34. Sommerakademie - St. Pölten

Kraftquellen - Mit Gott überspringe ich Mauern;

Unter diesem Motto fand vom 22. bis 24. Juli 2021 die Sommerakademie der KMBÖ in St. Pölten statt. 

Vom Vorstand der KMBÖ konnten mit Prof. Dr. Paul Zulehner, P.Dr. Johannes Pausch OSB- Prior Europakloster Gut Aich und Georg Oberrauch-Vorsitzender der KMB in Südtirol, drei hervorragende Referenten für diese Tage engagiert werden. 

Bei Ihren Vorträgen ging es um die Religiosität in Österreich: "Glauben Männer anders?", "Glaube als Kraftquelle" und Berufung: "Engagement aus dem Glauben/Glaube im Alltag.

Männer und Frauen glauben gleichermaßen unterschiedlich. So hat Prof. Zulehner auf die individuelle Glaubensbiographie jedes Einzelnen von uns hingewiesen.  Gemeinsam ist uns Menschen, die zutiefst lebenspraktische Frage: "Was ist am Ende stärker: der Tod oder die Liebe?" Als Christen dürfen wir auf die Auferstehung von den Toten vertrauen, auch wenn es todsicher ist, dass wir sterblich sind. Jesus Beispiel gibt uns die Möglichkeit, dass wir uns selbst in der größten Unheilserfahrung noch ein "österliches Lachen bewahren können".

P. Pausch: "Allmachts- und Ohnmachtswahn" - hob in seinem Vortrag hervor, Glaube sei nicht das Verbreiten und Nachsprechen von dogmatischen Lehrsätzen, sondern beschreibe "das Verhältnis zu mir selbst, zum Du, zu Natur und der Schöpfung, zu Welt und Gott". Glaube sei dabei geprägt "von unserem Menschenbild, unserem Weltbild". Heute täten die Menschen vielfach so, "als hätten wir die Welt in der Hand", selbst ökologisches Handeln werde im Geist des "Wir machen das" angegangen. "Das bereite ihm Sorge", so der Benediktinerpater.  Neben diesem "Allmachtswahn" gebe es den "Ohnmachtswahn": "Ich kann nichts machen." Ein Mittelweg zwischen beiden Extremen komme der Realität näher. Glaube heiße auch nicht, alles richtig zu machen: "Zweifel, Verluste, Scheitern, Hindernisse sind Geschwister des Glaubens. Glaube heißt, in Beziehung zu leben. Spiritualität ist Beziehung auf allen Ebenen."

Für eine tiefgreifende Reform der katholischen Kirche plädierte auch Georg Oberrauch. Es sei bedauerlich, dass die Chancen der Kirche heute oft zu wenig gesehen, Aufbrüche im Keim erstickt werden. Die Kirche sollte eine Brücke zwischen Gott und Menschen sein, häufig sei sie es aber nicht. "Wir müssen ein System von Kirche in Frage stellen, das viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, von Klerikalismus, mittelalterlicher Fürstentums-Mentalität, Macht und Besitz geprägt ist", so der Unternehmer und führende katholische Laie. Die sogenannte konstantinische Wende im 4. Jahrhundert nach Christus habe die Kirche von der Verfolgung befreit, aber die Entwicklung einer Gestalt von Kirche eingeleitet, die sich immer mehr vom Kern der Botschaft Jesu entfernt habe. Viele Bewegungen und Heilige hätten seither versucht, das zu ändern, sie seien aber "radikal eingebremst worden". Heute könne die Kirche nur dann zukunftsfähig werden, "wenn sie sich von ihrem Klerikalismus und Machtgehabe befreit und eine dienende Kirche wird, die Vertrauen und Freiraum schenkt", Auch der vom Papst ausgerufene synodale Prozess ziele in die Richtung, dass das Volk Gottes nicht nur sein Meinung äußern, sondern in der Kirche mitentscheiden kann. "Die Zeit schreit nach Umdenken, nach Wechsel", führte Oberrauch weiter aus. 

Im Anschluss an die einzelnen Vorträge genossen die Anwesenden auch das angebotene Rahmen- u. Kulturprogramm. So den Ausflug "Auf den Spuren von Kardinal König ins Pielachtal" oder die Besichtigung der "Loisium Weinwelt" in Langenlois. Dabei wurden die Mitgereisten von der KMB St. Pölten zu einer prächtigen Jause in schönem Ambiente eingeladen.