Der Used-Look ist bei Jeans schon seit Jahren Mode, die Nachfrage dementsprechend groß. Was nötig ist, um diesen "abgenutzen Effekt" zu erzielen, ist den meisten KonsumentInnen allerdings nicht bewusst: das gesundheitsgefährdende Sandstrahlen, bei dem Jeans mit Sand bestrahlt werden und das bei den ArbeiterInnen früher oder später vor allem zu einem führt: der Staublunge und dem Tod.

Immer wieder kommt das Thema Sandstrahlen von Jeans in die Medien. Immer wieder wird es verboten und immer wieder kommen trotzdem Schicksale an die Öffentlichkeit, die belegen, wie schädlich diese Methode ist. Leidtragende sind jedoch nicht die Unternehmen, die die Jeans in Auftrag geben, sondern die ArbeiterInnen, die ohne Schutzmaßnahmen sandstrahlen und dies oft mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Weniger, aber immer noch zu viel
Die gute Nachricht vorweg: in den Jahren von 2009 bis 2012 wurde weniger sandgestrahlt. Die schlechte: die Sandstrahltechnik ist trotz Verbote von Markenfirmen noch immer sehr verbreitet.  Das hat die neuste Recherche der Clean Clothes Kampagne, War on Want, SACOM (Student and Scholars Against Corporate Misbehaviour, Hongkong) und IHLO (Hong Kong Liaison Office of the international trade union movement) ergeben.

China
Untersucht wurden sechs Fabriken in China, wobei zwei Fabriken zu den ganz grossen chinesischen Kleiderfabrikanten mit insgesamt mehreren tausend Angestellten gehören. Die untersuchten Fabriken produzieren u.a. für bekannte Marken wie Lee, Levis, H&M, Hollister, Old Navy, Wrangler, Jack&Jones, Only, Vero Moda, Amercian Eagle etc.

Tödliche Staublunge - Silikose
Sandstrahlen ist ein Verfahren, das stark gesundheitsgefährdend für die ArbeiterInnen ist und mitunter zum Erstickungstod führt. Jeans werden dabei mit Sand bearbeitet, vergleichbar mit einem Gartenschlauch, aus dem mit hohem Druck Quarzsand strömt. Der Staub, den die ArbeiterInnen bei dem Verfahren einatmen, setzt sich in ihren Lungen fest, was meist zur unheilbaren und in vielen Fällen tödlichen Lungenkrankheit Silikose führt – eine Krankheit, an der auch Bergwerkarbeiter leiden. Ein für den Bericht befragter Arbeiter beschreibt seine Arbeit so: „Unsere Abteilung ist voller Jeans und schwarzem Staub. Die Temperatur in der Fabrikshalle ist hoch. Es ist schwer zu atmen. Ich habe das Gefühl, als würde ich in einem Kohlenbergwerk arbeiten.“  

Keine Informationen an die ArbeiterInnen
Die Recherche zeigt auch, dass der Schritt weg von der Sandstrahltechnik nicht unbedingt bessere Arbeitsbedingungen bedeutet. Alternativtechniken, z.B. die Verwendung von chemischen Sprays um den „used-look“ zu erreichen, sind eine massive Gesundheitsgefährdung für die ArbeiterInnen, insbesondere, weil sie dabei kaum Schutzkleidung tragen. Auch in der Türkei ereilt die Bevölkerung ähnliche Schicksale. Der 38jährige  Mehmet Bekirbasak hustet nach seiner langjährigen Arbeit mit dem Sandstrahler Blut und kann nur leise sprechen. Diagnose: schwere Silikose. "Ich weiß, dass es schlimm um mich steht. Und ich weiß nicht, wie lange ich noch lebe. Die Fabrikleute hätten uns wenigstens auf die Gefahren hinweisen sollen - ich hätte mir doch die Schutzausrüstung selber besorgt. Aber denen ging es nur ums Geld. Die sagten immer: Arbeitet, dann passiert euch nichts."

Wie in einer Wüste während eines Sandsturms
„In der Fabrik sieht es aus wie in einer Wüste während eines Sandsturms“, beschreibt einer der interviewten ArbeiterInnen in China die Situation. Er und seine KollegInnen leiden an Atemproblemen und chronischem Husten und werden gezwungen, bis zu 12 Stunden in den veralteten, staubigen Fabriken auszuharren. Es sei oft unmöglich von den Auftraggebern geforderte Designvorgaben mit andern Techniken als mit Sandstrahlen zu erfüllen, meinte ein Fabrikmanager. In manchen Fabriken wird der Sandstrahlprozess auf die Nacht verlegt, weil da kaum Inspektionen durchgeführt werden. „Es ist schockierend, dass Unternehmen das Sandstrahlen verbieten, um ihren Ruf zu retten, gleichzeitig aber weiterhin die Arbeiterinnen und Arbeiter einer tödlichen Gefahr aussetzen!“ kritisiert Philip Doyle von der österreichischen Clean Clothes Kampagne.

Verbote nützen nichts
Erst 2009 wurde in der Türkei ein nationales Verbot für Sandstrahlen in der Bekleidungsindustrie als Antwort auf das gewachsene Bewusstsein für Todesfälle und Krankheiten unter jungen ArbeiterInnen in Jeansfabriken ausgesprochen. 2010 wurden weltweit Aktionen gegen den Einsatz von Sandstrahlen initiiert, in deren Folge sich über 40 bedeutende Jeansmarken für ein Verbot aussprachen. Nur zwei Jahre später enthüllt die Clean Clothes Kampagne die immer noch bestehende Verbreitung von Sandstrahlen in der Jeansproduktion in Bangladesch und die erschreckend schlechten Gesundheits- und Sicherheitsstandards. 

Zum Weiterlesen:
Weitere Berichte und Informationen zum Sandstrahlen finden Sie hier
Hintergrundinformationen zum Thema Sandstrahlen
Recherche Bericht "Tödliche Jeans"

Und die Alternative?
Für Menschen, die sich für faire Kleidung interessieren, lohnt sich vielleicht ein Blick auf die Homepage von www.fairtradekleidung.org

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