600 Millionen Euro an Spenden erwartet der Fundraising Verband Austria" (FVA) heuer bis zum Jahresende. Und das beweist: Die ÖsterreicherInnen zeigen sich heuer noch großzügiger als im Vorjahr - um fünf Prozent spendabler. Mit 12 Millionen wurde in den letzten Wochen allein die Flüchtlingshilfe im In- und Ausland unterstützt. Auch wenn die Zahlen noch nicht ganz fix sind, könne doch eines mit Sicherheit gesagt werden: die Solidarität der Österreicher bleibt weiterhin ungebrochen.

Die "Big Player" im heimischen Spendenwesen waren im Jahr 2014 das Rote Kreuz (64 Millionen Euro) und Caritas (60 Millionen), die allerdings gegenüber 2013 um neun Millionen weniger lukrierte: Caritas-Expertin Angelika Simma erklärte dies damit, dass 2013 für die Caritas u.a. wegen des Hochwassers in Österreich und der Flut auf den Philippinen ein positives "Ausreißerjahr" war und das Jahr 2014 deutlich über dem Ergebnis von 2012 liege. Unter den Top Ten der Spendenorganisationen sind mit der Dreikönigsaktion (16,5 Millionen Euro) und Missio (10,4) zwei weitere kirchliche NGOs, im Vorderfeld der insgesamt 1.135 erfassten Organisationen sind weiters "Jugend Eine Welt" (7,3), die von P. Georg Sporschill gegründeten "Concordia Sozialprojekte" (4,7), die MIVA (3,5) und "Sei so frei - Bruder in Not" (3,3).

Die ÖsterreicherInnen spenden für ...
Auf die Frage, warum gespendet wird, nennen die Österreicher als Hauptmotive "Sicherheit, dass Spende ankommt", "Organisation sympathisch" und "Solidarität mit Armen". Bei den Begünstigten liegen wie seit Jahren Kinder und Tiere an der Spitze; bemerkenswert ist laut Meinungsforscher Bernhard J. Hofer von "Public Opinion", dass die Bereitschaft, für die Opfer von Kriegen im Ausland zu spenden, seit Jahren kontinuierlich steigt - von marginalen 1-2 Prozent vor zehn Jahren auf heuer erwartete 7 Prozent. Auch das Mitleid mit Obdachlosen und Bettlern im Inland steigt: Mit 15 Prozent liegt diese Zielgruppe bereist an vierter Stelle der Spendenzielgruppen, noch vor den Kirchen und Religionsgemeinschaften, wie Hofer darlegte.

2015 sei nicht zuletzt durch die Flüchtlingsbewegungen ein besonderes Jahr gewesen. Die steigende Sensibilität für Armut und Notlagen habe vor allem im informellen Bereich zu erstaunlicher Hilfsbereitschaft geführt, freute sich auch Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger über viele spontane Sach-, Zeit- und Geldspenden durch nicht in Organisationen eingebundene Privatleute. Dieses Verhalten widerspreche der Behauptung einer "Ego-Gesellschaft". Besonders erfreulich: Immer mehr Bürger nutzen auch die Vorteile der Spendenabsetzbarkeit. Seit deren Verankerung im Jahr 2009 sei das Spendenaufkommen um 240 Millionen gesteigert worden, berichtete Lutschinger.

Endgültige Zahlen bleiben abzuwarten
Als "Spendenweltmeister" können sich die Österreicher seriöserweise nicht bezeichnen: Im internationalen Vergleich liegt Österreich mit 70 Euro pro Kopf deutlich hinter Großbritannien, dem Europa-Spitzenreiter (314 Euro), aber auch hinter der Schweiz (208), Deutschland (86) und allen skandinavischen Ländern. Die Zahlen für 2015 sind noch vorläufig. Abzuwarten bleibt laut FVA, wie sich die Sammlungen rund um die Weihnachtszeit auf das Gesamtaufkommen auswirken werden. Diese betragen in der Regel 25 bis 30 Prozent des gesamten Aufkommens. Eines lasse sich aber jetzt schon sagen: "Entgegen vieler Befürchtungen ist die Solidarität der Österreicher weiterhin ungebrochen, die Österreicher sind solidarisch wie noch nie", zeigte sich Geschäftsführer Lutschinger beeindruckt. (red/kathpress)