Zwei Frauen und zwei Männer erhalten heuer den „Alternativen Nobelpreis“ für ihren Einsatz für Menschenrechte, Journalismus, Inklusion und Umwelt. Vier, die zeigen, wie man im Kleinen Großes schafft.

Foto: Yetnebersh Nigussie Molla vom Ethiopian Center for Disability and Development spricht 2008  beim 20-Jahr-Jubiläum von Licht für die Welt in Wien

Die liberalen Timelines und Filterblasen quellen fast über – vor Solidarisierungsbekundungen zu Werten wie Demokratie und Menschlichkeit, Statements gegen Feindseligkeit und Verachtung. Nach dem unerwartet guten Abschneiden der europafeindlichen und rechtsgerichteten „Alternative für Deutschland“ bei den dortigen Bundestagswahlen tut das gut – und schmeckt zugleich ein bisschen schal. Was ist schon so ein Facebook-Posting gegen den realen Hass da draußen? Bestätigt sich der friedliebende „Gutmenschen“-Zirkel damit nicht nur wieder selbst – und tut genau das, wofür einen „die Anderen“ zum Teil sehr lebendig vor die Füße spucken?

„Etwas“ tun

Natürlich: Es geht uns immer noch gut – nicht nur vergleichsweise. Es gibt diese Demokratie, in der jeder die gleichen Rechte hat und die gleichen Pflichten. Es gibt eine Gewaltenteilung, freie Presse, ein weitgehend funktionierendes soziales Sicherungssystem. Und: Es gibt große Teile dieser Welt, in denen Menschen davon nur träumen. Die sich vermutlich an den Kopf fassen würden, warum wir nicht längst in viel größeren Zahlen auf den Straßen stehen, denen entgegentreten, die Abschottung, Abschiebung und Unmenschlichkeit fordern. Warum wir nicht endlich hingehen zu denen, die sich unverstanden fühlen, abgehängt, bedroht. Weil sie selbst genau das tun – Tag für Tag.

Menschenrechte, Journalismus, Inklusion, Umwelt

Vier von ihnen werden für ihren Einsatz für Menschenrechte heuer wieder mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet. Da ist zum Beispiel der Menschenrechtsanwalt Colin Gonsalves, der sich in seiner Heimat Indien vor Gericht immer wieder an die Seite von Menschen stellt, die dort zu den am wenigsten geachteten gehören. Oder Yetnebersh Nigussie, die – selbst seit ihrem sechsten Lebensjahr erblindet – in Äthiopien die Rechte von Menschen mit Behinderungen stärkt und sich für deren Inklusion einsetzt. Sie ermöglicht ihnen, ihr Potenzial voll auszuschöpfen und verändert dabei die Denkweise einer ganzen Gesellschaft. Die Journalistin Khadija Ismayilova erhält die Auszeichnung „für ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit, in Aserbaidschan Korruption auf höchster Regierungsebene durch herausragenden investigativen Journalismus aufzudecken“. Es ist das erste Mal, dass ein Right Livelihood Award an eine Aserbaidschanerin geht.

Gonsalves, Nigussie und Ismayilova teilen sich ein Preisgeld in Höhe von 3 Millionen Schwedischen Kronen (ca. 315.000 Euro). Der Ehrenpreis hingegen ist undotiert: Der US-amerikanische Anwalt Robert Billot erhält ihn „für die Aufdeckung einer über Jahrzehnte andauernden chemischen Umweltverschmutzungin Parkersburg/West Virginia, das Erreichen von Entschädigung für deren Opfer und seinen Einsatz für eine effektivere Regulierung gefährlicher Chemikalie.“

EINE Welt

„Die diesjährigen Preisträger schützen die Rechte und das Leben der Bürger auf drei Kontinenten. Mit ihrer mutigen Arbeit für Menschenrechte, öffentliche Gesundheit und verantwortungsvolle Regierungsführung begegnen sie einigen der weltweit drängendsten Herausforderungen. In einer Zeit der alarmierenden Rückschläge für die Demokratie zeigen uns ihre Erfolge den Weg zu einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Welt für alle“, erklärt Ole von Uexkull, Direktor der Right Livelihood Award Stiftung.

„Der Right Livelihood Award ist keine Auszeichnung für die politische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche Elite der Welt, sondern eine Auszeichnung für normale Menschen und ihre Arbeit für eine bessere Zukunft. Jeder Mensch auf der Welt kann jeden für den Preis nominieren“, heißt es in der Aussendung der Stiftung. Im Jahr 1980 gegründet, ehrt und unterstützt der Right Livelihood Award Menschen und Organisationen, die visionäre und beispielhafte Lösungen für die Ursachen globaler Probleme anbieten. Mit den diesjährigen Preisträgern zählt die Stiftung 170 Preisträger aus 69 Ländern.

Quelle: Right Livelihood Award / red