Deutschland (von Lindau aus) begegnen.

„Europa eine Seele geben“ - das Wort des ehemaligen EU-Präsidenten Jacques Delors ist beeindruckendes Beispiel für die Überwindung von Grenzen und ideologischen Vorbehalten. Es fand auch in christlichen Kreisen große Beachtung, bis hin zur aktuellen Aussage der evangelischen Pastorentochter und deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die den Gedanken des sozialistischen Franzosen radikalisiert: „Wir müssen Europas Seele finden. Denn eigentlich brauchen wir sie Europa nicht zu geben, weil sie schon bei uns ist.“ Die christlichen Wurzeln in Europa stehen im Mittelpunkt des Nachdenkens und auch des Gebetes, der seit 1979 stattfindenden Seeprozession.

Das friedliche Miteinander in Europa und die innere Einheit des Kontinentes sind für die Organisatoren auch und vor allem ein marianisches Thema, das ganz eng mit Fatima verbunden ist. Immer wieder ließen sich prominente Gäste für dieses feierliche Zeugnis kirchlicher Volksfrömmigkeit gewinnen. Heuer ist Stanislaw Kardinal Rylko, Präsident des päpstlichen Rates für die Laien, aus dem Vatikan Ehrengast auf dem See, der zusammen mit allen „Europapilgern“ die Weihe Europas an Maria erneuern wird. „Das große Problem Europas ist der Nihilismus“ sagt der Kardinal, und der sei nur „von unten“, durch eine Änderung der Herzen, zu überwinden. Die Predigtthemen des hohen Gastes aus Rom lauten „Die Rettung Europas braucht Heilige“ (Pontifikalamt, Wigratzbad) und „Hoffnung für das christliche Europa“ (im Rahmen der abendlichen Schiffsprozession).

Vor allem innerlich und nicht nur äußerlich möchten die Veranstalter die Gläubigen in Bewegung bringen, damit sie ihren Glauben an Jesus Christus und die Jungfrau Maria öffentlich bekennen, so wie Johannes Paul II. überzeugt war: „Öffnen wir unsere Herzen weit für Christus, so werden wir eine neue Zivilisation der Liebe, der Wahrheit und der Gerechtigkeit aufbauen.“

Ein weites Herz zu gewinnen, das war schon für den Mönchsvater Benedikt vor mehr als 1500 Jahren ein Lebensprogramm. In der Zeit als das römische Reich zusammenbrach und die überlieferte Kultur in der Völkerwanderung unterging, schrieb er im Prolog (Nr. 49) zu seiner Regel: „Wer im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.“

 

(Bericht aus dem Vorarlberger KirchenBlatt ( Nr. 32/2009, Seite 2)