Wenn ein Rabbiner neben dem Großscheich aus Ägypten, einer Quäkerin und dem Papst sitzt, ist das schon eine Aussage. Wenn alle diese Vertreter der Weltreligionen und Wissenschaftler gemeinsam einen Appell an den UNO-Klimagipfel richten, auch. So gesehen diese Woche im Vatikan.

Am Montag bot sich im ersten Stock von St. Peter (von wo aus die Päpste normalerweise ihren feierlichen Segen Urbi et Orbi erteilen) - wie sagt man so schön - ein Bild für die Götter. Unter dem Motto „Faith and Science“, „Glaube und Wissenschaft“ tagte ein ungewöhnlicher Mini-Klimagipfel mit Religionsführern fast aller Weltreligionen nebst Wissenschaftlern. Ihr gemeinsames Ziel: weltweite Klimaschutzmaßnahmen umgehend zu intensivieren.

Gemeinsam für einen Klimwandel

Die Entscheider, die im November in Glasgow auf dem „COP-26“ über den Kampf gegen die Folgen des Klimawandels beraten, sollen ihrer Verantwortung für den Planeten und die darauf lebenden Menschen gerecht werden. Oder wie es die TeilnehmerInnen ausdrückten: „Unsere Glaubensüberzeugungen und unsere jeweilige Spiritualität lehren, dass es eine Pflicht zur Sorge für unsere Menschheitsfamilie und die Umwelt gibt. Wir hängen aufs engste voneinander und von der natürlichen Welt ab; und wir sind keine unumschränkten Herren unseres Planeten und seiner Ressourcen. Die vielfältigen Krisen, denen sich die Menschheit ausgesetzt sieht, sind letztlich verbunden mit einer Krise ethischer und spiritueller Werte.“ Dem Minigipfel waren übrigens  monatelanger Beratungen vorausgegangen.

Meine Zeit ist um

Da wurde der Imperativ des Umweltschutzes direkt aus dem Koran abgeleitet, gemahnt und ein führender Kopf der Sikh-Religion sang ein Zitat seines Religionsgründers vor. Bei jeweils nur zwei Minuten Redezeit eine sportliche Angelegenheit. „Meine Zeit ist um – aber die Welt hat gerade noch Zeit genug, um das (mit der Begrenzung der Folgen des Klimawandels) hinzukriegen!“, so der anglikanische Primas Justin Welby. Feierlich unterzeichneten die Anwesenden den Appell und schwiegen dann gemeinsam im Gebet.

Die Forderungen

Wissenschaft und Religionen fordern darin, die Welt möge so schnell wie möglich einen Netto-Kohlendioxid-Ausstoß von Null erreichen. Dies sei notwendig, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Reiche Länder müssten sich dabei vermehrt engagieren - durch striktere Maßnahmen und finanzielle Hilfen für andere Staaten. Gefordert werden weiterhin internationale Kooperation beim Übergang zu sauberer Energie und nachhaltigen Landnutzungspraktiken sowie zu umweltverträglichen Lebensmittelsystemen und verantwortungsvoller Finanzierung. Religionsführer ihrerseits sollten eigene Klimaschutzmaßnahmen verstärken und vor allem entsprechendes Wissen und Engagement unter ihren Gläubigen fördern.

Glaube und Wissenschaft vereint

Der Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, Joachim von Braun, warb für die Allianz von Glauben und Wissenschaft beim Kampf gegen die Erderwärmung. „Die Wissenschaft ist schon seit einiger Zeit im wesentlichen einig, was das Thema Klima betrifft. Der Bereich des Glaubens teilt jetzt diese Einigkeit – das ist historisch. Glaube und Wissenschaft sollten sich gemeinsam engagieren.“

Kurswechsel mit Ansage

Papst Franziskius forderte, „dass sich jeder von uns für andere und für die Umwelt einsetzt“ – ein „Kurswechsel“ sei dringend nötig. „Dieses Engagement muss beständig durch den Antrieb der Liebe angeregt werden… Dies ist einer der großen Beiträge, die unsere Glaubensüberzeugungen und spirituellen Traditionen zu diesem dringend benötigten Kurswechsel leisten können.“

Franziskus rief nach einem „Bund zwischen Mensch und Umwelt“ und einer „Kultur der Sorge für unser gemeinsames Haus und auch für uns selbst“. Apokalyptische Töne ließ er nicht zu; stattdessen sprach er von „Hoffnung, Mut und gutem Willen“ und davon, dass die Menschheit noch nie so viele Mittel gehabt habe wie heute, um den Herausforderungen zu begegnen. (red/kathpress/www.vaticannews.va)

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