Erwartungen an die Amazonas-Synode, Diskussionen über verheiratete Priester, ein Film über den Nazi Märtyrer Otto Neuruer und ein Interview mit Michael Köhlmeier sowie Konrad Paul Liessmann zum Thema "Eliten": Das sind die spannenden Thema der nächsten TV-Sendung Orientierung.

Am kommenden Sonntag (6. Oktober) wird im Vatikan eine Synode eröffnet, die sich ganz dem Thema „Amazonien“ widmen wird. Der Titel der Kirchenversammlung lautet: „Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“. Bischöfe aus den betroffenen Gebieten, Experten und auch Kirchenvertreter aus aller Welt - so etwa Kardinal Christoph Schönborn und der emeritierte austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler - sollen drei Wochen lang darüber beraten, wie dieses Gebiet rund um die so genannte „Lunge der Welt“ geschützt werden kann. Doch nicht nur Umweltschutz und die Rechte der indigenen Bevölkerung stehen auf dem Programm der Synode. Auch über die Frage, ob sogenannte „viri probati“ - also verheiratete, in Glaubensfragen erfahrene Männer - zu Priestern geweiht werden können, um dem Priestermangel im Amazonas-Gebiet entgegenzuwirken, soll diskutiert werden. 

Bericht: Katharina Wagner, Länge: 5 Minuten
Im „Orientierung“-Live-Schaltgespräch über Erwartungen an die dreiwöchige Amazonien-Synode: ORF-Vatikan-Korrespondentin Mathilde Schwabeneder 

Verheiratete Priester erlaubt? Diskussionen über neue Regelungen

Es ist meist der Priestermangel in Teilen Lateinamerikas, der Diskussionen über das römisch-katholische Priesteramt befördert - und auch bei der bevorstehenden Amazonien-Synode für Gesprächsstoff sorgen wird. Die Frage „Wie kann auch in entlegenen Regionen mehr oder weniger regelmäßig eine Messe gefeiert werden?“ führt dann zum Austausch von Argumenten für und wider die verpflichtende Ehelosigkeit für katholische Priester, den Zölibat. Dieser Zölibat, darauf verweisen Theologen, stehe ja nicht im Rang eines Dogmas - also einer verbindlichen Glaubenswahrheit - sondern sei eine Regelung, die von der katholischen Kirche für ihre Kleriker getroffen worden sei. Und diese Regelung kann jederzeit geändert werden, sagt der Kirchenhistoriker Thomas Prügl. Was da möglich wäre, würde auch der Blick auf schon vorhandene Möglichkeiten zeigen: Verheiratete Priester der griechisch-katholischen Kirche - einer mit der römisch-katholischen Kirche unierten Kirche - sind z.B. im Auftrag der Erzdiözese Wien im Einsatz, ebenso katholische Priester, die als verheiratete Pfarrer von der evangelischen zur katholischen Kirche gewechselt sind. Und über „viri probati“ - also „bewährte Männer“ im Stand der Ehe, die als geweihte Diakone im Einsatz sind - wird schon seit geraumer Zeit immer wieder gesprochen. Auch ihnen, so regen es Reformer an, möge man den Weg zur Priesterweihe ebnen.

Bericht: Carola Timmel, Länge: 2 Minuten

Gegen das Vergessen: Film über Nazi-Märtyrer Otto Neururer

In Innsbruck hat am Freitag, 4. Oktober, ein ungewöhnlicher Film Premiere. Er beschäftigt sich mit einem Tiroler Priester, der im KZ Buchenwald ermordet und 1996 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde: „Otto Neururer - Hoffnungsvolle Finsternis“ entstand unter der Regie des Innsbrucker Regisseurs und Produzenten Otto Weiskopf, hat bei mehreren Festivals bereits Preise eingeheimst und wurde auch schon im Vatikan vorgeführt. Er handelt von einem alternden Schauspieler, einer jugendlichen Straftäterin und einem an Parkinson erkrankten Priester (dargestellt von dem als „Bulle von Tölz“ bekannten Schauspieler Ottfried Fischer), die sich gemeinsam auf den Spuren Otto Neururers zu einer Lebensreise aufmachen. Historisches Unrecht könne man nicht beseitigen, aber bewusst machen, sagte Alt-Landeshauptmann Herwig van Staa im Vorfeld. Gemeinsam mit dem katholischen Bischof Hermann Glettler, Alt-Superintendentin Luise Müller, und dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Günter Lieder, hat van Staa die Schirmherrschaft übernommen. „Hoffnungsvolle Finsternis“ ist als Film gegen das Vergessen gedacht.

Bericht: Christian Rathner, Länge: 7 Minuten

Werte der Wenigen: Philosophicum Lech über Eliten und Demokratie

Über „Die Werte der Wenigen“, über „Eliten und Demokratie“ wurde anlässlich des 23. „Philosophicum Lech“ diskutiert, das vor wenigen Tagen zu Ende gegangen ist. Wohl nicht ganz zufällig hatte der wissenschaftliche Leiter des Philosophicums, Konrad Paul Liessmann, dieses Thema auf die diesjährige Tagesordnung gesetzt: Ein gewisses Unbehagen gegenüber selbstgerecht und abgehoben agierenden „geschlossenen Gesellschaften innerhalb der offenen Gesellschaft“ wird seit längerem von Kulturwissenschaftern, Soziologen und Philosophen artikuliert - mache meinen sogar eine Erosion der parlamentarischen Demokratie wahrzunehmen. Doch wer sind die so genannten wirtschaftlichen und politischen Eliten, und woher kommt der Begriff „Elite“ überhaupt? Die „Orientierung“ hat darüber mit dem Elitenforscher Michael Hartmann, dem wissenschaftlichen Leiter des Philosophicums, Konrad Paul Liessmann, dem Autor Michael Köhlmeier sowie der Philosophin Isolde Charim und der Schriftstellerin Julya Rabinowich gesprochen.

Bericht: Klaus Ther, Länge: 7 Minuten

Sendetermine

  • 6. Oktober, 12.30 Uhr, ORF 2  
  • 7. Oktober, 9.30 Uhr, ORF III
  • 12. Oktober, 11.30 Uhr, ARD ALPHA
  • tvthek.orf.at