„Gehen ist des Menschen beste Medizin", wusste schon der Arzt Hippokrates von Kos (460 v. Chr. – um 370 v. Chr.) Wenn aus "gehen" ein "pilgern" wird, umso besser, schließlich ist Pilgern Wandern mit Mehrwert. Und daran erinnert (nicht nur) der Weltpilgertag am 25. Juli.

Alpines Pilgern, pilgern per Rad oder doch das ganz einfache "pilgern" - Möglichkeiten, mit dem ganzen Körper zu beten, gibt es ja wirklich viele. Noch viel größer ist die Anzahl an Kilometern, die sich in Form von Pilgerwegen durch Österreich ziehen. "Pilgern ist eine uralte Tradition", erklärt P. Anselm Grün in der Sommerkirche-Serie "Lass Dich verzaubern vom Wunder Schöpfung". Schon die Griechen seien zu ihren Heiligtümern gepilgert und die frühen Christen zu den Märtyrergräbern, ins Heilige Land, nach Rom und vor allem nach Santiago de Compostela.

Wer pilgert, versucht ganz im Augenblick zu sein

"Pilgern heißt, dass wir Segen werden können für andere Menschen, aber zuerst müssen wir ausziehen", betont P. Anselm Grün. Ausziehen bedeute dabei dreierlei: aus alten Gewohnheiten und Bindungen ausziehen und alles hinter uns lassen, das "uns klammert". "Wo wir das Gefühl haben wir leben nicht selber, wir werden gelebt. Ausziehen damit wir frei sind." Ausziehen könne und müsse man aber auch aus dem Gefühl der Vergangenheit, plädiert er für ein Pilgern und leben im Augenblick: "Wer pilgert, versucht ganz im Augenblick zu sein." Und drittens sei da noch das Ausziehen aus dem Sichtbaren - hin auf das Unsichtbare. Schon der Dichter Novalis habe gesagt "Wo gehn wir denn hin? Immer nach Hause." Oder um es mit den Worten des Apostel Paulus zu sagen: "Unsere Heimat ist im Himmel".

Pilgern ist wie ein Freigehen

Egal ob Sonne, Regen oder Sturm - beim Pilgern bringe mal all die Anliegen mit an den Wallfahrtsort, denn "Pilgern ist wie ein Freigehen", zitiert P. Anselm Grün den Philosophen und Theologen Søren Kierkegaard: "Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann." Um schließlich bei sich selber, bei Gott und den Wallfahrtsorten anzukommen.

Pilgern ist mehr als Wandern

Nicht alle Menschen pilgerten aus religiöser Motivation, aber: "Das Unterwegssein in der Natur macht offen für spirituelle Erfahrungen", ist sich auch Andrea Reisinger, diözesane Referentin für Pilgern und Pilgerbegleitung, sicher. Immer mehr Menschen würden entdecken, dass Pilgern über bloßes Wandern hinausgehe und heilsam auf die Seele wirke.

Möglichkeiten in und rund um Österreich zu pilgern, gibt es viele. Ein Blick auf www.pilgerwege.at lohnt sich auf jeden Fall.

Hier geht es zu den Jakobswegen in Vorarlberg