Wie schön wäre es, wenn der Weltkindertag nur dazu genutzt werden könnte, Kinder zu feiern? Die Realität sieht leider anders aus: Jedes Jahr am 20. November muss auf Kinderarbeit und Ausbeutung hingewiesen werden. Und auf 150 Millionen Mädchen und Jungen im Alter zwischen 5 und 17 Jahren, die nicht davor geschützt werden.

Eigentlich ist es ja klar festgelegt: Laut Artikel 32 der Konvention dürfen Kinder nicht zu Arbeiten herangezogen werden, die Gefahren mit sich bringen, ihre Gesundheit schädigen, ihre Erziehung behindern und sie in ihrer Entwicklung gefährden. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich unter anderem mit den SDGs (Sustainable Development Goals, Ziel 8) darauf geeinigt, bis zum Jahr 2025 jeglicher Form von missbräuchlicher Kinderarbeit ein Ende zu setzen. Und dennoch gibt es rund 150 Millionen Kinder, die betroffen sind.

Versteckte Kinderarbeit

„Kinderarbeit hat viele Gesichter, die Grenzen zwischen zumutbaren familiären Hilfstätigkeiten und tatsächlich schädlicher Arbeit sind fließend, oft genug tritt sie lokal gut versteckt auf“, sagt Reinhard Heiserer. Die weltweiten Projektpartnern vom Jugend Eine Welt arbeiten oft mit Kindern und Jugendlichen in Risikosituationen und kümmern sich um Opfer von Kinderarbeit. Sie wissen über Probleme in deren Umfeld gut Bescheid. Da fällt es auf, wenn etwa die für eine internationale Modekette produzierende Fabrik guten Gewissens sagt, keine Kinder zu beschäftigen – zugleich jedoch Arbeit an weibliche Heimarbeiter „auslagert“ und Kinder weit über ein kindgerechtes Maß hinaus mithelfen müssen. Heiserer: „Man muss die mitunter große Zahl an Zulieferern – oft Familien, Kleinunternehmer – im Auge haben, um tatsächlich ein Gesamtbild zu erhalten.“

Ausbeutung hat viele Gesichter

Gefahren lauern überall in den „Top 10 Branchen, in denen Kinderarbeit vorkommt“ - also in der Kobalt-Lieferkette, der Landwirtschaft (vor allem Plantagen), Kaffee & Kakao, Minen, Palmöl, Bekleidungs-Lieferkette (vor allem Baumwolle), Haselnuss, Internet & Filmindustrie, Tabak und Thunfisch. Wie alle Konsumenten, die Produkte aus fairem Handel kaufen, sind auch nach ethischen Werten agierende Anleger im Finanzbereich ein wichtiger Baustein für nationale und internationale Maßnahmen zur Bekämpfung ausbeuterischer Kinderarbeit. Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, hat die UNO das Jahr 2021 zum „Internationalen Jahr für die Beseitigung der Kinderarbeit“ ausgerufen. Wichtiger denn je, denn 2020 könnten die Folgen der COVID-19 Krise dafür sorgen, dass positiven Entwicklungen Rückschläge drohen, weil Arbeitslosigkeit und damit wachsende Armut dazu führten, dass Kinder zum Familieneinkommen beitragen müssten.

Der Einfluss der (Privat-)Anleger/innen

Entscheidend sei auch das Agieren der Finanzbranche: Unternehmen samt ihren Zulieferern, die Kinder für sich arbeiten lassen, dürfen nicht vom Geld der Anleger profitieren“, so Heiserer. Ob sie mit ihren privaten Anlagen solche Unternehmen finanzieren, können Privatanleger/innen mithilfe des neuen Jugend-Eine-Welt-Partners Cleanvest prüfen, einer Fonds-Nachhaltigkeits-Vergleichsplattform der Wiener Social Impact Firma ESG Plus.

Cleanvest biete auf seiner Website einen kostenlosen Überblick, ob ein Investment-Fonds bzw. die darin gebündelten verschiedenen Aktien börsennotierter Unternehmen frei von Kinderarbeit sind. Dabei zeige sich: Rund 70 Prozent der analysierten Fonds beinhalteten Kinderarbeit, das entspreche einem Volumen von 427 Milliarden Euro. Bereits knapp 4.000 Fonds und ETFs und die darin „steckenden“ mehr als 15.000 Unternehmen könnten derzeit so einem „ethischen Härtetest“ unterzogen werden. Neben Kinderarbeit gib es noch acht weitere Selektionskriterien wie zum Beispiel Gesundheit & Bildung, grüne Technologien, Frei von Waffen, Frei von Kohle, Frei von Öl & Gas.

Vielleicht ist heute also der Tag, seinen eigenen Beitrag einer kritischen Bilanz zu unterziehen. 150 Millionen Kinder danken es Ihnen.

Quelle: Jugend Eine Welt / red