Es ist paradox: Wenig lassen wir noch näher an uns heran, als die Kleidung auf unserer Haut. Und nichts scheint weiter entfernt, als die Orte und die Bedingungen, an und zu denen sie hergestellt wird.

Groß war die Betretenheit nach dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza im pakistanischen Sabhar vor recht genau vier Jahren. 1127 Menschen ließen dabei ihr Leben, viele mehr leiden seither unter den Folgen. Nicht nur Interessenverbände drängen seither darauf, endlich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in diesem Industriezweig zu sorgen. Bislang: vergeblich.

Das zeigt auch die Studie „Zwei Paar Schuhe?“ der Clean Clothes Kampagne, die am 1. März veröffentlicht wurde. 117 ArbeiterInnen in indonesischen Schuhfabriken, die u. a. Marken wie Ara, Ecco und Deichmann beliefern, wurden zu ihren Arbeitsbedingungen befragt. Erzwungene Überstunden, Löhne weit unter dem nationalen Mindestlohn und unzulässig befristete Arbeitsverträge sind nur einige der Kritikpunkte, die die Frauen und Männer äußern. Oft reicht der Lohn trotz Mehrarbeit kaum zum Leben – und diejenigen unter ihnen, die Teile in Heimarbeit fertigen, verfügen meist weder über einen Arbeitsvertrag noch entsprechende Sozialleistungen. Für das Nähen von zehn Paar Schuhen verdienten die befragten HeimarbeiterInnen zwischen rund zwei und drei Euro und damit einen Monatslohn zwischen rund 30 und 70 Euro, erklärt Gertrude Klaffenböck von der Clean Clothes Kampagne.

Ausbeutung jenseits des Existenzminimums

Die in Verhaltenskodizes namhafter Firmen wie Ecco festgelegten Richtlinien zu Lohn, Sozialleistungen und Arbeitsschutz und die Realitäten vor Ort klafften laut der Studie oft weit auseinander: So erhielten ArbeiterInnen in der Fabrik „PT Ecco Indonesia“ zwar ein Mindestgehalt von 308 bis 342 Euro im Monat – ihre Kolleginnen und Kollegen in Zuliefererbetrieben müssten jedoch zu ganz anderen Konditionen arbeiten, weil die Kodizes hier nicht gelten.

Clean Clothes fordert nun einerseits die Unternehmen auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Aber nicht nur sie können etwas für die ArbeiterInnen tun – wir alle sind gefragt: Initiativen wie Greenpeace Austria oder Agrar Koordination haben nach dem Unglück in Sabhar Leitfäden zum verantwortungsvollen Konsum zusammengestellt, die auch heute noch gültig sind.               

Die wichtigsten Ratschläge daraus lauten:

  • Die Lebensdauer der Kleidung durch sorgfältige Pflege verlängern. Einen guten Überblick über die einzelnen Techniken bietet das Putzatelier.
  • Kaufentscheidungen bewusst treffen: Brauche ich dieses neue Teil wirklich?
  • Kleidung aus Biobaumwolle und Fairem Handel bevorzugen – das Angebot in diesem Sektor ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, immer vielfältiger, modischer und dank gesteigerter Nachfrage auch erschwinglicher geworden. Eine gute Übersicht über nachhaltige Labels wie Armed Angels & Co gibt es auf den Seiten fairwear.org. und utopia.de.
  • Kleidung upcyclen: Aus der zerschlissenen Jeans wird eine Shorts, aus dem Männeroberhemd ein neues Top. Erste Ideen gibt es auf dawanda.de.
  • Kleidertauschpartys, Secondhand-Shops z. B. die carla-Shops der Caritas Vorarlberg, lokale Tauschgruppen auf Facebook oder Plattformen wie Kleiderkreisel nutzen – entweder, um anderen die eigene, noch tragbare Kleidung zugänglich zu machen, oder um selbst gut erhaltene Teile zu finden.
  • Hersteller bewusst und deutlich nach den Herstellungsbedingungen ihrer Produkte fragen. Die Clean Clothes Kampagne bietet hierzu eine vorformulierte Anfragekarte zum Download.

Den vollständigen Report der Clean Clothes Kampagne steht ebenfalls als Download zur Verfügung.