Nur mehr wenige Tage, dann ist es soweit: Drei spannungsgeladene Wochen sind vorbei und der Fußball-Europameister wird gekürt. "Creating History Together" lautet der Slogan der Europameisterschaft, die seit 1960 alle vier Jahre ausgetragen wird. Ganz nebenbei hat dieses mediale Großereignis für den ein oder anderen aber auch einen negativen Beigeschmack. Denn der Hauptsponsor Adidas investiert zwar rund 24 Millionen in die EM, verweigert aber seinen indonesischen ArbeiterInnen Abfindungszahlungen. Und dabei ginge es "nur" um 1,4 Millionen.

Bereits zu Beginn der Fußball-EM zeigte die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign) Adidas öffentlich die rote Karte. Und das wortwörtlich. Christine Esterbauer von der Clean Clothes Kampagne stellte sich nämlich im Schiedsrichter-Outfit vor einen adidas-Store in der Wiener Innenstadt und wies mit roter Karte und Trillerpfeife auf die Missstände in der Zulieferkette des Unternehmens hin. Unterstützt wurde sie dabei von zahlreichen NGOs, die das genau so sehen.

Kein "Fair Play"
"Adidas steckt viele Millionen Euro in sportliche Großereignisse wie die EM und lässt die Arbeiterinnen und Arbeiter den Preis für die Gewinne zahlen – das ist alles andere als „Fair Play“!“ kritisiert Christine Esterbauer. Was sie damit meint? Bis 2010 ließ Adidas in dem indonesischen Zulieferbetrieb PT Kizone produzieren. Nach Schließung des Werks 2011, wurden die 2,800 ArbeiterInnen ohne die gesetzlich vorgeschriebene Abfertigung gekündigt. Adidas weigert sich trotz Rekordgewinnen, die ausstehende Summe von 1,4 Mio. Euro zu zahlen.

Adidas verweigert
Jahrelang hatte Adidas bei dem indonesischen Zulieferbetrieb Sportartikel herstellen lassen und beschäftigte ArbeiterInnen für einen Stundenlohn von umgerechnet ca. 50 Cent. Als PT Kizone im April 2011 geschlossen wurde, verloren 2.800 ArbeiterInnen ihren Job. Im Juli 2011 wurde von Nike und anderen kleineren Unternehmen, die bei PT Kizone produzieren lassen hatten, ein Fond für die Abfindungszahlungen in der Höhe von ca. 1,3 Millionen Euro eingerichtet, also knapp die Hälfte der ausständigen Summe. Adidas hingegen verweigert die andere Hälfte beizusteuern.

Adidas soll unsere Rechte respektieren
Für die ehemaligen ArbeiterInnen bedeutet das vor allem eines: Schulden.„Ich hoffe wirklich, dass ich bald Geld bekomme, damit ich meinen Sohn zur Schule schicken kann. Wenn er nicht weiter zur Schule geht, wird es ihm nicht möglich sein, genügend Geld zum Leben zu verdienen. Wenn er seine Schule abschließt, fällt es ihm leichter einen Job zu bekommt. Ich werde älter und bald kann ich ihn nicht mehr unterstützen. Wenn du einmal über 45 bist, ist es schwer eine Arbeit zu finden, sogar wenn du qualifiziert bist. Ich bin jetzt 42, mir bleiben nur noch drei Jahre bis dahin“, schildert eine ehemalige PT Kizone-Arbeiterin die dramatische Situation.

„Wir müssen uns neue Jobs suchen und in der Zwischenzeit geht uns das Geld für die Miete aus. Drei Mahlzeiten am Tag und die Schulgebühren für unsere Kinder können wir uns nicht mehr leisten. Wir haben Schulden, bei unseren Verwandten, Nachbarn und Geldverleihern. Adidas soll unsere Rechte respektieren und uns zahlen, was uns zusteht!“ fordert ein indonesischer Arbeiter, der bei PT Kizone angestellt war.

Nicht verantwortlich
Laut der Clean Clothes Campaign behauptet Adidas diesen ArbeiterInnen gegenüber nicht verantwortlich zu sein, da das letzte Produkt im November 2010 - also vor der Schließung der Fabrik - von Adidas abgenommen wurde. Aber das Recht auf Abfindungszahlung wird über den gesamten Beschäftigungszeitraum erworben. Deshalb steht es den ArbeiterInnen zu, dieses Geld zu erhalten, da sie jahrelang auch für Adidas produziert haben. Weiters erklärt das Unternehmen, dass es für Gesetzesverstöße seiner Zulieferer keine Verantwortung trage. Adidas sei aber dafür verantwortlilch "sicherzustellen, dass alle lokalen Gesetze, internationalen Übereinkünfte und ihr eigener Unternehmenskodex eingehalten werden", so Clean Clothes.

Die Clean Clothes Kampagne hat unter www.cleanclothes.at eine Online-Petition an Adidas gestartet, um der Forderung nach „Fair Play“ Nachdruck zu verleihen. „Es ist höchste Zeit, dass nicht nur diejenigen honoriert werden, die adidas-Produkte tragen, sondern auch diejenigen, die sie herstellen!“ schließt Esterbauer.

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Den kompletten Bericht zu den Vorfällen bei PT Kizone (auf englisch) finden Sie hier