Na, freuen Sie sich schon auf Montag – den Tag der Arbeit, an dem (fast) niemand arbeiten muss? Es gibt Menschen, für die ist jeder Tag frei – und wären jederzeit bereit zu tauschen. An sie erinnert der Tag der Arbeitslosigkeit am 30. April.

Ob Burnout überhaupt eine „echte“ Krankheit ist und nicht doch eher eine stinknormale Belastungs- bzw. Erschöpfungsreaktion, darüber streiten Ärzte und Psychologen seit langem. Was nichts daran ändert, dass die Modediagnose gern als eine Art Trophäe vor sich hergetragen wird, Parole: Ich habe so krass viel geleistet, dass nicht einmal mein Körper mithalten konnte. Ja, wow!

Doppelt stigmatisiert

Dass die echten Probleme ganz woanders liegen – davor kneift die Leistungsgesellschaft allerdings lieber die Augen zu. Dabei ist der Zusammenhang von zu wenig oder gar keiner Arbeit und Depressionsraten hinlänglich bekannt. Klingt bloß nicht halb so schick. Und die Betroffenen sind doppelt und dreifach stigmatisiert: Zum „Makel“ Arbeitslosigkeit („Faule Sozialschmarotzer!“) kommt der Makel „Depression“ („Schwächling!“) und keins von beidem taugt zur heroischen Kampfnarbe.

Alles nicht neu? Nein. Aber wichtig. Weshalb sich gerade im ganzen Land konfessionelle Initiativen auf den Tag vor dem Tag der Arbeit am 1. Mai vorbereiten, der für sie traditionell der Tag der Arbeitslosigkeit ist.

Tendenz: sinkend auf hohem Niveau

Rund 430.000 Menschen sind Österreich gerade auf Jobsuche. Rechnet man jene 76.686 Männer und Frauen heraus, die Schulungen oder andere Fördermaßnahmen absolvieren, kommt man auf eine nationale Arbeitslosenquote von 8,9 Prozent für März 2017. Der Trend gehe in die richtige Richtung, also nach unten – trotzdem sind sich Konjunkturforscher einig, dass sich am historisch vergleichsweisen hohen Prozentsatz in näherer Zukunft nichts ändern wird.
Oder anders formuliert: Es wird Zeit, endlich richtig hinzusehen – und etwas zu tun.

Hilfe zur Selbsthilfe

Vor allem für die „Risikogruppen“ Alleinerziehende, Menschen mit geringer oder gar keiner Ausbildung, Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, Ältere, Flüchtlinge. An sie richtet sich ein Großteil der Initiativen, zum Beispiel seitens der Caritas: Langzeitsarbeitslose, die in den carla-Shops mit anpacken, Jugendliche, die durch die Startbahn-Projekte wieder auf die Spur kommen, Flüchtlinge, die durch die Nachbarschaftshilfe oder die Initiative start2work sinnvolle Beschäftigung finden und Kontakte zu Einheimischen knüpfen.

In vielen größeren Städten im Land rund um den 30. April Aktionen geplant, so in Wien, Graz oder in der Diözese Innsbruck. In Vorarlberg startet die Caritas am 2. Mai mit dem Orange Day in eine Woche der indirekten Unterstützungsaktion für Arbeitslose, denn mit jedem gespendeten Kleidungsstück oder Gebrauchsgegenstand wird nicht nur die Umwelt geschont, sondern obendrein Arbeitsplätze geschaffen. Die AK Vorarlberg als Interessenvertretung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (und damit auch denen, die einmal Arbeit hatten und gerne wieder welche hätten) eröffnet am 28. April ihre neue Zweigstelle in Dornbirn und feiert damit schon ein bisschen vor.