Hoch oberhalb der Alpenstadt Bludenz eröffnete die Katholische Kirche Vorarlberg am Mittwochabend die "Sommerkirche 2020". Da durch die Corona-Krise der Sommer heuer anders wird, setzt die Kirche der Absagewelle und der Unsicherheit sozusagen ein "leichtes Sommersegel" für die kommenden Monate entgegen: Die Sommerkirche ermöglicht auf unkomplizierte Weise Dialog und Begegnung, z. B. bei einer Feldmesse, bei Bibelgesprächen in Pfarrers Garten, auf Besinnungs- und Pilgerwegen oder bei Sommer-Treffs.

Dietmar Steinmair

Petrus hatte es zwar nicht gut gemeint mit der Auftaktveranstaltung auf 1.400 Metern am Berggasthof Muttersberg am Vorabend von Fronleichnam. Anstelle eines Abendgebetes bei Sonnenuntergang auf der Terrasse fanden sich die rund 100 Gäste bei strömendem Regen im Inneren des großen Gasthauses ein, um gemeinsam in den Kirchen-Sommer zu starten. Dennoch, der feierliche Wortgottesdienst war intensiv, stimmungsvoll und getragen von guter Laune. "Freuen wir uns, wenn es regnet! Denn wenn wir uns nicht freuen, regnet es auch", zitierte Generalvikar Hubert Lenz den Komiker Karl Valentin. In diesem Sinne könne er an diesem Abend die Sommerkirche auf jeden Fall "bei schönem Wetter" eröffnen.

Das Interesse Gottes am Menschen

Die Schriftlesung aus dem Buch Exodus erzählte, wie Mose Gott im brennenden Dornbusch begegnet. Den Gottesnamen "Ich bin der ich bin da" übersetzte Generalvikar Lenz mit "Ich bin der mit euch unterwegs ist, der mit euch und zwischen euch ist". Dieses "Zwischen-Sein" heiße auf lateinische "inter-esse". Gott sei also ein Gott, der Interesse am Menschen habe - und mit ihm geht.

Und noch einen Gedanken gab der Generalvikar den Teilnehmer/innen mit:  "Die Erde ist randvoll mit Himmel". Wenn man nur aufmerksam durch die Welt und die Natur gehe, gebe es so viel Wunderbares und Staunenswertes. Sei es beim Gehen auf einem Bibelweg oder beim - lauten oder leisen - Anstimmen eines "Großer Gott" am Berg oben.

Die Sommerkirche will vor allem eines: Die Pfarren im Land ermutigen, nach diesen schwierigen Monaten mit kaum Gottesdiensten wieder freudvolle Momente zu erleben. Vertreter/innen der Pfarren Bludenz Heilig Kreuz und Herz Mariä, Bürs, Bings und der Filialkirche Lorüns brachten Sorgen über Einsamkeit, Ängste, Nöte, Auswirkungen von Corona oder auch den Priestermangel zum Ausdruck und verbrannten diese Sorgen symbolisch in einer kleinen Feuerschale. Die Repräsentent/innen der Pfarrgemeinden der "Katholischen Kirche im Lebensraum Bludenz" dankten gleichzeitig - mit Hilfe von Symbolen - für die nun wieder möglichen gemeinsamen Gottesdienste, erzählten von den Hoffnungen, die sie etwa mit neuen Initiativen der Kinder- und Familienkirche verknüpfen, und baten Gott abschließend darum, den Situationen entsprechend richtig Sehende, Hörende, Liebende, Glaubende und Hoffende zu sein.

"Ein Stück offenen Himmel erleben"

Die Angebote der Sommerkirche sind sehr unterschiedlich, bunt und umfassen Bewegung in der Natur, Erholung, Gebet, Besinnung sowie Kontakt mit Menschen. Immer wird es möglich sein, sich an dem Gedanken von Ignatius von Loyola zu orientieren: "Gott in allen Dingen suchen und finden".

Pastoralamtsleiter Martin Fenkart sagte vor Kurzem über die Sommerkirche: "Viele Menschen können eine unvergessliche Sommergeschichte aus ihrem Leben erzählen, etwa von einem abenteuerlichen Urlaubstag oder einem Gänsehautmoment beim Sonnenuntergang. Die Sommerkirche will Stoff für unvergessliche Geschichten liefern. Sie bietet diesen Sommer einige Möglichkeiten, ein Stück offenen Himmel in Vorarlberg erleben zu können."

Alles zur Sommerkirche der Katholischen Kirche Vorarlberg und die vielen Initiativen (auch) in den Pfarren finden Sie unter sommerkirche.at