Eigentlich wollte das der Vorarlberger Komponist Herbert Willi ja nie - dass seine Musik mit Bildern unterlegt wird oder auch umgekehrt. Für ein gemeinsames Projekt mit der deutschen Videokünstlerin Anette Philp hat er es trotzdem gewagt. Zum Glück. Denn so kommt man in den Hör- und-Seh-Genuss von "...geraume Zeit..." in der Feldkircher Johanniterkirche.

Musik kann man hören und sehen. Zumindest, wenn man noch bis zum Sonntag der Felkircher Johanniterkirche einen Besuch abstattet. Dort wird man nämlich ZeugIn einer buchstäblichen Premiere: Der vorarlberger Komponist Herbert Willi und die deutsche Künstlerin Anette Philp erschufen gemeinsam nämlich ein rund 20-minütiges Bild und Ton-Kunstwerk, das alles hat, um sein Publikum zu beeindrucken.

Musik und Bild, warum denn nicht

Dabei hat sich Herbert Willi bislang immer dagegen verwehrt, seine Musik mit bewegten Bildern zu kombinieren. Er sei der Meinung gewesen, so Willi bei der Präsentation des Films, dass Musik dann immer nur „Hintergrundmusik“ sein könne. Davon war er überzeugt. Bis er auf deutsche Videokünstlerin Anette Philp traf. Da wurde es klar und immer klarer, dass Musik und Bild es durchaus miteinander versuchen können. Gesagt. Getan.

Zu hören ist nun Herbert Willis „…geraume Zeit…“. Es ist der zweite Teil seines „Montafon“-Zyklus. Zu sehen ist ein Gletscher, Eis, darunter hervorscheinende Steine. Dann wechselt der Blick. Raffinerien, Tanks, Container, Flammen treten in den Vordergrund. Dann – wieder ein Wechsel – und man findet sich quasi beim Endverbraucher der gewonnen Energie in einer hübschen, kleinen Vorstadtsiedlung. Und schließlich tritt da der große, mächtige Kühlturm eines Atomkraftwerks ins Bild. Eines sei verraten. Zum großen Finale, bildlich wie auch akustisch, stürzt eben dieser Kühlturm beeindruckend in Staub und Asche zusammen.

Der Gesang des ewigen Eises

Gleichzeitig dringen da, wie aus der Ferne des ewigen Eises leise Flötentöne ans Ohr, sie werden mehr, sie verschlingen sich ineinander. Die Oboe kommt dazu. Dann setzt das Orchester ein und vor dem inneren – und in diesem Fall auch dem tatsächlich sehenden Auge – erheben sich imposante Landschaften und man sieht, die Zusammenarbeit von Willi und Philp war das Wagnis definitiv wert.

Der Reiz des Dazwischens

Nun ist ja Herbert Willi kein Freund davon, die ZuhörerInnen schon von vornherein mit Kommentaren und Analysen seiner Musik zu belasten. Musik müsse nicht „verstanden“ werden, sagte er einmal. In Feldkirch schicken er und Anette Philp deshalb nur einen kleinen Hinweis mit auf die Reise durch ihre Landschaften. Es gehe um die Zwischenräume. Etwas Altes geht zu Ende und etwas Neues kann beginnen. Das Wasser des schmelzenden Gletschers mag einmal ein Fluss werden, die Stimmen der Musik öffnen neue Räume. Und auch die Johanniterkirche selbst ist ja ein Ort der den Übergang geradezu sinnbildlich erleben lässt. Die Mauern sind offen, der Boden klafft. Das Alte is tnicht mehr. Das Neue noch nicht da. Es ist der Zauber des Dazwischen-Seins, der hier sichtbar wird und der fasziniert, wenn es gelingt, einen kurzen Blick auf ihn zu erhaschen. So, wie in der Feldkircher Johanniterkirche.

 

Termine

„…geraume Zeit…“, eine Musik-Video-Installation von Herbert Willi und Anette Phip ist noch bis zum 23. August in der Feldkircher Johanniterkirche zu sehen. Sa 10—12 Uhr und 15—21 Uhr, So 15—21 Uhr, jeweils zur vollen Stunde. www.johanniterkirche.at