Bischof Sigismund Waitz war zwischen 1913 und 1936 als Generalvikar und Weihbischof für die Diözese Vorarlberg zuständig. Anschließend wurde er zum Erzbischof von Salzburg ernannt. Die politischen Umwälzungen des frühen 20. Jahrhunderts prägten seine Amtszeit und Tätigkeit. Bericht von Diözesanarchivar Michael Fliri.

Am 24. April 1913 wurde Dr. Sigismund Waitz, bisher Professor am Priesterseminar in Brixen, zum Generalvikar für Vorarlberg ernannt.
Er trat mit diesem Amt die Nachfolge von Franz Egger an, der 1912 als Fürstbischof nach Brixen gezogen war. Das Amt des Generalvikars für Vorarlberg wurde 1819 geschaffen und mit Bernard Galura erstmalig besetzt. Mit der Beförderung des bisherigen Weihbischofs und Generalvikars für Vorarlberg, Franz Egger, auf den Brixner Bischofssitz war dieses Amt 1912 vakant geworden. Seinem Nachfolger empfahl dieser im Ernennungsschreiben „diesen Teil meiner Diözese wärmstens Ihrer pastorellen Obsorge.“ Am 8. Juni erfolgte die Bischofsweihe in Brixen, zwei Tage später kam Bischof Waitz in Feldkirch an. 
 
Waitz Sigismund, BischofAmtsantritt und erste Tätigkeit.
Der feierliche Empfang des neuen Generalvikars fand am 10. Juni 1913 nachmittags statt. Am 15. Juni hielt Bischof Waitz seine Einstandspredigt in der Stadtpfarrkirche. Seine Wohnung und Kanzlei nahm Waitz in den Räumen des ehemaligen Jesuitenkollegs neben der Stadtpfarrkirche in Feldkirch. Diesen Bau teilten sich die Feldkircher Generalvikare seit 1845 mit dem Landgericht.
Innerhalb der ersten vier Wochen firmte Bischof Waitz bei acht Gottesdiensten 3.102 Personen und folgte damit einer guten Feldkircher Tradition: Bischof Galura firmte 1820 nach seinem Amtsantritt im ersten Jahr seiner Amtsführung angeblich rund 65.000 Personen. Die ersten festlichen Auftritte von Bischof Waitz erfolgten im Sommer 1913, so weihte er am 9. Juli die Halle der Ferienkolonie in Amerlügen nahe Feldkirch, hielt am 10. August die Festpredigt beim goldenen Priesterjubiläum von Generalvikariatsrat Dr. Anton Walter in dessen Heimatort Thüringen und errichtete am Rückweg nach Feldkirch am selben Tag in Ludesch den Schutzengelbund. Am 9. September hielt er die Festpredigt und das Pontifikalamt zum 25jährigen Jubiläum des katholischen Lehrerseminares in Feldkirch und am 14. September die Festpredigt zur Krönung der Lourdesstatue in der Stadtpfarrkirche in Bregenz. In der letzten Septemberwoche begab er sich auf eine Firmreise in die Diözese St. Gallen und firmte dort ca. 1.000 Personen.
Kurz nach seinem Amtsantritt kündigten sich die ersten großen Umwälzungen durch den Beginn des Ersten Weltkrieges an.

Erster Weltkrieg. Während des Ersten Weltkrieges erschwerten vor allem die staatlichen Kontrollmaßnahmen und Reisebeschränkungen die Arbeit des Generalvikariates. Eine Befreiung der Amtspost von der militärischen Briefzensur konnte erreicht werden. Jedoch blieb auch der Vorarlberger Klerus von der Landsturm-Musterung nicht verschont. Viele Geistliche suchten jedoch freiwillig an, um als Feldkuraten in den Militärdienst aufgenommen zu werden. 1916 ersuchte die Bezirkshauptmannschaft den Generalvikar um Angabe von Geistlichen, die im Rahmen der Kriegsereignisse eine staatliche Auszeichnung erhalten sollten, ebenso erhielt Waitz selbst eine deutsche Kriegsauszeichnung.

Die Kriegsfürsorge war Bischof Waitz ein wichtiges Anliegen, unter anderem beauftragte er seinen Sekretär Franz Tschann, die Aktionen „Kinder aufs Land“  und die „Kindergroschen“ zu organisieren, die dieser mit großem Erfolg durchführte. Ebenso wurde die Ablieferung von Kirchenglocken, Orgelpfeifen und Metallgegenständen gemeinsam mit den Pfarren organisiert bzw. aus Sicht des Denkmalschutzes überwacht.

Apostolischer Administrator.
Durch die Abtrennung Südtirols von Österreich und das Ende der Donaumonarchie waren die politischen Verbindungen zu Italien schwierig. Dies wirkte sich auch auf den österreichischen Anteil der Diözese Brixen aus und führte schließlich zur Abtrennung dieser Gebiete. Bischof Waitz wurde als Apostolischer Administrator für den Bereich der heutigen Diözesen Innsbruck und Feldkirch ernannt und erhielt damit weitreichende Vollmachten.
In den 1930er Jahren setzte er sich in der österreichischen Bischofskonferenz stark für den Ausbau der katholischen Laienorganisationen ein und war an den Konkordatsverhandlungen beteiligt. Durch seine umfangreiche Vortrags- und Exerzitientätigkeit war er in ganz Österreich bekannt, im Sozialhirtenbrief der österreichischen Bischöfe gut lesbar. In Feldkirch hielt er 1928 den ersten Vorarlberger Katholikentag ab.Bichof Waitz und Bichof Franz Tschann

Erzbischof von Salzburg. 1935 wurde er schließlich zum Erzbischof von Salzburg ernannt. Dort erlebte er den nächsten politischen Umbruch – die Machtübernahme der Nationalsozialisten.
In Feldkirch folgte ihm Franz Tschann als Generalvikar und Weihbischof im Amt (im Bild rechts). Die kirchenfeindliche Politik der Nationalsozialisten gipfelte für Bischof Waitz in der Delogierung aus seiner Residenz in Salzburg. Am 30. Oktober 1941 starb Bischof Waitz in Salzburg.

(Mag. Michael Fliri)

Sigismund Waitz Symposion

Am 1. und 2 Oktober 2009 findet in Innsbruck im Haus der Begegnung ein Symposium zu Bischof Sigismund Waitz (1864 – 1941) statt.
Die Veranstaltung unter dem Titel „Sigismund Waitz – Seelsorger, Theologe und Kirchenfürst“ wird von der Diözese Innsbruck und der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck gemeinsam durchgeführt und setzt sich konzentriert mit der Person von Bischof Waitz und seiner Zeit auseinander. Die Referentinnen und Referenten aus ganz Österreich beleuchten in ihren Vorträgen die biografischen, pastoralen und theologischen Aspekte des Lebens von Bischof Sigismund Waitz.

Viele Aspekte. Von besonderem Interesse für die Diözese Feldkirch ist der Vortrag von Diözesanarchivar Mag. Michael Fliri, der sich der Zeit von Sigismund Waitz als Weihbischof und Generalvikar in Vorarlberg in den Jahren 1913-1936 widmet. Kirchenhistorisch relevant ist sicherlich auch sein Aufstieg zum Fürsterzbischof von Salzburg. Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer wird in seinem Vortrag zu Bischof Waitz “Das Verständnis des Bischofsamtes im Lichte seiner Hirtenbriefe” vorstellen und zur wissenschaftlichen Diskussion stellen.

Artikel aus dem KirchenBlatt Nr. 40/2009