Die Heuschrecken-Plage in Ostafrika hat mehr als biblische Ausmaße – und Hilfe ist dringend notwendig, um eine Hungerkatastrophe zu verhindern.

„Wenn du dich weigerst, mein Volk ziehen zu lassen, so schicke ich morgen Heuschrecken über dein Land.“ So sprach Mose einst zum Pharao (Exodus 10,4). Aber der Pharao ließ das Volk Israel – wieder –nicht ziehen. Der Rest ist Geschichte: Die gefräßigen Insekten fielen schwarmweise über die Ernten her und „in ganz Ägypten blieb nichts Grünes.“ (Ex 10,15). Einzig an eine Stelle dieser Erzählung muss man aus heutiger Sicht ein Fragezeichen machen. Die, wo es heißt „Niemals vorher gab es so viele Heuschrecken wie damals, auch wird es nie wieder so viele geben.“ (Ex 10,14).

Ungekannte Dimensionen

Denn: Sie sind zurück. Und 2020 ist nur ein Gebiet der Größe Ägyptens betroffen, sondern ein Großteil Ostafrikas. In Äthiopien, Somalia, Kenia, Tansania und Uganda wüten die Tiere bereits. Eine Region, die ohnehin gebeutelt ist von Dürren und kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt appelliert darum an die österreichische Bundesregierung, Finanzmittel freizugeben, um eine durch die Schädlinge ausgelöste riesige Hungerkrise zu verhindern. Zudem müsse der Auslandskatastrophenfonds endlich substanziell aufgestockt werden, erinnert die Organisation Bundeskanzler Sebastian Kurz an seine Ankündigungen.

„Jeder Euro, den man jetzt für die Bekämpfung der Heuschreckenplage ausgibt, ist gut investiert, denn in Ostafrika bahnt sich eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes an“, warnt Jugend Eine Welt-Geschäftsführer Reinhard Heiserer. „In Kenia wurden bereits Schwärme gesichtet, die sechzig Kilometer lang und vierzig Kilometer breit sind. Zum Vergleich: Wien hat eine West-Ost-Ausdehnung von rund dreißig Kilometern. Wenn sich diese Schädlinge in den kommenden Wochen um ein Vielfaches vermehren, ist die Ernährungslage von 13 Millionen Menschen bedroht.“

Die Zeit drängt

Die Schwärme bestehen aus Millionen Wüstenheuschrecken, die bis zu neun Zentimeter groß sind und am Tag bis zu 150 Kilometer vorankommen. Sie hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Schon ein kleiner Schwarm von einem Quadratkilometer Größe benötigt laut Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) täglich so viel Nahrung wie 35.000 Menschen. Experten befürchten, dass die Anzahl der Heuschrecken während der Regenzeit, die Anfang März beginnt und bis Ende Mai andauert, auf das 500-Fache steigen könnte – mit verheerenden Auswirkungen auf Landwirtschaft und Viehzucht bzw. die örtliche Ernährungslage. Ein Expertenteam der Universität Konstanz hat sich dieser Tage aufgemacht, um die Plage vor Ort zu untersuchen. Ziel ist, das Verhalten der Tiere besser zu verstehen, um Katastrophen dieser Art zukünftig besser vorhersehen und verhindern zu können.

Die Salesianer Don Boscos bitten dringend um Hilfe bei der Bewältigung aktuellen Krise. Die Regierung sprühe zwar Pestizide aus der Luft, doch das reiche nicht aus. Um zu verhindern, dass in rund sechs Wochen neue Larven schlüpfen, wollen die Jugend Eine Welt-Projektpartner die Bauern darin schulen, auch am Boden zu sprühen, mit möglichst wenig negativen Auswirkungen auf die restliche Tier- und Pflanzenwelt. Um für eine potenzielle Hungerkrise gerüstet zu sein, möchten sie Nahrungsmittelvorräte anlegen. Zudem planen sie die Verteilung von Saatgut an Bauern, deren Ernte durch die Schädlinge vernichtet wurde.

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Quelle: Jugend Eine Welt / vorarlberg.orf.at / red
Foto: ChriKo, Schistocerca gregaria L2 hoppers, Zuschnitt, CC BY-SA 4.0