Wenn rund 400 Menschen ein gemeinsames Ziel haben, muss das schon etwas Außergewöhnliches sein. Und das war es auch. Jung und junggebliebene 80-Jährige, mit und ohne Schuhe, von nah und fern, machten sich zusammen auf den Weg aufs Kreuzjoch. Denn dort steht das neue Jubiläumsgipfelkreuz - und am Sonntag war die erste Bergmesse.

Den ganzen Vormittag über habe er Anrufe erhalten, sprach Pfarrer Hans Tinkhauser über seine Erfahrungen am "Wettertelefon", das Auskunft gab, ob die Bergmesse auch wirklich am Berg stattfindet. Und nicht nur aus dem Montafon - nein, aus dem ganzen Land und sogar über die Landesgrenzen hinweg. Dass das Interesse am neuen Gipfelkreuz groß war, zeigte nicht nur die Telefonwelle, sondern auch die rund 400 Menschen, die an diesem Sonntag gerne die 1 1/2 stündige Wanderung auf sich nahmen.

Hinauf zum Gipfekreuz

Manche von ihnen hatten Anliegen im Gepäck, andere wollten sich "nur" das neue Metallkreuz ansehen und andere kamen, weil sie um die Bedeutung des Gipfelkreuzes wussten. Vor etwas zwei Jahren hatte der ehemalige Zivildiener der Diözese Feldkirch, Valentin Alge, nämlich eine Idee: Ein neues Gipfelkreuz anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Diözese Feldkirch. Ein Gipfel war bald gefunden, mit dem Gebetskreuz des Seligen Carl Lampert hatte man eine sinnvolle Vorlage für das Design und das Projekt nahm seinen Lauf. Im Kurzdurchlauf bedeutet das Produktion im Frühjahr 2018 in der Schlosserei Bartl, Segnung beim Fest am See am 26. Mai und Anlieferung per Hubschrauber im September. Von der Produktion konnte sich Valentin bei einem Lokalaugenschein noch selbst ein Bild machen, die Segnung im Mai erlebte er aufgrund seines tragischen Bergunglücks leider nicht mehr.

Carl Lampert und Valentin Alge

Bei der Bergmesse waren sowohl Valentin Alge als auch Carl Lampert aber doch irgendwie dabei. Seine Freunde, Familie und viele Menschen aus seiner Heimatpfarre in Lustenau trugen das Andenken Valentins mit auf die 2261 Höhenmeter. Mit einem Bild und Fürbitten, dem Carl-Lampert-Gebet und vielen guten Gedanken. "Wir stehen hier im Glauben, halten zusammen und geben uns Halt", betonte Pfarrer Tinkhauser in seiner Predigt und wies darauf hin, wie viel Valentin Gipfelkreuze bedeuteten.

Orte zum Stillwerden

So hatte Valentin Anfang des Jahres in einem Interview gemeint: "Neben der ganz banalen Tatsache, dass es einen Zielpunkt darstellt, wenn man unterwegs ist, bedeuten Kreuze am Gipfel für mich immer auch eine Erinnerung an die Vergänglichkeit des Menschen und seine Kleinheit im Weltenrund. Hand in Hand gehen damit Dankbarkeit und Demut, insbesondere für die großartige Schöpfung, die uns geschenkt wurde und für die wir Sorge zu tragen. In Momenten, in denen ich alleine am Berg bin, sind Gipfelkreuze aber auch Orte zum Stillwerden, Betrachten, Dankbarsein“.

Still wurde es an diesem Tag am Kreuzjoch zwar eher weniger, Möglichkeiten zum (stillen) Besuch gibt es aber sicher noch viele. Und dass man zum Wandern nicht einmal unbedingt Schuhe braucht, bewies ein Herr, der den Weg barfuß auf sich nahm - schon seit Jahren, weil ihm die Schuhe weh tun, lächelte seine Frau.