Es ist irgendwie typisch: Pünktlich zu seinem vierten Jahrestag im Vatikan gibt Papst Franziskus der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT sein erstes Interview. Ruhig und unprätentiös (sogar auf ein Glas Wasser wird verzichtet!) spricht er über seinen Werdegang, seinen Glauben, Entwicklungen der Gegenwart – und die eine oder andere Überraschung…

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„Ich sehe mich nicht als etwas Besonderes“, erklärt er im Gespräch mit Giovanni die Lorenzo, dem Chefredakteur der ZEIT – und man kann sich ziemlich sicher sein, dass er das genauso meint. Er sei ein Mensch – wie jeder andere auch. Er zweifele – an sich selbst und manchmal auch an Gott. Er kenne die „dunklen Momente“ und echte Krisen. Und er stellt klar: „Der Glaube ist nichts, was man sich erwirbt.“ Er sei ein Geschenk – etwas, das einem gegeben werde.

Offenheit in Glaubensfragen

Franziskus fordert von den Gläubigen also die Offenheit und Sensibilität, die auch er allen Dingen entgegenbringt – ohne jedoch Glaubensgrundsätze in den Grundfesten zu erschüttern. Im Interview nach der Rolle der (Ordens-)Frau in der Kirche gefragt verwehrt er sich einerseits gegen die Idee, auch Frauen zum Priester zu weihen – macht sich andererseits aber für eine generelle Aufwertung ihrer Rolle im kirchlichen Gefüge stark. Oder Stichwort Zölibat: Auch, wenn er nichts von dem Konzept eines freiwilligen Zölibat hält, verspricht er doch, die Optionen der „Viri probati“ zu prüfen – also dem Einsatz von verheirateten Männern mit „vorbildlichem Lebenswandel“ als Priester.

Dilemmata statt Lehrsätze

Dieser Beispiele gibt es aus den vergangenen vier Jahren seiner Amtszeit als 266. Bischof von Rom viele, viele mehr – sei es die Bewertung von Homosexualität und Abtreibung, die Stellung von Geschiedenen („Amoris Laetitia“), sei es zu Fragen der Ökumene. Franziskus Stil sei es mehr, „Dilemmata [aufzuzeigen] als Lehrsätze [zu] formulier[en]“, heißt es im Beitrag der katholischen Presseagentur kathpress zum Jahrestag.

„Gesten und Fragen“ seien auch in Zukunft vom gebürtigen Argentinier zu erwarten – etwa, wenn aus den gegenwärtigen Vorbereitungen zur Bischofssynode zum Thema Jugend, Glaube und Berufungsfindung im Herbst 2018 konkrete Ergebnispapiere werden. Es gehe darum, „den richtigen Augenblick zu erkennen, wann der Heilige Geist nach etwas verlangt“, sagte er im ZEIT-Interview. Seine Sinne sind geschärft – unsere auch?