Informationen aus erster Hand über die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und die Bedrohung der dort lebenden Indios erhielt Papst Franziskus im Rahmen der Sonderaudienz mit Bischof Erwin Kräutler. Der austro-brasilianische Bischof wird zudem an der Abfassung der geplanten Enzyklika über Ökologie und die Bedrohung der Erde mithelfen. Die Enzyklika wäre der zweite große Text, den Franziskus seit seinem Amtsantritt im März als Hauptautor verfasst haben würde.

Dass der aus Vorarlberg stammende Bischof Erwin Kräutler schon lange gegen den Bau des Megastaudammprojektes "Belo Monte" in Brasilien und für die Recht der Indigenen kämpft, ist keine Neuheit. Nun konnte er seine Erlebnisse und Probleme rund um das naturzestörende Projekt Papst Franziskus höchstpersönlich im Rahmen einer Sonderaudienz erzählen.

Im Gespräch mit Papst Franziskus
Themen des Gesprächs des Bischofs mit dem Papst waren dabei angeblich die verfassungsmäßigen Rechte der indianischen Urbevölkerung Brasiliens, die Bedrohung der Indios und des Regenwalds durch das Agrobusiness, die Folgen des Baus des Megastaudamms Belo Monte am Xingu-Fluss sowie Vorschläge gegen den Priestermangel. Im ORF-Morgenjournal sagte Kräutler, Brasilien habe nach der Rückkehr zur Demokratie in den 1980er-Jahren die Indianerrechte in der Verfassung verankert. Großgrundbesitzer und Agrobusiness unternähmen heute aber alles mögliche, um diese Rechte auszuhebeln. Das würde ein Ende der indigenen Völker bedeuten.

Umwelt und Priestermangel
Der Bau des Megastaumdamms Belo Monte erfolge unter massivsten Polizeischutz, berichtete der Bischof. Dass das Projekt, das mit der Absiedelung von 40.000 Fischern und Kleinlandwirten verbunden ist, nur auf diesem Weg realisiert werden könne, "spricht ja schon Bände".  Im Blick auf den extremen Priestermangel in seiner Diözese, die so groß wie Deutschland ist, sagte der aus Vorarlberg stammende Missionsbischof, der Papst erwarte "mutige und kühne Vorschläge". Franziskus habe aber betont, man könne von ihm "nicht Rezepte verlangen".

In Arbeit
Aktuell arbeite  Franziskus an einem Text, in der es um Schöpfung, Umwelt und das Problem der Verschwendung gehe; "die Perspektive ist die einer Enzyklika", so Vatikansprecher P. Federico Lombardi. Bisher handle es sich allerdings um ein gerade erst begonnenes Projekt. Papst Franziskus hat den austro-brasilianischen Bischof Erwin Kräutler eingeladen, an der Abfassung der geplanten Enzyklika über Ökologie und die Bedrohung der Erde mitzuhelfen.

Die Enzyklika wäre nach dem päpstlichen Lehrschreiben "Evangelii gaudium" (Freude des Evangeliums) vom November 2013 der zweite große Text, den Franziskus seit seinem Amtsantritt im März als Hauptautor verfasst haben würde. Das im Juni 2013 veröffentlichte Lehrschreiben über den Glauben, "Lumen Fidei", stammte noch zu großen Teilen von seinem Vorgänger Benedikt XVI. (red/kathpress)