Vorbei. Seit Sonntag ist der Anti-Missbrauchsgipfel in Rom zu Ende. Und während ihn die einen als "vage" und nichtssagend empfanden, freuen sich andere über die Worte von Papst Franziskus - denen hoffentlich Taten folgen.

Man kam am Thema kaum vorbei. Gottseidank. Vier Tage - von 21. bis 24. Februar - hörten und sahen die rund 200 Bischöfe und Ordensobere Zeugnisse von Opfern, lauschten Referaten, berieten in Arbeitsgruppen, bekannten in einem Bußgottesdienst das Versagen der Kirche und hörten eine grundsätzliche Rede des Papstes. "Dieser Gipfel hat uns wirklich verändert. Da ist etwas mit uns passiert in dieser Aula!", zeigte sich die nigerianische Ordensobere Veronica Openibo betroffen.

Offen, ehrlich und unverschlüsselt

"Ich habe noch nie eine so offene, direkte, ehrliche, unverschlüsselte Begegnung erlebt wie in diesen vier Tagen", bestätigte auch der Kardinal Christoph Schönborn, der Österreich in Rom vertrat. Er habe "Synodalität erlebt", alles konnte gesagt werden. "Das starke Erlebnis war die große Einmütigkeit. Es gab keine Parteien, wie man das bei anderen Themen schon erlebt hat", hielt der Kardinal fest.

Nur (leere) Worte, oder ...?

So weit so gut. Vielen stellte sich am Sonntag die Frage, was nun konkret passieren wird. Oder OB was geschehen wird.  "Kein Missbrauch darf jemals mehr vertuscht werden, wie dies in der Vergangenheit üblich war", stellte Papst Franziskus klar. Er forderte die Bischöfe, Ordensoberen und vatikanischen Behördenchefs auf, neue Ansätze zur Vorbeugung gegen Missbrauch auf allen Ebenen der Kirche zu entwickeln.

Der Papst wiederholte seine Zusage, dass "die Kirche keine Mühen scheuen wird, alles zu tun, was notwendig ist, um jeden Missbrauchstäter der Justiz zu übergeben". An die Stelle einer Haltung, der es um die Verteidigung der Institution gehe, müsse den Opfern Vorrang gegeben werden, betonte er einen "Mentalitätswechsel". In der Priesterausbildung müsse zudem darauf geachtet werden, dass Menschen mit ungeeigneter Persönlichkeitsstruktur vom Priesteramt ausgeschlossen werden.

Konkrete Schritte

In Kürze soll es in Folge einen Papst-Erlass "zum Schutz von Minderjährigen und schutzbefohlenen Personen" geben, welcher die Vorbeugung und den Kampf gegen Missbrauch vonseiten der römischen Kurie und des Vatikanstaats stärken soll. Begleitet werde dieses von einem neuen Gesetz für den Staat der Vatikanstadt sowie Richtlinien für das Vikariat des Vatikan.

Des weiteren werde die Glaubenskongregation ein "Vademecum" veröffentlichen, das Schritt für Schritt auflistet, wie Bischöfe mit Fällen umzugehen haben und wie Prävention auszusehen hat. Außerdem habe der Papst den Wunsch geäußert, eine Art von "Task Forces" zu schaffen, besetzt mit Experten verschiedener Disziplinen. Diese sollen jenen Bischofskonferenzen und einzelnen Diözesen helfen, die sich schwer tun, das Problem anzugehen und Präventionsmaßnahmen in die Wege zu leiten.

Mit Blick auf Österreich

Wie Kardinal Schönborn und Bischof Benno Elbs (er leitet innerhalb der Österreichischen Bischofskonferenz eine Arbeitsgruppe zum Thema Missbrauch) im Vorfeld des Gipfels erklärten, sei man in Österreich  in den vergangenen Jahren den Weg verstärkter Prävention gegangen, etwa in Form von Gewaltschutzschulungen für Mitarbeiter in der Diözese und in Pfarren, in Form der Einrichtung unabhängiger Ombudsstellen und diözesaner Kommissionen. (red/kathpress)

Hier geht es zur Ansprache von Papst Franziskus am Sonntag, 24. Februar 2019