Vielleicht ist es zynisch, das Ganze „Urlaub“ zu nennen – vielleicht macht dieser Begriff aber auch genau das Spannungsfeld auf, in das sich Mitglieder der Gemeinschaft Sant'Egidio in diesen Tagen begeben: 150 Freiwillige verbringen ihre Auszeit nämlich bei Flüchtlingen auf Lesbos.

Griechenlands Inseln: Türkisblaues Meer, einsame Strände, frischer Fisch und guter Wein... ein Traum jeder corona-geschundenen Seele! Jene 150 Ehrenamtliche aus ganz Europa, die sich im August während eines „Alternativurlaubs“ in verschiedenen Besetzungen bei den Flüchtlingen auf Lesbos aufhalten, dürften allerdings mit großer Sicherheit ganz andere Zustände vorfinden. Auf der griechischen Insel leben aktuell circa 15.900 Migranten – fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Unter ihnen sind auch zahlreiche unbegleitete Minderjährige. Das Leben in den überfüllten Lagern gestalte sich schwierig und werde durch die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zusätzlich erschwert. So sehr, dass der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet seinen Besuch im Lager Moria jüngst aufgrund von Sicherheitsbedenken auf den befestigten Teil beschränkte und von einem Gang durch den „wilden“ Bereich absah, wie die deutsche Wochenzeitung Die Zeit berichtet.

Kleine Erleichterungen

Auch Lebensmittel seien knapp. Die Freiwilligen würden darum zwei „Feldrestaurants der Solidarität“ eröffnen. Sie gäben außerdem Englischkurse und böten Freizeitaktivitäten für die vielen Kinder und Jugendlichen auf der Insel an. Die Anwesenheit im August habe zum Ziel, die Hoffnung der Menschen zu stärken, die vor Krieg und unerträglichen Lebensbedingungen in ihren Heimatländern geflohen seien und nun in einer Art „Zwischenzustand“ ausharren müssten, so Sant'Egidio in einer Aussendung.

Die Gemeinschaft Sant’Egidio hat sich auch in der Vergangenheit mehrfach für Flüchtlinge an den Außengrenzen Europas eingesetzt. So organisiert sie regelmäßig humanitäre Korridore, die Geflüchtete auf sicherem Wege auf den Kontinent bringen. Zuletzt sind Mitte Juli so zehn afghanische Flüchtlinge von Lesbos nach Rom gekommen.

Weitere Informationen im Verlauf des „Alternativurlaubs“ auf Lesbos sind unter www.santegidio.org zu finden.

Quelle: Gemeinschaft Sant'Egidio / red