Viele Menschen machen sich Gedanken, manche auch Sorgen um die Zukunft, wissen Isolde Adamek, Brigitta Soraperra und Magdalena Türtscher. Weil es oft nicht leicht ist, sich mit Dingen wie Klimawandel, Konsumverhalten oder Digitalisierung auseinanderzusetzen, ohne in Resignation zu verfallen, hatten die drei die Idee, den Spieß umzudrehen und sich drei Tage lang auf gute Ideen, Begegnungen und Chancen zu konzentrieren – beim ersten „Use what you have“-Festival in Vorarlberg.

„Use what you have“… das dürfen Sie bitte einmal übersetzen!
Isolde Adamek: „Use what you have“ bedeutet: „Nutzen, was schon da ist“ – meint also den bewussten Umgang mit Ressourcen. Ich bin Kindergartenpädagogin und mir ist es sehr wichtig, einen guten Lebensraum für die Kinder mitzugestalten. Anfangs dachte ich dabei hauptsächlich an Umweltschutz, an die Wegwerf - und Einwegkultur, die Müllberge – und das ressourcenschonende „Use what you have“ hat sich nach und nach zu meiner Überzeugung entwickelt. Später merkte ich, dass es nicht nur um bewussten Konsum und Wiederverwertung geht, sondern vor allem darum, die eigenen Bedürfnisse zu spüren – unabhängig von der Werbung und gesellschaftlichen Normen. Das, was im ersten Moment wie Verzicht aussieht, ist nämlich in Wahrheit ein Gewinn: an Freiheit, an Lebensqualität, an Zeit, an Lebendigkeit, an Solidarität. Dabei sind natürlich Fantasie und Kreativität gefordert.

Die drei Initiatorinnen Isolde Adamek, Brigitta Soraperra und Magdalena Türtscher

Ist es Zufall, dass das Thema in Ihrem Team ausschließlich Frauen zusammengeführt hat?
Brigitta Soraperra: Es ist tatsächlich ein Zufall, mit dem wir aber sehr glücklich sind – vor allem, weil wir drei Initiatorinnen auch drei Generationen verkörpern. Zu Beginn waren es Isolde und ich, dann kam Magdalena dazu. Nachdem sie uns ihre überzeugende Grafikidee mit den recycelten Drucksorten für das Festival präsentiert hat, haben wir sie gefragt, ob sie sich vorstellen kann, auch programmatisch mitzuarbeiten. Uns war es wichtig, die jüngere Generation ins Boot zu holen, die gerade kleine Kinder hat und der deren Zukunft ein Anliegen ist. Bei unseren Helferinnen und Helfern und unseren direkten Partnern wie Carla, der Fabrik Klarenbrunn, Bludenz Kultur, Villa K., u.v.m, ohne die ein Vorhaben in dieser Größe übrigens nicht möglich wäre, sind neben weiteren engagierten Frauen aber auch einige Männer aktiv.

Stichwort „dieser Größe“: Wie ist aus diesen Überlegungen ein Festival geworden?
Adamek: Zuerst planten Brigitta und ich einen kleinen Re-Use-Markt mit Möglichkeiten zum Austausch und ein bisschen Musik. Der Zuspruch war sofort enorm: Christian Leidinger von der Fabrik Klarenbrunn und Karoline Mätzler vom Projekt carla der Caritas sagten uns sofort begeistert ihre Unterstützung zu. Und sie waren nicht die Einzigen: Wir lernten junge, engagierte Leute kennen, was in noch mehr Ideen resultierte, und so wurde das Programm immer größer, immer vielfältiger, und Magdalena nannte es dann einfach „Festival“. Wichtig ist uns, dass wir viele verschiedene Menschen erreichen, es soll ein Miteinander werden. Dieses Thema ist sehr, sehr aktuell und es ist eine Freude zu sehen, wie viele bereit sind, sich für ein gutes Leben und nicht nur fürs Konsumieren einsetzen.

Ein Fest für alle, die sich für Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen interessieren also. Wie übersetzt man das in ein Programm?
Magdalena Türtscher: Es werden bunte und abwechslungsreiche Tage für die ganze Familie: Wir starten Freitag mit einem öffentlichen Food Waste Cooking auf dem Remise-Vorplatz, und Querdenker Heini Staudinger gibt einen Eröffnungsimpuls. Am Samstag und Sonntag findet den ganzen Tag über ein großer Up- und Recycling-Markt in und um die Fabrik Klarenbrunn statt. Es gibt Konzerte mit Cari Cari, Pillipp Lingg, dem Duo Kollektiv und vielen anderen, eine Filmvorführung von „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“, Theater im Bus mit der Gruppe Café Fuerte sowie zwei spannende Ausstellungen zum Thema Konsum. Das Repair-Café Bludenz, eine Kleidertauschbörse mit dem Kleiderzirkus, eine Flickstation mit Nadelfin sowie verschiedene Workshops für Kinder und ein „Mitbring“- Frühstück laden alle ein, sich einzubringen.

Was wäre die bestmögliche Wirkung, die dieses Format haben könnte?
Adamek: Für mich wäre es wunderbar, wenn die Leute froh und begeistert nach Hause gehen und spüren, dass jeder und jede Einzelne dazu beitragen kann, die Welt ein bisschen lebenswerter und hoffnungsvoller zu machen.
Türtscher und Soraperra: Dem ist nichts hinzuzufügen!

Mehr zum Festival

Use What You Have Festival
31. Mai bis 2. Juni 2019
Fabrik Klarenbrunn & Remise Bludenz
www.uwyh.at