"Wollen wir Menschen in Not auch in Zukunft schnell, professionell und umfassend betreuen und begleiten, bedarf es menschenwürdiger Wohn- und Arbeitsplätze", erklärt Pfarrer Erich Baldauf einige der Beweggründe, das Kaplan Bonetti-Haus zu generalsanieren bei der Pressekonferenz. Ab dem Frühjahr 2012 geht´s los.

Ein Lokalaugenschein bestätigt das Bild, das Pfarrer Baldauf und Mag. Peter Mayerhofer, Geschäftsführer der Kaplan Bonetti gemeinnützige GmbH, in der Pressekonferenz malen: Ungenügend sanitäre Anlagen, ein äußerst schlechter Bauzustand und eine, in keiner Weise dem heutigen Standard entsprechende Wohn- und Verpflegungssituation machen eine Generalsanierung des Kaplan-Bonetti Hauses unumgänglich.

Schlechter Zustand und keine Privatspäre
Seit über 50 Jahren finden Menschen in verschiedenen Notlagen Unterkunft im Kaplan Bonetti-Haus (ehemals "Haus der jungen Arbeiter) in Dornbirn. Die 48 Zimmer sind als Dreibettzimmer konzipiert, werden aber momentan höchtens als Zweibettzimmer genutzt. Einzelzimmer gibt es keine. Mit den Sanitäranlagen steht es ebenfalls nicht zum Besten: Toiletten sind am Gang, Duschen nur im Keller. Zu der Zeit, als das Gebäude errichtet wurde, also im Jahr 1957, entsprach diese Aufteilung durchaus dem Standard, erläutert der Geschäftsführer der Kaplan Bonetti gemeinnützige GmbH. Um den meist psychisch angeschlagenen Personen die dringend benötigte Rückzugsmöglichkeit zu geben und auch Privatsphäre zu ermöglichen, sind Einzelzimmer mit Nasszellen wichtig, so Mayerhofer.

Weitere Gründe für den Umbau sei die Isolierung: "Wir heizen buchstäblich zum Fenster hinaus", erklärt Mayerhofer.Auch die Bürosituation macht einen Umbau notwendig, schließlich verändere die zunehmende Betreuungsintensität und wachsende administrative Aufgabe die Anforderungen an die Bürogröße.

Arbeitsprojekte
Derzeit sind die Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte auf drei Standorte verteilt, die zudem einen schlechten baulichen Zustand und Standard aufweisen. "Im Moment können wir zum Beispiel keine Aufträge annehmen, die eine etwas größere Lagerkapazität voraussetzen", schildert Helmut Johler, Leiter der Arbeitsprojekte. Dies begrenze den Spielraum natürlich sehr.

Die Veränderungen - Umbau, Sanierung und Neubau
Insgesamt werden 8,8 Millionen Euro in Sanierung, Umbau und Neubau investiert - viel Geld, das zum Teil aus Eigenmitteln (Rücklagen der vergangenen 50 Jahre), aus Zuschüssen der Wohnbauförderung, des Landes Vorarlberg und aus Spenden finanziert wird.

In der Schlachthausstraße entsteht ein Büro- und Werkstattgebäude, welches der Vorarlberger Architekt Gottfried Partl geplant hat. Das zweigeschossige Gebäude umfasst 1.900m² für Werkstätten, davon 740 m² als Lagerfläche. Weitere 650 m² Bürofläche im Obergeschoss des Neubaus wollen die Kaplan Bonetti Sozialwerke an andere Sozialeinrichtungen vermieten. Das Kaplan Bonetti- Haus wird neu gestaltet und würdigt durch den Erhalt des Hauptgebäudes auch die historische Bausubstanz. Die bestehende Kapelle wird durch den Abriss des Nebentraktes freigespielt und es entsteht ein Vorplatz, der die Bewohner auch gesellschaftlich besser integrieren soll.

Der Ablauf - Neubau, Umbau, Abriss
Insgesamt werde man in der Kapazität nicht größer, aber "die Austattung wird den heutigen Standards entsprechen", freut sich Peter Mayerhofer über die Umgestaltung. Der Baustart ist für das Frühjahr 2012 angesetzt. Dann soll zunächst der Zubau entstehen, in den dann ein Teil der Bewohner umsiedeln kann. Danach wird das Hauptgebäude generalsaniert und der alte Anbau abgerissen. In zweieinhalb Jahren wird mit der Fertigstellung gerechnet.

Große finanzielle Herausforderung um zu Überleben
Natürlich stelle das Bauvorhaben eine große finanzielle Herausforderung dar, so Pfarrer Erich Baldauf. 4,8 Millionen Euro der Investitionssumme entfallen auf den Umbau und die Sanierung des Kaplan Bonetti-Hauses, weitere vier Millionen Euro sind für den Neubau notwendig. Die Beteiligten sind sich dennoch sicher: "Die geplanten Bauvorhaben sind eine Überlebensfrage für das Hilfsangebot der Kaplan Bonetti Wohn- und Arbeitsprojekte."