Rund 100 Frauen aus allen Diözesen Österreichs trafen sich im Bildungshaus St. Arbogast zur traditionellen Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung (kfb) Österreich. Das Thema der Tagung - "einmischen. mitmischen. aufmischen." - ist spannend, geht es doch um Demokratie und Partizipation, um Macht also.

Die Inspiration für dieses Thema kam von einer Reise, die die Frauen im vergangenen Jahr auf die Spuren von Dorothee Sölle führte. In der Kölner Christus-Kirche erzählte damals eine Weggefährtin Sölles von den politischen Nachgebeten. "Politik muss in die Kirchen kommen" war dort das Credo. Gesellschaftspolitisches Engagement gehört schon jahrzehntelang zum Programm der kfb. Doch das Jahresthema "einmischen. mitmischen. aufmischen." schärft den Blick für politische Strukturen und Mechanismen, sucht nach Spielräumen und Gestaltungsmöglichkeiten und macht das politische Handeln selbst zum Thema. Nach der intensiven Auseinandersetzung im Rahmen der Sommerstudientagung wird im anstehenden Arbeitsjahr auf diözesaner Ebene nach Wegen gesucht, das Thema in den Pfarren umzusetzen. Österreichweit.

Frauen - Partizipation - Macht

Dass vor genau 100 Jahren das Frauenwahlrecht in Österreich eingeführt wurde, war Anlass für einen Blick in die Geschichte. Dr. Tamara Ehs, Politikwissenschafterin an der Uni Wien und Vorsitzende der IG Demokratie, machte mit ihrem Impulsreferat mit dem Titel "Frauen.Partizipation.Macht" klar, dass vieles, das wir heute als selbstverständlich erachten, von den Generationen vor uns erkämpft werden musste. So wurde bei der Einführung des Frauenwahlrechts zum Beispiel darüber diskutiert, ob das Wahlalter der Frauen auf 30 gesetzt wird. Prostituierte wurden bei der ersten Wahl generell ausgeschlossen, jene, die ihre Dienste in Anspruch nehmen jedoch nicht. Bei der Frage nach einer Wahlpflicht, entschieden sich Vorarlberg und Tirol für diese. Generell herrschte bei den Politiktreibenden vielfach Unsicherheit und Angst vor Machtverlust, da nicht abgeschätzt werden konnte, wie Frauen wählen würden. Um zu eruieren, wie sich die Stimmen verteilten, gab es für Männer und Frauen unterschiedlich gefärbte Wahlkarten - in manchen Gemeinden bis in die 80-er Jahre. Es zeigte sich, dass Frauen insgesamt moderater, mittiger wählten - in den 70-er Jahren dann eher mitte-links.

Nach der ersten Wahl im Febraur 1919 wurden acht der 170 Plätze im Nationalrat von Frauen besetzt. Heute sind 35% der Abgeordneten Frauen - prozentuell also so viele wie noch nie. Dennoch: Frauen machen 51% der Gesamtbevölkerung aus - damit bildet die Zusammensetzung des Nationalrates die Gesellschaft nicht ab. Auch andere Gruppen sind unterrepräsentiert - jene Menschen zum Beispiel, die zwar dauerhaft hier leben, aber nicht über eine österreichische Staatsbürgerschaft verfügen. Rund ein Million Menschen sind dies immerhin. Gleichzeitig gibt es Gruppen, die überrepräsentiert sind, wie jene der Burschenschafter. Für Ehs geht es dabei einerseits um die Frage, wo die Macht liegt und andererseits darum, ob Bürger und Bürgerinnen sich in der Politik wiederfinden.

Staat muss gegensteuern

Dass Frauen in der Politik noch immer keine Selbstverständlichkeit sind, zeigte Ehs auch mit den Positionen, die Frauen einnehmen bzw. eben nicht einnehmen. So sind derzeit von 2100 Bürgermeister/innen nur 7,6% weiblich. Es gibt eine Landeshauptfrau und es gab in Österreich weder eine Bundespräsidentin noch eine Bundeskanzlerin. Eine Studie belegt, so Ehs, dass Männern viele Stereotype zugeschrieben werden, die für Führungspositionen relevant sind. Frauen hingegen wird weniger zugetraut. Sie müssen zum Beispiel bewiesen haben, dass sie über Führungskompetenz verfügen. Außerdem müssen bei Frauen, die ein politisches Amt anstreben, die Kinder aus dem Haus sein. Die höheren Anforderungen und Erwartungen an Frauen erschweren ihnen den Einstieg in die Politik. Das Fehlen der Frauen verursacht wiederum das Fehlen von Vorbildern für heranwachsende Mädchen. "Ein Staat bzw. eine Gemeinschaft muss hier gegensteuern, ansonsten bleibt der Status Quo", erklärte Ehs. Allerdings erleben wir gerade eine anti-feministische Politik, Förderungen für Frauenprojekte werden gestrichen.