23 katholische Privatschulen hat Vorarlberg. Rund 3500 Schülerinnen und Schüler besuchen eine davon und nein, es sind natürlich nicht alle von ihnen katholisch. Aber woran „merkt“ man denn eigentlich das „Katholische“ an der Privatschule? Das ist nur eine der Fragen, mit denen sich die Vertreterinnen und Vertreter eben dieser Schulen beim Austausch- und Vernetzungstreffen des diözesanen Schulamtes beschäftigten.

Was also braucht man für das „Prädikat“ katholische Privatschule? Reicht der konfessionelle Religionsunterricht? Muss da eine Kirche oder Kapelle in der Nähe oder im besten Fall auf dem Schulgelände sein? Muss man katholisch sein, um aufgenommen zu werden? Oder wie „spürt“ man denn überhaupt, dass man sich jetzt auf dem Gelände einer katholischen Privatschule bewegt? Diese Fragen sind nicht ganz leicht zu beantworten. Umso spannender ist es, wenn sich die Vertreterinnen und Vertreter der katholischen Privatschulen im Land regelmäßig vernetzen und über ihr Selbstverständnis auch austauschen. So, wie zuletzt im Feldkircher Diözesanhaus.  Denn im Grunde geht es um die eine zentrale Frage: Welche Stimme im großen Gesamtkonzert der Schulen spielen heute - noch oder auch mehr denn je - die katholischen Privatschulen?

Rücksicht versus Ellenbogen

Was wir aktuell und generell erleben, betonte dabei Evelyn Marte-Stefani, Vorarlberger Bildungsdirektorin, sei eine große Krise des Vertrauens. Egoismus und Ellenbogenmentalität herrschen vielerorts. Umso drängender werde es, Menschlichkeit und die Rücksichtnahme auf Schwächere zu pflegen. „In einer materialistischen Gesellschaft ist es wichtig, den Sinn der Jugendlichen für kulturelle-geistige Werte zu wecken. Katholische Privatschulen leisten hier einen besonderen, unschätzbaren Wert“, benannte Evelyn Marte-Stefani gleich eine der vielleicht wichtigsten Charaktereigenschaften einer katholischen Privatschule und unterfütterte diesen Aspekt auch spirituell mit den Worten Anselm Grüns. Wir lebten heute in einer Zeit der zunehmenden Beliebigkeit. Gut ist, was gut tut. Die Frage danach, was denn aber wirklich gut ist und wirklich gut tut, die Frage danach, was es denn wert ist, ein Leben danach auszurichten, diese Frage rücke immer öfter in den Hintergrund.  Lebt eine Gesellschaft nach dem Prinzip „anything goes“, so breche sie auf lange Sicht zwangsläufig auseinander.

Wo Kirche auf Gesellschaft trifft

Die katholischen Privatschulen bilden hier im Idealfall ein Gegengewicht. Auch durch sie leuchten christliche Werte in die Gesellschaft hinein. Aber auch umgekehrt wird ein Schuh daraus. Denn die Schule, der Religionsunterricht ist, und das wurde Bischof Benno Elbs nicht müde zu betonen, heute der Ort, an dem die Gesellschaft am unverblümtesten auch auf „die Kirche“ zurückstrahlt. „Dieses Treffen heute ist für mich ein ganz besonderer Moment. Es zeigt, wie viele katholische, christliche Privatschulen es heute bei uns im Land gibt. Die Privatschulen, der Religionsunterricht an sich ist ein wichtiger Teil unserer ,Jugendarbeit‘. Die Schule ist der Ort, an dem wir als Kirche am kontinuierlichsten Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben und halten. Schule wird dann auch zum Ort der religiösen Erfahrung, wenn Jugendliche dort den Umgang miteinander, Nächstenliebe und Solidarität lernen und begreifen können.“

Ein Dauerauftrag für Privatschulen

Soweit, so gut. Dass das Erreichen dieser Zielvorgabe ein Dauerauftrag ist, war auch klar. Und dass es in der Vielfalt der katholischen Privatschulen wohl viele Ansätze dazu gibt, zeigte auch die Bandbreite, in der die katholischen Privatschulen an diesem Nachmittag in Feldkirch vertreten waren: von der Kathi Lampert-Schule für Sozialbetreuungsberufe bis zur Schule für Hör- und Sprachbildung. Von der Landwirtschaftsschule zum Ordensgymnasium, weiter zu Volksschulen und einer Vielzahl von AHS-Schulen. Breit aufgestellt ist das „Katholische“ im Schulwesen.

An katholischen Privatschulen kein Zufallsbefund

Aber was macht es denn nun wirklich aus, dieses „Katholische“? Vielleicht, dass „Kinder, die an anderen Schulen keinen Platz mehr finden, immer wieder einmal zu uns kommen und wir mit ihnen bisher immer gute Erfahrungen gemacht haben. Das ist gelebte Menschlichkeit“, so die eine Wortmeldung. Vielleicht auch, dass die Schülerinnen und Schüler „sich die Charismen der Orden zu eigen machen“ oder vielleicht macht sich dieser besondere Geist auch bemerkbar, wenn Schüler.innen über Mitschüler:innen sagen, von denen sie durchaus auch gehänselt werden: „Ich bin mir sicher, in der Tiefe ihres Herzens mag sie mich.“ Natürlich, all diese Sätze könnten auch an anderen Schulen fallen. Aber an katholischen Privatschulen sollte es kein Zufall sein, dass sie fallen.     

Wo sind die "roten Fäden"?

Warum das im besten Fall so ist und warum das gerade in Zukunft als ein Qualitätskriterium auch entscheidend werden kann, das führte Clemens Paulovics, Bereichsleiter für Bildung und Ordensschulen der österreichischen Ordenskonferenz in seinem kurzen Ritt durch die Geschichte des katholischen Schulwesens aus. Denn ja, warum haben denn die katholischen Privatschulen heute das Image, das sie eben haben? Wo hat das seinen Ursprung? Und verpflichten diese „Vorschusslorbeeren“ nicht auch in besonderer Weise zur Einhaltung dieser Qualitätskriterien, die manchmal wage, manchmal sehr konkret im Raum stehen. Oder anders gesprochen: Was steckt denn hinter diesem „Prädikat“ katholisch?

Dass sich Vertreterinnen und Vertreter von 23 katholischen Privatschulen an einem Nachmittag da sofort auf einen gemeinsamen Kriterienkatalog einigen würden, das war nicht Ziel der Übung. Aber der Nachmittag zeigte, wie wichtig der Austausch über rote Fäden, die sich – auch aus der Geschichte – zeigen, doch ist.

Orden, die die Schule prägten

Was im Mittelalter der Unterricht in Klöstern war, wurde schon bald auch durch Schulen an Bischofs- und Adelssitzen ergänzt. Ab dem 13. Jahrhundert fanden sich, so Paulovics in seinem kurzen Überblick, auch vereinzelt öffentliche Schulen. Und dann kam 1774 Maria Theresia und mit ihr die Schulpflicht. Die älteste Schule in Österreich befindet sich übrigens in Melk (Stiftsgymnasium Melk) und geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Es waren die Orden – und dort vor allem die Benediktiner, die Jesuiten und die Piaristen – , die das Schulwesen lange Zeit geprägt hatten. Die Italienerin Angela Merici (1474-1540), der Gründerin des Ursulinenordens, und die englische Ordensschwester Mary Ward (1585-1645) zählen zu den ersten Frauen, die sich auch für die Bildung von Mädchen an Schulen einsetzten. Vor allem aber war es die zunehmende Industrialisierung und die sozialen Nöte, die diese mit sich brachte, die das Schulwesen so richtig boomen ließ.  In den Städten stieg die Zahl der Straßen- und Waisenkinder, die in Schulen der Kirche eine Ausbildung erhielten.

"Obwohl" katholisch, nicht "weil"

„Denn für wen waren denn die katholischen Schulen? Für die Elite aus Staat und Kirche und für die Armen“, betont Clemens Paulovics und führt mit diesem Blick aus der Vergangenheit direkt ins Heute. „Katholische Schulen findet man heute in einem sehr breiten Feld an Schultypen. Österreichweit besuchen rund 76.000 Schülerinnen und Schüler eine katholische Schule. 70% aller  katholischen Schulen sind Ordensschulen. Im sonderpädagogischen Bereich ,hinkt‘ man nach. Und, katholische Privatschulen werden heute als elitär, konservativ aber auch als werteorientiert wahrgenommen und gelten als Garant für ein hohes Bildungsniveau. Nicht selten hört man auch, dass Eltern ihre Kinder in diese Schulen schicken ,obwohl‘ es eine katholische Schule ist, nicht ,weil‘“, nennt Clemens Paulovics hier die gesellschaftlichen Kinder beim Namen.   

Warum sich denn ein Absolvent, eine Absolventin einer katholischen Privatschule immer dafür rechtfertigen müsse, dass er oder sie diese oder jene Schule gemacht habe? Diese Frage höre man oft, so Paulovics und sie sei berechtigt. „Nein, ein Schüler, eine Schülerin muss sich nicht dafür rechtfertigen. Aber wenn er oder sie das, was er oder sie an einer katholischen Privatschule gelernt und erfahren hat nur zum eigenen Vorteil nutzt, dann müssen wir uns als Vertreterinnen und Vertreter katholischer Privatschulen fragen, ob wir dann als Schule nicht versagt haben?“.

Was macht eine katholische Privatschule aus?

Woran also merkt man, dass man sich an einer katholischen Privatschule befindet? Vielleicht an der Konfliktfähigkeit, am anderen Umgang miteinander, mit kultureller und auch religiöser Diversität oder auch an den Festen und Feiern im Jahreskreis? Reicht das? Braucht es mehr? Ein Unterstützungssystem für Kinder aus finanzschwächeren Familien vielleicht? Ein schulpastorales Konzept oder rein die Diskussion darüber, was denn das Katholische an den katholischen Privatschulen sein soll und sein kann.  

Eines ist sicher, Vernetzungs- und Austauschtreffen wie jenes im Saal des Feldkircher Diözesanhauses sind ein wichtiger Schritt in der Diskussion um diese Art des Schule-Seins. Es ist eine Diskussion, die heute geführt und morgen umso wichtiger werden wird.  

 

Faktencheck

Was haben die katholischen Privatschulen mit der Diözese zu tun?

  • in Vorarlberg gibt es derzeit 23 katholische Privatschulen
  • rund 3500 Schülerinnen und Schüler werden an einer dieser Schulen unterrichtet
  • katholische Privatschulen sind Schulen, die von der Kirche und ihren Einichtungen oder auch von Vereinen, Stiftungen oder Fonds errichtet wurden und von der kirchlichen Oberbehörde (in der Diözese Feldkirch in der Regel der Diözesanbischof) als katholische Schulen anerkannt wurden
  • der Diözesanbischof ist letztlich verantwortlich für die katholischen Privatschulen auf dem Gebiet "seiner" Diözese
  • katholische Privatschulen müssen die Voraussetzungen zur Errichtung einer Schule und für die Verleihung des Öffentlichkeitsrechtes nach dem Privatschulgesetz erfüllen
  • im Schulamt der Diözese beschäftigt sich die Privatschulreferentin besonders mit den Agenden der katholischen Privatschulen
  • derzeit wird diese Funktion durch Schulamtsleiterin Annamaria Ferchl-Blum ausgeübt. Sie ist mit den katholischen Privatschulen ständig im Kontakt
  • ein Format dazu ist der einmal im Jahr stattfindende Begegnungsnachmittag