"Konkrete Solidarität" fordert Papst Franziskus von Europa mit Blick auf die 49 geretteten Migranten, die seit über 15 Tagen auf Rettungsschiffen im Mittelmeer darauf, endlich an Land gehen zu dürfen. "Es ist die europäische Grenze, an der die Leute sterben - da kann sich niemand verstecken", betonte auch Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer.

Von "schneller Hilfe" kann nach über 15 Tagen auf See - beziehungsweise auf dem Mittelmeer - wohl nicht mehr die Rede sein. Dennoch wird den 49 MigrantInnen nach wie vor der sichere Hafen verwehrt - von Malta ebenso wie von Italien. Das Land ist zum Greifen nah“, so der Sprecher der Organisation Sea-Watch, Ruben Neugebauer, am Wochenende. Die Schiffe von Sea-Watch und Sea-Eye harren vor der maltesischen Küste aus, anlegen dürfen sie dort aber nicht.

Konkrete Solidarität

"Eindringlich appelliere ich an die Regierenden in Europa, konkrete Solidarität gegenüber diesen Menschen zu zeigen", sagte der Papst am Sonntag nach dem traditionellen Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Bei seinem Aufruf zur Solidarität bezog sich der Papst auf das Dreikönigsfest und führte dabei Herodes und die Schriftgelehrten als negatives Beispiel an. "Sie sind stellvertretend für viele, die auch heute Angst vor dem Kommen Jesu haben und ihr Herz gegenüber hilfsbedürftigen Brüdern und Schwestern verschließen", so Franziskus.

Retraumatisierend

"Die große Ungewissheit zehrt an den Nerven", sagte Neugebauer. Der Sprecher betonte, die Menschen kämen aus libyschen Folterlagern. Dass sie sich wegen des schlechten Wetters in den engen Kabinen unter Deck aufhalten müssen, wirke für manche "retraumatisierend". Besorgt äußerte sich Neugebauer auch über die Wirkung des wochenlangen politischen Tauziehens auf weitere Seenotrettungen. Wenn auch Handelsschiffe damit rechnen müssten, nach einer Rettung von Schiffbrüchigen auf See festzusitzen, könne es geschehen, dass sie aufgrund des zu befürchtenden wirtschaftlichen Ausfalls bewusst von Notsituationen wegschauten, sagte der Sea-Watch-Sprecher. (red/kathpress)